Das ist das Paralympic Team Austria

Knapp zwei Wochen vor Beginn der XII. Winter-Paralympics in PyeongChang (9. bis 18. März) wurde der rot-weiß-rote Kader bekanntgegeben. In Rahmen einer Pressekonferenz in der WKO Sky Lounge stellte das Österreichische Paralympische Committee das Team vor. 13 Athletinnen und Athleten plus zwei Guides für Sportlerinnen und Sportler mit Sehbehinderung bilden das Paralympic Team Austria.

Österreich ist in PyeongChang in drei von sechs Sportarten – Ski Alpin, Ski Nordisch, Snowboarden, – vertreten.

Einkleidung

Vorstellung der Athletinnen und Athleten

Ski Alpin
Heike Eder

Skifahren war schon immer die große Leidenschaft von Heike Eder, so verschlug es die Vorarlbergerin als Jugendliche wenig überraschend ins Ski-Gymnasium in Stams. Im Alter von 18 Jahren verletzte sie sich bei einem Trainingssturz jedoch schwer und erlitt eine Querschnittlähmung. Aufgeben kam nicht in Frage, nur wenig später erlernte die jetzige Technik-Spezialistin das Mono-Skifahren. Seit der Saison 2014/15 bestreitet Eder wieder Rennen, über den Austriacup und Europacup landete sie schließlich im Weltcup. Mit den Paralympics in PyeongChang setzte sie sich ein bewusst hohes Ziel –das sie erreicht hat: „Das wird mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis, hoffentlich auch erfolgreich.“

 

 

Markus Gfatterhofer

Markus Gfatterhofer war immer schon ein „Speed-Junkie“. In jungen Jahren war er Feuer und Flamme für den Motocross-Sport, ausgerechnet seine große Leidenschaft sollte sein Leben 2007 auf den Kopf stellen. Bei einem Rennen stürzte der Salzburger, sein Bike rammte sich in seinen Rücken. Wenige Stunden später erhielt er die Diagnose Querschnittlähmung. Nach einer harten Anfangsphase sorgten ausgerechnet Schwünge im Mono-Ski für wahre Glücksgefühl – endlich wieder Speed. In PyeongChang möchte er seine Trophäen-Sammlung bei seinen ersten Paralympics erweitern: „Die Vorfreude ist riesig. Wir waren letztes Jahr beim Weltcup-Finale drüben, da hat es mir sehr gut gefallen. Die Pisten kommen mir entgegen.“

 

   

Christoph Gmeiner

 Christoph Gmeiner - Guide von Gernot Morgenfurt

 

 

 

 

Grochar Thomas

Eigentlich wollte Thomas Grochar immer nur eins: Fußballer werden. „Mit meiner Behinderung war das gar nicht so einfach. Der Schnellste bin ich nicht und das Talent hält sich auch in Grenzen, obwohl ich ein begnadeter Stürmer war“, schildert der Kärntner. Grochar fehlt von Geburt an der linke Oberschenkelknochen und das Wadenbein, sodass das Schienbein und der Vorfuß bereits ab der Hüfte beginnen. Im Alter von zwölf Jahren widmete er sich dann eher zufällig dem Skifahren, erste Erfolge stellten sich schnell ein. Der Klagenfurter schaffte es zu den Paralympics 2014 in Sochi, für eine Medaille reichte es knapp nicht. Dafür sicherte er sich in der Saison 2016/17 den Slalom-Weltcup und jubelte bei der IPC-Ski-WM 2017 in Tarvis über Slalom-Silber. Edelmetall ist auch sein erklärtes Ziel für PyeongChang: „Ich weiß, dass ich schnell bin. Bei Paralympics zählen die Medaillen,ich werde alles dafür tun, eine zu erreichen.“ An den Start geht Grochar in allen Disziplinen außer der Abfahrt, seine größten Chancen rechnet er sich im Slalom aus. „Es ist nur ein Rennen - egal, was rauskommt, die Welt wird sich weiterdrehen. Wenn es klappen sollte, wäre es umso schöner.“

   

Lösch Claudia

Top-Favoritin. Medaillenbank. Aushängeschild. Die Niederösterreicherin hat mit diesen Zuschreibungen kein Problem. Im Gegenteil. Claudia Lösch möchte bei ihren bereits vierten Paralympics wieder glänzen. Aus Turin, Vancouver und Sochi hat die 29-Jährige insgesamt sieben Medaillen nach Hause gebracht – in PyeongChang sollen weitere folgen. „Ich gehe in allen fünf Disziplinen mit Chancen an den Start.“ Eine Medaille hat es ihr dabei ganz besonders angetan: „Die Abfahrt war und ist meine Herzensdisziplin und die Goldene fehlt noch in meiner Sammlung.“ Im Weltcup war Lösch, die nach einem Autounfall im Alter von sechs Jahren im Rollstuhl sitzt, einmal mehr Seriensiegerin: „Sobald ich eine Startnummer trage, kann ich mich noch um ein paar Prozent steigern. Schon mein allererster Trainer hat gemeint: Claudia, du bist ein Rennpferd.“ Die Chancen, dass die sechsfache „Sportlerin des Jahres“ auch in Südkorea aufs Stockerl reitet, stehen gut: „Die Abfahrtsstrecke gefällt mir extrem gut und der Slalomhang ist sehr anspruchsvoll – das sollte mir entgegenkommen.“

   

Gernot Morgenfurt

Gernot Morgenfurt erkrankte vor über 30 Jahren an Multipler Sklerose, dadurch leidet er auch an einer Sehschwäche. Vor ein paar Jahren setzte er sich dennoch in den Kopf, wettkampfmäßig Skirennen zu bestreiten. „Ich hatte einige MS-Schübe, bin bereits im Rollstuhl gesessen und habe mich beinhart wieder zurückgearbeitet. Dann habe ich mir das Ziel gesetzt, Ski zu fahren. Ich habe mich körperlich über vier Jahre vorbereitet und bin 2015 eingestiegen“, berichtet der Kärntner. Auch dank des perfekten Zusammenspiels mit seinem Guide Christoph Gmeiner, der im Rennen vor ihm fährt und ihn über Kommandos anweist, schafft es Morgenfurt, im Blindflug die Ski-Pisten dieser Welt zu befahren. Die Paralympics 2018 sind sein erstes Großereignis, entsprechend groß ist die Vorfreude: „Ich habe schon einiges an Lebenserfahrung, das ist jetzt noch einmal eine tolle Sache. Paralympics sind etwas, das du dir beinhart erarbeiten musst. Das kannst du dir nicht kaufen. Es ist ein Traum, dabei zu sein!“

   

Nico Pajantschitsch

Schon während seiner Kindergarten- und Volksschulzeit hat Nico Pajantschitsch die ersten Ski-Kurse absolviert. Letztendlich hat aber ein Gespräch mit dem Kärntner Paralympics-Goldmedaillengewinner Walter Lackner den Anstoß dazu gegeben, wettkampfmäßig Ski zu fahren. „Nach einem Schul-Skirennen hat er mich angesprochen. Eine Woche darauf bin ich schon mein erstes Austria Cup Rennen gefahren und habe mich beim SC Petzen angemeldet.“ Pajantschitsch, dem seit seiner Geburt der rechte Unterarm fehlt, ist in Südkorea der jüngste Starter im rot-weiß-roten Ski-Team. „Ich möchte meine beste Leistung abrufen, die Ergebnisse kommen dann von ganz alleine. Wenn mir das gelingt, bin ich froh“, blickt er voller Vorfreude auf seine ersten Paralympics. Das Nesthäkchen ist gleichzeitig ein Allrounder und wird in allen Disziplinen starten. „Die Energie wird kein Problem sein, bei den Spielen sind immer ein bis zwei Tage Pause zwischen den Disziplinen, wo man sich gut erholen kann.“

   

Roman Rabl

Roman Rabl kennt bereits das unbeschreibliche Gefühl, Medaillen bei Paralympics zu gewinnen: In Sochijubelte der Tiroler 2014 gleich über drei Mal Bronze. Vier Jahre später soll es in PyeongChang annähernd erfolgreich laufen: „Ich bin vielleicht etwas ruhiger und erwachsener geworden, denke ein bisschen mehr nach. Für das Rennen selbst ist das vielleicht nicht positiv, früher bin ich mehr auf Teufel komm raus gefahren. Das Ziel ist und bleibt aber sicher eine Medaille, ich fahre nicht als Tourist nach Südkorea.“ Rabl, der seit einem Ski-Unfall Anfang 2007 ab dem 12. Brustwirbel querschnittgelähmt ist, gehört zu den Aushängeschildern im österreichischen Team und fungiert als Athletensprecher als Sprachrohr seiner Teamkolleginnen und Kollegen. „Skifahren ist ein Einzelsport, jeder schaut am Ende auf sich und möchte eine Medaille holen. Teamkollegen sind auch Konkurrenten, aber im Paralympischen Dorf schauen wir schon aufeinander und sind immer wieder zusammen“, streicht er den guten Team-Spirit im rot-weiß-roten Team heraus.

   

Markus Salcher

Markus Salcher ist eines der großen Aushängeschilder im österreichischen Behindertensport. Seit Jahren ist der Kärntner vor allem in den Speed-Disziplinen das Maß aller Dinge, nach Doppel-Gold bei der IPC-Ski-WM in La Molina 2013 folgte 2014 in Sochi mit den Paralympics sein bisheriges Karriere-Highlight. Mit zwei Goldmedaillen (Abfahrt & Super-G) und einmal Bronze (Riesentorlauf) avancierte er zu einem der Stars der Spiele. Seither dominiert Salcher, der seit seiner Geburt halbseitig gelähmt ist, im Weltcup, holte auch bei der IPC-WM 2017 in Tarvis zwei Goldene und einmal Bronze. „Ich freue mich schon sehr auf Pyeongchang“ fiebert der 26-Jährige seinen bereits dritten Paralympics entgegen. Seine Zielsetzung ist klar: „Eine Medaille, egal in welcher Farbe.“ Das Unterfangen sei aber keineswegs einfach, zumal in dieser Saison fast alle Speed-Rennen aufgrund schlechter Wetterbedingungen ins Wasser fielen. „Der Vergleich fehlt ein bisschen, aber ich denke schon, dass ich gut dabei bin“, sagt Salcher mit einem Grinsen im Gesicht. Ein Grinser, der sehr an seinen Sieges-Grinser aus Sochi erinnert.

   

Simon Wallner

„Geht nicht, gibt’s nicht“– so lautet das Motto von Simon Wallner. Deshalb ließ sich der Tiroler auch von einem folgenschweren Motorrad-Unfall im Jahr 2011 nicht aus der Bahn werfen. Seither sitzt Wallner zwar mit einer Querschnittlähmung im Rollstuhl, sein Drang für Bewegung ist jedoch ungebremst. So sehr, dass er aktuell an der Universität Innsbruck Sport studiert – dort als erster Rollstuhl-Fahrer überhaupt. Die Leidenschaft für das Skifahren liegt ihm im Blut, innerhalb kurzer Zeit schaffte es der Vater einer Tochter über den Europacup in den Weltcup. Sein großes Ziel war die Qualifikation für die Paralympics 2018: „Es ist richtig cool, dass ist das geschafft habe. Ich war noch nicht in Südkorea, habe aber gehört, dass die Strecken nicht ultra-schwer sind. Das sollte gut passen.“ Der Doppel-Staatsmeister hat Lunte gerochen, nun will er mehr: „Wenn du bei Paralympics dabei bist, willst du vorne mitsprechen.“ Eines ist für Simon Wallner jedenfalls klar: Geht nicht, gibt’s nicht.

   

Martin Würz

Seit jeher war Martin Würz ein begeisterter Sportler und Skifahrer. Daran änderte sich auch nichts, als sich sein Leben als 13-Jähriger schlagartig änderte. Nach einem Unfall mit einem Feuerwerkskörper musste seine linke Hand amputiert werden. „Ich habe mein Schicksal akzeptiert, es durch Leistung bewältigt und als Chance genutzt“, sagt der Zoll-Beamte heute. Nur kurz nach dem Unfall wurde Würz vom NÖ Versehrtensportverband eingeladen und schließlich aufgenommen. Er arbeitete sich schnell hinauf und schließlich in den Weltcup. Belohnt wurde er mit der Nominierung für die Paralympics 2014 in Sochi, wo er im zarten Alter von 20 Jahren mit zwei Top-10-Ergebnissen auf sich aufmerksam machte. Diesmal will Würz mehr: „Ich möchte meine beste Leistung bringen. Bei Paralympics zählen die Medaillen, deshalb ist mein Ziel, vorne mitzureden.“ Seine größten Chancen in Südkorea sieht der passionierte Volleyballer im Slalom, wo er bei der Generalprobe im Weltcup Rang 3 erreicht.

 

Ski Nordisch
Carina Edlinger

Aufgrund eines seltenen Gendefektes im Netzhautbereich, genannt Morbus Stargardt, reduzierte sich das Sehvermögen von Carina Edlinger seit 2015 auf inzwischen nur noch zwei Prozent. Von ihrem großen Traum, Langläuferin zu sein, hielt sie die Erkrankung aber nicht ab. Der einzige Unterschied ist, dass sie seither gemeinsam mit ihrem um zwei Jahre älteren Bruder Julian auf den Loipen dieser Welt unterwegs ist. Und das binnen kurzer Zeit äußert erfolgreich. In der Saison 2016/17 holte das Team Edlinger Doppel-Gold bei der Nordischen -WM, zudem ging auch der Gesamtweltcup an die Salzburgerin. Das Zusammenspiel auf der Loipe ist leicht. „Wir besichtigen die Strecke vorher gut, dann muss ich nur meinen Bruder verfolgen. Julian gibt mir Kommentare, wo ich hinlaufen muss, und auch Hinweise zur Technik“, beschreibt Carina Edlinger. Neben der Strecke ist es nicht immer so einfach: „Wir verstehen uns gut, hin und wieder kann es aber krachen. So ist das eben bei Geschwistern.“ In dieser Saison harmoniert das Duo jedenfalls wieder gut, Carina Edlinger landete schon mehrmals auf dem Weltcup-Podest und zählt in PyeongChang zu den absoluten Favoritinnen. „Die Vorfreude ist richtig groß. Wir werden unser Bestes geben, abgerechnet wird am Schluss. Die Medaillen sind drin, aber nur daran zu denken wäre falsch.“

 

Julian Edlinger

Julian Edlinger - Guide von Carina Edlinger 

 

 

 

 

Snowboarden
Patrick Mayrhofer

Auf dem „Brettl“ fühlt sich Patrick Mayrhofer wohl. Der gebürtige Oberösterreicher fuhr bereits neun Jahre lang begeistert Snowboard, als er 2008 bei der Arbeit einen Stromschlag erlitt und ihm daraufhin die linke Hand amputiert werden musste. Außerdem wurden bei dem Unfall seine Beinmuskulatur und die Finger der rechten Hand geschädigt. „Danach habe ich eineinhalb, zwei Jahre überhaupt keinen Sport gemacht. Meine Frau hat gesagt, dass ich wieder etwas machen muss.“Mayrhofer besuchte mit seiner Firma 2011 eine Prothetik-Messe, auf der er an einem Stand des Snowboard-Teams vorbeikam. Heute ist er nicht nur Teil des Teams, sondern vor allem auch ein wichtiger Vertreter seines Landes. In PyeongChang steht der Weltmeister und Gesamtweltcupsieger erstmals bei Paralympics am Start: „Die Vorfreude ist riesig. Ich hätte mich 2014 auch für Sochi mehr oder weniger qualifiziert gehabt, aber dann hat das IPC entschieden, kein Event in meiner Klasse auszutragen. Jetzt will ich eine Medaille, ganz klar.“ Dazu braucht es jedoch volle Überwindung, schließlich zog sich Mayrhofer im Februar 2017 einen Schienbeinkopfbruch zu und musste lange pausieren. „Ich darf einfach nicht daran denken. Dann wird es passen.“

   

Reinhold Schett

Reinhold Schetts Weg zu den Paralympics ist ein langer. Im Jahr 2000 wurde beim gebürtigen Tiroler nach einem Sturz bei einem kleinen Big Air eine inkomplette Querschnittlähmung festgestellt. Schett hat die Funktionen unterhalb seiner Knie verloren, kann aber mit Hilfe eines Stocks gehen –und snowboarden. Erst vor vier Jahren – mit über 30 Jahren - intensivierte er das Snowboard-Training mit dem Ziel, wettkampfmäßig zu fahren. Es ging schnell nach oben, zwei WM-Medaillen konnte Schett bereits einfahren. In PyeongChang will der Oberösterreicher auch bei den Paralympics zuschlagen. „Das Ziel ist eine Medaille, auch wenn es nicht leicht ist. Es ist aber in beiden Disziplinen möglich.“ Die beiden Bewerbe heißen Boarder-Cross („Ich mag das Duell Mann gegen Mann, aber es besteht das Risiko, dass du wegen Fehlern anderer Läufer ausfällst“) und Banked Slalom („Da habe ich es mehr selbst in der Hand“). Auf Südkorea freut er sich: „Eröffnungsfeier, Paralympisches Dorf, Bewerbe - ich habe keine Ahnung, wie das alles sein wird, aber ich stelle es mir cool vor.“

 

Verabschiedung

Im Studio 44 der Österreichischen Lotterien wurde das Paralympic Team Austria bei der Farewell-Feier gebührend veranschiedet.
Die Vereidigung übernahm Sportminister und Vizekanzler Heinz-Christian Strache für den erkrankten Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. „Es ist mir eine große Freude, das Paralympische Team vereidigt und verabschiedet zu haben. Ich bewundere die Leistungen der Athletinnen und Athleten schon seit einiger Zeit, jeder von ihnen verdient allerhöchsten Respekt. Es ist wichtig, keinen Unterschied zwischen Sportlerinnen und Sportlern mit und ohne Behinderung zu machen.“
Die Vorfreude ist bei der gesamten Delegation groß. Das Team reist am 2.3. bzw. 6.3. an, am 9. März um 20 Uhr Ortszeit (12 Uhr MESZ) steigt die Eröffnungsfeier.
Copyright: ÖPC/Wenninger

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Paralympics Team bei der Verabschiedung