Eingereicht von: Förderverein Kinder- und Jugendhospizarbeit, Mag. Horst Szeli
Projektstart: 2015
Kategorie: Kinder/Jugendliche, Integration/Migration
Webseite: http://www.herzensbruecken.at


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Interview mit Mag. Horst Szeli

„Gewinner des Bank Austria Sozialpreises 2017 in Tirol“: Wie hört sich das an? Was war Ihre erste Reaktion?

Meine ersten Reaktionen waren Freude, Erleichterung und Dankbarkeit. Freude, dass wir den Preis gewonnen haben und mit dem Preisgeld viele betroffene Kinder und ihre Eltern begleiten können, Erleichterung, dass die vielen Votings für unser Projekt letztlich für den Sieg gereicht haben und Dankbarkeit, dass uns so viele Menschen auch wirklich aktiv unterstützt haben.

Wie haben Sie selbst die letzten Wochen und Tage des Votings erlebt?

Da man ja als Projekteinreicher nicht die Möglichkeit hat, den jeweils aktuellen Zwischenstand einzusehen, war es immer wieder spannend, von Votern die gerade aktuellen Prozentsätze zu erfahren. Trotz des ständig größer werdenden Vorsprungs in den letzten Wochen des Votings war bis zuletzt immer eine gewisse Anspannung vorhanden, ob es sich für den Sieg auch wirklich ausgeht.

Beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was das Besondere an ihrem Projekt ausmacht?

Wir ermöglichen Familien mit schwer erkrankten Kindern gemeinsame Phasen der Erholung, um die oft jahrelangen physischen, psychischen und seelischen Belastungen rund um die Erkrankung bewältigen zu können. Wir begleiten die Familien ein Stück ihres beschwerlichen Weges, zeigen ihnen, dass sie in ihrer Ausnahmesituation nicht alleine gelassen werden und ermöglichen etwas, das für diese Familien nicht mehr existiert: ein Stück Normalität. Diese Normalität erreichen wir, indem wir betroffene Familien trotz ihrer ganz speziellen Bedürfnisse unter einem Dach mit nicht betroffenen Familien bedürfnisgerecht betreuen und begleiten. So werden Grenzen und Barrieren überwunden – vor allem jene in den Köpfen. Dieses Miteinander und dieses Erleben von Normalität für Familien mit schwer erkrankten Kindern sind das Besondere und gleichzeitig Einzigartige an Arche Herzensbrücken.

Wie werden Sie das Preisgeld von 6.000,- EUR konkret für Ihr Projekt einsetzen?

Unser Credo lautet: Wir weisen keine betroffene Familie ab, nur weil sie sich einen Aufenthalt aufgrund ihrer angespannten finanziellen Situation nicht leisten kann. Wir werden das Preisgeld dazu verwenden, die vielseitigen therapeutischen Angebote für erkrankten Kinder und Geschwisterkinder während ihres Aufenthalts bei uns weiterhin kostenlos anbieten zu können.

Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Projekte ins Leben zu rufen, die einen Nutzen für Kinder/Jugendliche/die Gesellschaft stiften?

Viele Familien sind mit Schicksalsschlägen konfrontiert, die sie an den Rand ihrer Belastbarkeit bringen. Viele dieser Situationen werden durch unser Sozialsystem etwas gemildert, viele werden aber kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Ohne spezielle Projekte und Initiativen gäbe es für diese Kinder und Familien – „unter dem Radar der medialen Berichterstattung und der Öffentlichkeit“ – nur wenig bis gar keine Hoffnung auf ihrem beschwerlichen Lebensweg. Und Hoffnungslosigkeit ist der Anfang vom Ende. Nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für unsere Gesellschaft!


Das Projekt

Für Familien mit Kindern, die an schweren Erkrankungen leiden, ist es ganz wichtig, gemeinsame Phasen der Erholung zu finden, um die oft jahrelangen Belastungen rund um die Erkrankung bewältigen zu können. Aus dieser Notwendigkeit hat der Förderverein einen Ort geschaffen, an dem betroffene Familien trotz der extrem belastenden Situation, trotz der ständig präsenten Themen Krankheit, Tod und Abschied, Momente der Ruhe, der Freude, des gemeinsamen Glücks und der Zuversicht finden können.

Diesem Ort wurde der Namen Arche Herzensbrücken gegeben, mit dem Ziel betroffene Familien ein Stück ihres beschwerlichen Weges zu begleiten, ihnen zu zeigen, dass sie in ihrer Ausnahmesituation nicht alleine gelassen werden und ihnen etwas zu ermöglichen, das für diese Familien nicht mehr existiert: ein Stück Normalität. Diese Normalität entsteht, indem betroffene Familien trotz ihrer ganz speziellen Bedürfnisse nicht - wie sonst üblich - separiert, sondern sie integriert werden. Durch das Miteinander von betroffenen und nicht betroffenen Familien unter einem Dach will Arche Herzensbrücke Grenzen überwinden und Barrieren abbauen - Barrierefreiheit nicht nur infrastrukturell, sondern in den Köpfen der Menschen schaffen.

Die Integration und das Erleben von Normalität für Familien mit schwer erkrankten Kindern sind das Innovative am Projekt. Durch einen gemeinsamen Aufenthalt unter einem Dach werden betroffene und nicht betroffene Familien für die Bedürfnisse des jeweils anderen sensibilisiert und erfahren, dass und wie ein gelebtes Miteinander möglich ist. Der Verein baut Herzensbrücken nicht nur zu betroffenen Familien, sondern auch Brücken zwischen betroffenen und nicht betroffenen Familien. Die Nachfrage nach Aufenthalten steigt jedes Jahr und betroffene Familien müssen mittlerweile auf eine Warteliste gesetzt werden. Jede finanzielle Unterstützung bedeutet, eine oder mehr Familie/n mehr betreuen zu können. Der Preis dient also zur Absicherung und Fortführung.

Pro Jahr würden in etwa 50 Kinder und Jugendliche (erkrankte und/oder Geschwisterkinder) in den Arche Herzensbrücken Wochen bedürfnisgerecht therapeutisch begleitet und betreut werden können. Durch die geschaffenen Freiräume für Eltern würden auch ca. 30 bis 40 betroffene Eltern profitieren.

Das Projekt wird von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getragen. Die Unterstützungsmöglichkeiten reichen von klassischer ehrenamtlicher Mithilfe in den Arche Herzensbrücken Wochen (Vorlesen, Spielen, Begleitung bei Ausflügen und Mithilfe bei der Vorbereitung), über organisatorische und operative Unterstützung bei Benefizveranstaltungen bzw. Events, bis hin zu Unterstützung durch fachliches Knowhow (IT Fragen, Homepage, Rechtsfragen, etc.). So könnten sich auch Kundinnen und Kunden, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank Austria aktiv beteiligen.