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Projekt zur gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Handicaps 

Eingereicht von: Verein Zuversicht, Martin Hetzendorfer
Projektstart: 2017 (Fortführung bzw. Absicherung des Projekts)
Kategorie: Integration/Migration
Social-Media: http://www.zuversicht.at/tagesstaette/uber-uns/

 Ergebnis:
 46,61%

Martin Hetzendorfer

Interview mit Martin Hetzendorfer

„Gewinner des Bank Austria Sozialpreises Niederösterreich 2018“: Wie hört sich das an? Was war Ihre erste Reaktion?

Diesen Preis zu gewinnen, hört sich sehr, sehr gut an. Wir waren natürlich überglücklich. Auch deswegen, weil der Preis von einem breiten Publikum vergeben wird und alle die Chance haben, bei der Entscheidung mitzuwirken. Dass wir als kleine Organisation in einer nicht so dicht besiedelten Region gewonnen haben, freut uns ganz besonders.

Wie haben Sie selbst die letzten Wochen und Tage des Votings erlebt?

Wir waren sehr gespannt, ob wir unseren guten Start auch ins Ziel bringen könnten. Daher haben wir buchstäblich bis zum letzten Tag versucht, potentielle Unterstützerinnen und Unterstützer zu mobilisieren und damit Stimmen zu gewinnen. Wir waren uns auch der Tatsache bewusst, dass unsere Mitbewerber so wie wir alle Anstrengungen unternehmen würden, um mit ihren Projekten (für die wir großen Respekt empfinden) im Zieleinlauf vorne zu sein.

Beschreiben Sie bitte noch einmal kurz, was das Besondere an ihrem Projekt ausmacht?

In der „Tagesstätte Zuversicht“ wird das Miteinander von Menschen mit und ohne Handicaps im Alltag gelebt. Besonders deutlich zeigt sich das beim jährlichen Dorffest in der Tagesstätte, das wir gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft Kleinpertholz immer am 15. August feiern und zu dem hunderte Gäste kommen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden in unserem Betrieb eine sinnvolle und sinnstiftende Beschäftigung und leisten dabei einen wertvollen Dienst für die Gemeinschaft in der Region. Wir arbeiten mit örtlichen Firmen zusammen und erbringen Dienstleistungen für Gewerbe und Privatpersonen. Zusätzlich dazu bieten wir kreative Beschäftigung, z.B. in der Combo Pertholz, in der Tanzgruppe und in der Schreibwerkstatt. Mehrmals haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon Preise beim Literaturwettbewerb „Ohrenschmaus“ gewonnen, unsere Combo und die Tanzgruppe treten immer wieder öffentlich auf. Auch die Erwachsenenbildung ist für uns ein wichtiges Thema. Seit vielen Jahren pflegen wir eine enge Partnerschaft mit einer ähnlichen Einrichtung in Südböhmen, mit der wir schon viele gemeinsame Unternehmungen (darunter auch EU-Projekte) durchgeführt haben.

Wie werden Sie das Preisgeld von 6.000,- EUR konkret für Ihr Projekt einsetzen?

Der Neubau eines Teils des ursprünglichen Bauernhofs bedeutet für uns eine große finanzielle Herausforderung. Da ist uns der Bank Austria Sozialpreis natürlich eine willkommene und wertvolle Unterstützung.

Warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Projekte ins Leben zu rufen, die einen Nutzen für Kinder/Jugendliche/die Gesellschaft stiften?

Weil es noch immer viele Bereiche gibt, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz kommen und wo auch das soziale Netz Lücken aufweist. Es geht dabei nicht nur um finanzielle Unterstützung, sondern es geht auch besonders um die Schärfung des Bewusstseins für Lebenssituationen, die ohne die Solidarität und Hilfe anderer nur sehr schwer zu meistern sind.


Das Projekt

Der Verein „Zuversicht“ mit Sitz in Waidhofen an der Thaya betreibt als alleiniger Gesellschafter der Zuversicht Waldviertel gemn. GmbH das Ambulatorium „Haus der Zuversicht“ in Waidhofen und die „Tagesstätte Zuversicht“ in Kleinpertholz bei Heidenreichstein.

Entstanden ist die Tagesstätte vor 15 Jahren im Gebäude und auf dem Grund eines alten Bauernhofs und wurde in den letzten Jahren renoviert bzw. um Werkstätten erweitert. Der alte Wohntrakt musste abgerissen werden und der noch im Entstehen befindliche Neubau wird allen Anforderungen entsprechen, die heute mit Recht an Beschäftigungswerkstätten für Menschen mit Handicaps gestellt sind. Insgesamt werden dort dann 24 Klientinnen und Klienten mit besonderem Förderbedarf ab 15 Jahren aus den Bezirken Gmünd und Waidhofen sinnvolle und sinnstiftende Betätigungen finden und auch einen Beitrag zum kommunalen Leben von Heidenreichstein sowie der weiteren Umgebung leisten. Soziale Bedürfnisse haben in der Tagesstätte einen hohen Stellenwert, während von leistungsorientiertem Denken und Gewinndruck Abstand genommen wird. Das Arbeitstempo orientiert sich an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und jede bzw. jeder erhält eine individuelle Förderung. Bei den Begünstigten des Sozialpreises würde es sich um einen Kreis von ca. 40 Personen handeln, der die Klientinnen und Klienten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die dort tätigen Zivildienstleistenden, die freiwilligen Helferinnen und Helfer sowie die Praktikantinnen und Praktikanten umfasst. Durch die Schritt für Schritt erfolgte Renovierung und Neugestaltung des bereits bestehenden Bauernhofes konnte auch die Dorfgemeinschaft Kleinpertholz in die Umsetzung der Ideen eingebunden und ein Miteinander zwischen Ortsbevölkerung und Tagesstätte verwirklicht werden – jedoch stellt die Neuerrichtung des alten Traktes eine solch gewaltige finanzielle Herausforderung dar, dass der Verein sie aus eigener Kraft kaum bewältigen kann.

Mit der Tagesstätte wird ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Handicaps geleistet und das Projekt zeigt beispielhaft, dass Menschen mit Behinderung wertvolle Arbeit für die Gesellschaft leisten, dass solche Werkstätten auch als moderner Betrieb geführt werden können und dass dort mehr als nur Beschäftigungstherapie angeboten wird! Bei den durchgeführten Tätigkeiten in der „Tagestätte Zuversicht“ handelt es sich um die Herstellung von Produkten mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, die Herstellung von Werbegeschenken, um Haus- und Gartenservice, landwirtschaftliche Hilfsarbeiten, die Herstellung von Gebrauchs- und Haushaltsartikeln, Industrie- und Heimarbeiten aller Art, Haushaltsarbeiten im eigenen Betrieb, leichte Durchforstungsarbeiten, Holz schneiden und lagern, Schneeräumdienste und Sperrmülltransporte. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tagesstätte erledigen Arbeiten, die nicht nur der Bevölkerung des Ortes, sondern auch den lokal ansässigen Unternehmen zu Gute kommen. Es besteht die Möglichkeit, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tagesstätte bei der täglichen Arbeit zu unterstützen oder beispielsweise auf Märkten oder Veranstaltungen den Verkauf von Produkten zu übernehmen – freiwillige Helferinnen und Helfer sind jederzeit herzlich willkommen und werden dankbar aufgenommen. Hier können sich auch die Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bank Austria aktiv am Fortleben der „Tagesstätte Zuversicht“ beteiligen.