Eingereicht von: Verein Regenbogenland, DI Silvia Lackner
Projektstart: 2008
Kategorie: Kinder/Jugendliche, Integration/Migration
Webseite: http://www.rebola.at


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Interview mit DI Silvia Lackner

„Gewinner des Bank Austria Sozialpreises 2017 in Kärnten“: Wie hört sich das an? Was war Ihre erste Reaktion?

Freude und vor allem Überraschung, es in der letzten Woche geschafft zu haben. Fast gleichzeitig aber auch ein ungutes Gefühl: Welche Enttäuschung muss unser Sieg für die anderen Projekte darstellen, besonders für das zweitplatzierte?
(DI Silvia Lackner, Koordinatorin)

Wie haben Sie selbst die letzten Wochen und Tage des Votings erlebt?

Zunächst einmal haben wir uns mächtig gefreut, dass wir unter den drei Kärntner Siegerprojekten sind. Die Lust mit den anderen beiden Kärntner Projekten mittels Onlinevoting in Wettbewerb zu treten, hielt sich allerdings in Grenzen. Das Regenbogenland und vor allem auch die zugehörige Evangelische Pfarggemeinde St. Ruprecht verbindet mit Westbahnhoffnung seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit. Über die Plattform Migration, in der alle drei Projekte vertreten sind, kennen wir auch Dragana Jakovljević, eine der Initiatorinnen von HIPPY & SMILE und schätzen ihr Engagement sehr. Der Solidarität vieler Menschen bzw. der Eigendynamik, die sich zu unserer Verwunderung speziell während der letzten beiden Tage des Votings entwickelt hat, haben wir es letztlich zu verdanken, dass wir in der Zielgeraden tatsächlich die Nase vorn hatten.
(DI Silvia Lackner, Koordinatorin)

Beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was das Besondere an ihrem Projekt ausmacht?

Es passt in keine Schublade. Wenn wir mit Schulkindern oder interessierten Gruppen am Gelände sind, ist es Bildungsarbeit. Wenn Asylwerber wurzeln in der Fremde schlagen, ist es Integrationsarbeit. Wenn sozial Schwache einen Anlaufpunkt finden, ist es Sozialarbeit. Wenn wir uns für Artenvielfalt und biologische Landwirtschaft einsetzen, dann ist es gelebter Umweltschutz. Für uns hängen diese Dinge alle unmittelbar miteinander zusammen und drücken letztlich die Ehrfurcht vor dem Leben aus.
(Mag. Norman Tendis, Obmann und Pfarrer der Evang. Pfarrgemeinde St. Ruprecht bei Villach)

Wie werden Sie das Preisgeld von 6.000,- EUR konkret für Ihr Projekt einsetzen?

Eine zukunftsfähige Gesellschaft beruht nicht auf Konkurrenz, sondern vielmehr auf Kooperation. Davon sind wir überzeugt, und diese Überzeugung versuchen wir auch zu leben. Kooperation ist also das Zauberwort und wo Kooperation im Spiel ist, ist Teilen nicht weit. Um es kurz zu machen: Wir haben uns entschlossen nur die Hälfte des Preisgeldes für uns zu beanspruchen. Den Rest möchten wir so auf unsere Mitbewerber aufteilen, dass alle dieselbe Summe, also € 3000.- erhalten. Unsere € 3000.- erlauben uns, das Dach des Tomatenhauses zu sanieren und über die Anschaffung eines Hagelnetzes, sowie die Errichtung eines dringend notwendigen Geräteschuppens nachzudenken. Hinter der Vergabe dieses Preises steckt ja bekanntlich die Intention „Die Welt ein Stück besser zu machen!“ Bleiben wir dran!
(DI Silvia Lackner, Koordinatorin)

Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Projekte ins Leben zu rufen, die einen Nutzen für Kinder/Jugendliche/die Gesellschaft stiften?

Wir leben in einer Zeit des Wandels. Krisen aller Art führen uns vor Augen, dass es so nicht weitergehen kann. Da ist es wichtig, für Kinder, Jugendliche und die Gesellschaft gelebte Hoffnungszeichen zu setzen, die inspirieren, Mut machen und dazu anregen, die eigenen Gestaltungsspielräume zu entdecken und mit Freude für die Zukunftsfähigkeit unserer Welt einzusetzen.
(Mag. Norman Tendis, Obmann und Pfarrer der Evang. Pfarrgemeinde St. Ruprecht bei Villach)


Das Projekt

Das Regenbogenland ist ein Gemeinschaftsgarten auf einem 9000 m² großen Areal der evangelischen Pfarrgemeinde St. Ruprecht bei Villach. Er wurde 2008 auf Initiative der Gemeinde aus der Taufe gehoben. Freiwillige Helfer haben das Gelände im Laufe der Jahre zum Erblühen gebracht. So konnte ein Ort der Begegnung entstehen. Ein Gemeinschaftsgarten mit Nähr- und Mehrwert. 2013 hat der interkulturelle Garten seine Pforten geöffnet. Einheimische und Menschen anderer Nationen können seither kleine Parzellen pachten, um ihr eigenes Gemüse anzubauen. Viele Menschen von außerhalb sehen darin, eine Chance Wurzeln in der Fremde zu schlagen. Die gemeinsame Gartenarbeit erleichtert die Verständigung unter den Kulturen und kann helfen Vorurteile abzubauen und Wege aus der persönlichen Isolation zu finden.

Der Gemeinschaftsgarten Regenbogenland ermöglicht es Menschen, unabhängig von Herkunft, Bildungsgrad und Religion sowohl miteinander, als auch mit der Natur in eine lebendige Interaktion zu treten. Gemeinschaftsgärten sind an der Schnittstelle zwischen Integration und Ökologie angesiedelt, und leisten als solche auch einen wesentlichen Beitrag zur Umweltbewusstseinsbildung, Biodiversität und Ernährungssouveränität.

Der Verein findet deshalb auch beide Schwerpunktsetzungen des Bank Austria Sozialpreises Kinder und Jugendliche sowie Integration und Migration in ihrem Projekt wieder. In der aktuellen Zeit mit ihren großen Herausforderungen, die die Flüchtlingsströme mit sich bringen, ist es wichtig Beispiele gelebter Willkommenskultur, wie sie die Gemeinschaftsgärten darstellen, für eine breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Der Sozialpreis der Bank Austria wäre eine solche Plattform und könnte gleichzeitig die Fortführung bzw. Absicherung des Projekts gewährleisten.

Profitieren würde auch die stetig wachsende Zahl der bisher 50 Gärtnerinnen und Gärtnern aus 8 Nationen und die ca. 200 weiteren regelmäßigen Nutzerinnen und Nutzer, wie Schulklasse und Mitgliederinnen bzw. Mitglieder der Pfarrgemeinde. Eine gesteigerte Attraktivität des Gartens, durch mehr finanzielle Mittel könnte auch mehr Besucherinnen und Besucher anlocken und die Philosophie des Gemeinschaftsgartens so noch weiterverbreiten.

Eine aktive Partizipation von Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bank Austria, ist auf vielfältige Art und Weise möglich. Durch Beteiligung an den Garteneinsätzen, Workshops wie Obstbaumschnittkurs, Besuch der Veranstaltungen wie dem Erntedankfest oder durch den Erwerb von Genuss-Scheinen der 20 Apfelbäume und Pflege derselben.