A-TAG 2016: SmartBanking und weitere barrierefreie Innovationen

Barrierefreiheit ohne Limit: Unter dem Motto digitale Barrierefreiheit veranstaltet der Verein Accessible Media den A-TAG und leistet damit bereits seit 10 Jahren einen wichtigen Beitrag für eine barrierefreie digitale Medienlandschaft.

Wird heutzutage das Thema Barrierefreiheit angesprochen, denkt man gerne zuerst an Rampen für Rollstuhlfahrer, niedrige Lichtschalter oder ebenerdige Bauweise. Das Internet als wichtigstes Informationsmedium der heutigen Zeit wird oft vergessen: Sowohl technische Aspekte als auch angepasste Inhalte sind enorm wichtig für ein barrierefreies Netz.

Warum ist Barrierefreiheit im Web so wichtig?

Rund 20% der Bevölkerung sind auf die eine oder andere Art körperlich oder geistig beeinträchtigt. Jeder einzelne dieser enormen Zahl an Menschen will ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen.

Dafür ist es unumgänglich, einen barrierfreien Internetauftritt für Menschen mit Behinderungen anzubieten

SmartBanking in Gebärdensprache

SmartBanking ist ein einzigartiges, innovatives Service der Bank Austria: Beratung, wie auch Geschäftsabschlüsse werden per VideoTelefonie bequem von zu Hause aus abgewickelt. Die Beratung wird von zertifizierten Gebärdendolmetscherinnen und Gebärdedolmetschern in Kooperation mit dem ÖGS - dem österreichischen Gehörlosenverband - durchgeführt.

Die Zukunft vor Augen: Die OrCam

Die OrCam ist die erste Brille, die vorlesen kann. Die Brille ist mit einer Kamera, Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet und erkennt Gesten. Mittels Finderbewegung werden so Fotos geschossen und Texte vorgelesen. Beispielsweise erkennt die Brille Straßenschilder oder Ortstafeln. Die Orientierung für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen kann dadurch deutlich verbessert und gleichzeitig die Lebensqualität angehoben werden.

Die Brille erkennt außerdem Personen und Gegenstände und kann diese abspeichern. Die Namen von eingespeicherten Personen werden per Lautsprecher wiedergegeben, wenn die Brille auf die Person gerichtet ist.

Keine Hürden am Arbeitsplatz: Das Zero Projekt

Das von der Essl Foundation ins Leben gerufene Projekt steht seit Jahren unter dem Motto „Für eine Welt ohne Barrieren“ für Gleichbehandlung von beeinträchtigten Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt.

Jährlich wird im Rahmen dieses Projekts der „Innovative Practice and Policy“-Award an Projekte vergeben, die sich mit barrierefreien Lösungen beschäftigen.

Ein österreichischer Vertreter dieses Awards ist die IntegraMouse von LIFEtool Solutions. Sie ermöglicht die Steuerung eines Computers mit dem Mund und leistet somit einen wichtigen Beitrag zur barrierefreien Nutzung von Computern.

Just like me – Der Screenreader Emulator

Sich einmal fühlen, wie jemand, der auf Screenreader-Technik zurückgreifen muss. Mit diesem Projekt zeigt Susanne Buchner-Sabathy mit einer bitteren Beinote, wie hart es ist, Inhalte via Screenreader wahrzunehmen.

Mit ihrem selbstprogrammierten Emulator will sie sehenden Menschen damit zeigen, welche essentielle Rolle barrierefreie Zugänge im Leben eines Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen spielen. Dank der Software, dem Scrrenreader Emulator, können Webseiteninhaber selbst testen, inwieweit die eigene Homepage barrierefrei ist.

Barrierefreie PDF’s? PDF/UA!

PDF/UA, der barrierefreie Standard von PDF-Dateien, ist in den Bundesministerien angekommen. „Es gibt noch viel Luft nach oben“, so Erle. Die besten Ergebnisse erzielte das Sozialministerium – hier gibt es bereits interne Standards, um die Qualität der barrierefreien PDF’s zu sichern.

Eine neue EU-Richtlinie soll den barrierefreien Zugang zu Websites und mobilen Anwendungen regeln. So wird ein Mindeststandard für Mitgliedstaaten der EU geschaffen, um PDF’s für jeden zugänglich zu machen!

Ziel sei „die Schaffung eines harmonisierten Marktes für einen barrierefreien Zugang zu Webseiten und mobilen Inhalten“, meint Gregor Eibl aus dem Bundeskanzleramt.

Geschichten erzählen – Natürlich barrierefrei

Das internationale Marketing soll laut Spelbrink, Veranstalter des A-Tags, eine ganzheitliche Sichtweise einnehmen: Multichannel lautet die Devise. Nur durch ein umfassendes Gesamtkonzept können echte Beziehungen entstehen und nur durch angepasste Inhalte kann auch wirklich jeder in der Zielgruppe angesprochen werden.

„Jeder sollte sich den Kanal selbst aussuchen können, den er am besten wahrnehmen kann oder will“, kommunizierte Spelbrink. Man sollte „neue Bilder vermitteln“. „Von Dingen, die anders sein können.“

Webseiten als Barriere – das muss nicht sein

Webseiten via Screenreader zu lesen, erfordert einiges an Erfahrung und Durchhaltevermögen. Meist sind es Kleinigkeiten, welche die Navigation per Screenreader auf Webseiten unnötig erschweren. Problematisch anzusehen ist, dass oftmals als Attribute zu Bildern und Tabellen keine oder verwirrende Informationen als Alternativtexte verwendet werden.

Maria Puztuber von “wienfluss“ und Wolfram Huber von „Webtech“ haben sich der Evaluierung von Webseiten hinsichtlich der Barrierefreiheit verschrieben. Webseiten werden dabei zunächst automatisch und folglich manuell evaluiert und anschließend Berichte erstellt.Die Auftraggeber können nach dieser Evaluierung den eigenen Internetauftritt entsprechend anpassen und eine barrierefreie Nutzung gewährleisten.