Anne Eck ist Songwriterin und betreibt ein Musiklabel, bei dem nur Frauen erscheinen.
Ihr erstes Album hat sie durch Crowdfunding realisiert. Sie erklärt, wie Sie erfolgreich eine Kampagne starten.

1. Wie weiß ich, ob mein Projekt überhaupt für Crowdfunding infrage kommt?

Das klingt vielleicht hart, aber es sollte kein Ego-Projekt sein, sondern einen gesellschaftlichen Mehrwert haben. Das kann ein Kochbuch, ein Album oder die Produktion von Blusen aus Fair-Trade-Baumwolle sein. Crowdfunding kommt ursprünglich aus der amerikanischen Musikszene, da haben junge Musikerinnen und Musiker gesagt: Glaubt an mich, unterstützt mich, und dann bekommt ihr mein Album. Bei Crowdfunding geht es aber nicht nur um Geld, es ist auch ein tolles Marketingtool, um Sie sichtbar zu machen.

Anne Eck2. Was kann man den Menschen, die einen unterstützen, als Belohnung anbieten?

Es muss nicht immer etwas Großes sein und auch nicht direkt mit der Kampagne zu tun haben. Je ausgefallener, lustiger, persönlicher, desto besser kommt es an. Klar, im Bereich Musik soll das Album dann auch zu kaufen sein. Aber sonst geht es eher darum, etwas Originelles zu machen. Ich habe bei meiner Kampagne angeboten, bei einem Fest als DJ aufzulegen. Eine Freundin hatte einen riesigen Fundus an Vintage-Klamotten, die ich einer bestimmten Anzahl an Käufer:innen als Überraschung zur CD beigelegt habe. Ich habe aber auch von einem Künstler gehört, der fünf Telefonate mit seiner Mutter angeboten hat.

3. Kann ich mir von anderen Crowdfunding-Kampagnen etwas abschauen?

Auf jeden Fall, man muss das Rad nicht neu erfinden. Auf www.wemakeit.com finden Sie ganz viele Projekte. Am besten, du scrollst dich durch und schaust: Was spricht mich an?

4. Wie viel muss ich dabei von mir selbst preisgeben?

Sie sollten schon eine persönliche Geschichte erzählen. Sie möchten sich ja über dieses Projekt zeigen, man sollte spüren, wer dahintersteht.

5. Wie weiß ich, an welche Crowd ich mich wenden soll?

Es beginnt fast immer mit der eigenen Familie, Freund:innen, Bekannten, Kolleg:innen sind dann die ersten Multiplikator:innen. Natürlich hilft es, wenn man bereits eine Fangemeinde hat und einige Followerinnen und Follower in den Sozialen Medien. Aber das ist nicht die Grundvoraussetzung. Ich hatte damals 300 Followerinnen und Follower, was nicht wahnsinnig viel ist, und dennoch hat es funktioniert.

6. Welche Beträge sind realistisch? Und wie lange dauert eine Kampagne?

Ich habe immer die Regel: Nimm den Betrag, der zwischen deiner untersten Grenze liegt und dem, was dir überhöht vorkommt. Davor steht natürlich eine Kalkulation: Wie hoch sind die Produktionskosten? Was gebe ich für die Goodies aus? Was nimmt die Plattform an Spesen? Ich finde 30 Tage ideal für eine Kampagne, auch, um die Energie zu halten, ständig zu kommunizieren. Wenn der Betrag nicht erfüllt wird, gibt es nämlich keinen Cent. Deshalb müssen Sie sich gegen Ende noch einmal richtig gut motivieren.

7. Haben Sie noch einen persönlichen Tipp?

Investieren Sie in ein gutes Video über sich selbst, das nicht länger als eineinhalb Minuten dauern sollte. Worte können das einfach nicht ersetzen.

Fotos © Julia Grevenkamp bzw. Pamela Russmann