Der April beginnt für viele Menschen mit dem Ausdenken oder Ertragen mehr oder weniger gelungener Aprilscherze: eine gute Gelegenheit, über Wahrheit und Lüge in der Nachhaltigkeit nachzudenken. Die sprachliche Qualität der Diskussion über dieses Leitbild bietet Anlass zur Sorge. Wohl auf keinem Feld werden derart hemmungslos Buzzwords wie Innovation, Partizipation und Transformation durch die Gegend geworfen wie hier.

Dass die Wahrheit bei derartigen Wortgewittern bisweilen unter die Räder kommt, ist dem Publikum bereits aufgefallen. Es gibt sogar ein Wort dafür: Greenwashing. Wenn Unternehmen sich ökologischer geben als sie wirklich sind, kommt dieser Begriff zum Einsatz. Damit durchzukommen, wird immer schwieriger. Konsumentinnen und Konsumenten sind zunehmend informiert, kritisch und empfindlich, wenn ihnen alles Mögliche als „nachhaltig“ verkauft wird.

Es gibt eben bei der Nachhaltigkeit nicht nur unbequeme Wahrheiten – in Anlehnung an Al Gores oscarprämierten Film –, sondern auch bequeme Unwahrheiten. Zum Beispiel wenn man glaubt, dass man durch die Vermeidung von Plastiksackerln die Welt retten kann. Oder wenn man sich der Phantasie hingibt, dass Elektromobilität den Klimawandel aufhalten kann – und dabei nicht berücksichtigt, dass sich diese Strategie bei genauem Hinsehen als gefährliche Sackgasse erweist: Es gibt schlicht nicht genug Rohstoffe, um die Welt mit Milliarden von Elektroautos zu beglücken – und wohl auch nicht genug Parkplätze. Wie sagt man in Wien so schön: Das geht sich nicht aus.

Auch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sind gefährlich nahe an der schmalen Grenze zwischen hoffnungsvollem Zukunftsoptimismus und naiver Realitätsverleugnung, die bisweilen auf problematisches Wunschdenken hinausläuft. Wenn man sich die Ziele genau anschaut, wird deutlich: Mangelnde Prioritätensetzung, reichlich überambitionierte Zielsetzungen und ein geradezu abstrus knapper Zeithorizont prägen den Zielkatalog.

Wer glaubt, dass 2030 (!) Armut und Hunger aus der Welt geschafft, dass bis dahin Frauen und Männer weltweit gleichberechtigt sind und dass innerhalb von 12 Jahren die Klimapolitik endlich nachhaltige Wirkung entfalten wird? Nun – so richtig glaubt das wohl niemand. Und dennoch: Der Zielkatalog der Vereinten Nationen ist ein wichtiges Dokument der Hoffnung, nicht der Faktenverdrehung.

Wenig hilfreich sind dagegen die schon erwähnte, beinahe liebgewonnene Gewohnheit des Greenwashing und die bequemen Lebenslügen der reichen Industrieländer. Wie hat Abraham Lincoln so schön formuliert: „Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.“ Das gilt ebenso für die Nachhaltigkeit. Auch hier gilt: Lügen haben kurze Beine.

Gesellschaftliche Herausforderungen im Fokus

Nachhaltigkeit geht alle an. Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Wohlstand – diese und andere Themen sind von zentraler Bedeutung für eine lebenswerte Zukunft. Die UN hat mit der „Agenda 2030“ eine weltweit anerkannte Leitlinie für globale Nachhaltigkeit geschaffen, zu der sich auch die Bank Austria bekennt. Denn gerade wenn es um Wirtschaft geht, sind Nachhaltigkeit und Verantwortung wichtige Handlungskriterien.
In dieser Kolumne schreibt Fred Luks, Nachhaltigkeitsexperte und Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der Wiener Wirtschaftsuniversität, über Themen, Trends und Herausforderungen in Sachen Zukunftsgestaltung.

Fred Luks privater Blog findet sich unter www.fredluks.com.   

Fred Luks

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