Nachhaltigkeit durch Konflikte - Warum das Aufbrechen alter Strukturen für Innovation essenziell ist

Vom 16. August bis 1. September 2017 findet das diesjährige Europäische Forum Alpbach statt. Hunderte von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft werden dort das Spannungsfeld zwischen Konflikt und Kooperation diskutieren.

Dieses Spannungsfeld ist von entscheidender Bedeutung, wenn sich eine Gesellschaft nachhaltig entwickeln soll. Eine derartige Entwicklung braucht dringend Kooperationen: zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, zwischen Politik und Zivilgesellschaft, zwischen Kunstschaffenden und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern, zwischen Expertinnen und „ganz normalen Bürgern“. Neues Wissen kann nur dann entstehen, wenn auch Menschen miteinander ins Gespräch kommen, die sonst nicht miteinander reden. Ohne neue Ideen keine Nachhaltigkeit – schon deshalb ist Kooperation wichtig.

Mindestens so wichtig sind aber Konflikt, Streit und (möglichst offen ausgetragene) Meinungs- und Interessenunterschiede. Das gilt für die Entstehung von Ideen, aber natürlich auch für deren Umsetzung. Im Marketing gibt es den Spruch: „Innovation im Konsens ist Nonsens.“ So ist es.

Der berühmte österreichische Ökonom Joseph Schumpeter hat den kapitalistischen Innovationsprozess als „schöpferische Zerstörung“ beschrieben. Das bringt es gut auf den Punkt: das Neue ist kreativ, aber eben auch destruktiv. Das ist gerade für eine nachhaltige Entwicklung ein wichtiger, aber oft übersehener Punkt.

Zu glauben, dass sich nachhaltige Politik und verantwortungsvolles Wirtschaften nur durch Kooperation erreichen ließe, ist daher vor allem eines: sehr naiv. Der Wandel in Richtung Nachhaltigkeit wird viele Gewinner haben, aber eben auch – schlag‘ nach bei Schumpeter – zahlreiche Verlierer. Wer Verbrennungsmotoren herstellt, Kleidung unter menschenunwürdigen Verhältnissen herstellt oder sein Geld mit dem Abbau fossiler Energieträger verdient, hat sehr schwere Zeiten vor sich, wenn die Nachhaltigkeitspolitik ernst macht.

Dass die Verlierer sich wehren werden, kann man in diesen Tagen am Beispiel des Reputationsdesasters der deutschen Autoindustrie sehen. Was man dort auch beobachten kann: Es geht hier nicht zuletzt um knallharte Interessenspolitik – zum Beispiel beim Konflikt zwischen Gesundheits- und Umweltschutz und wirtschaftlichen Profitinteressen. Der „Dieselgipfel“ in Berlin hat das nachdrücklich gezeigt.

Deshalb ist es sehr gut, dass in diesem Sommer in Tirol über Konflikt und Kooperation gesprochen wird. Anhand von Themen wie Europa, Digitalisierung und Innovation wird darüber diskutiert, wie Zusammenarbeit und Streit zu einer besseren Zukunft beitragen können. Man kann nur hoffen, dass in Alpbach nicht nur harmonische Gespräche stattfinden, sondern dass es in den Debatten ordentlich zur Sache geht. Das wäre ein wichtiger Beitrag des diesjährigen Forums zu einer nachhaltigen Entwicklung.

Fred Luks privater Blog findet sich unter www.fredluks.com.

Gesellschaftliche Herausforderungen im Fokus

Nachhaltigkeit geht alle an. Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Wohlstand – diese und andere Themen sind von zentraler Bedeutung für eine lebenswerte Zukunft. Die UN hat mit der „Agenda 2030“ eine weltweit anerkannte Leitlinie für globale Nachhaltigkeit geschaffen, zu der sich auch die Bank Austria bekennt. Denn gerade wenn es um Wirtschaft geht, sind Nachhaltigkeit und Verantwortung wichtige Handlungskriterien.
In dieser Kolumne schreibt Fred Luks, Nachhaltigkeitsexperte und Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der Wiener Wirtschaftsuniversität, über Themen, Trends und Herausforderungen in Sachen Zukunftsgestaltung.