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09.12.2020

UniCredit Bank Austria Branchenbericht Metallwarenerzeugung:
Österreichs starke Metallwarenerzeugung im Krisenjahr 2020 mit Produktionsminus von bis zu 10 Prozent, aber erfreulichen Perspektiven

  • Die starke und exportorientierte Branche mit kontinuierlichem Wachstum in den letzten zehn Jahren muss der Wirtschaftskrise und dem schwierigen Exportumfeld mit kräftigem Minus Tribut zollen
  • Branchenkonjunktur stabilisiert sich in der zweiten Jahreshälfte 2020; im dritten Quartal ist die Produktion um 1,4 Produktion wieder gestiegen
  • Baunahe Sparten profitieren 2020 von lebhafter Hochbaukonjunktur; die Industriezulieferer verbuchen hohe Einbußen
  • Erholung 2021 wird das Minus 2020 nur zum Teil ausgleichen 
  • Erfreuliche Perspektiven: Wettbewerbsstärke sichert der Branche langfristig ihren Wachstumsvorsprung und einen Exportüberschuss, zuletzt von 1,8 Milliarden Euro

Österreichs starke Metallwarenerzeugung wuchs in den letzten Jahren deutlich rascher als jene der meisten EU-Konkurrenten. Die Produktionsleistung der heimischen Branche von 2009 bis 2019 ist um durchschnittlich 2,8 Prozent im Jahr gestiegen, im EU-Schnitt nur um 0,6 Prozent. Die gute Performance der letzten Jahre kann damit erklärt werden, dass die Branche in Österreich von der hohen internationalen Konkurrenzfähigkeit einzelner großer Leitbetriebe ebenso profitiert wie von den engen (Zuliefer-)Verflechtungen mit den industriellen Wachstumsspitzenreitern im In- und Ausland, vor allem sind dies die Fahrzeugindustrie und der Maschinenbau. 

Der Rückgang der Produktion in der Metallwarenerzeugung 2019 von 6,7 Prozent hat sich 2020 bis zum Sommer weiter beschleunigt. Österreichs Metallwarenerzeugung hat zwar im dritten Quartal 2020 wieder etwas an Schwung gewonnen, muss jedoch im Krisenjahr 2020 voraussichtlich ein Produktionsminus im Bereich von 10 Prozent hinnehmen. 

Der Branchenumsatz wird auf rund 15 Milliarden Euro sinken, von 16,6 Milliarden Euro im Jahr 2019. 2020 sind die Exporte weniger tief gesunken als das Inlandsgeschäft. „Dass die Metallwarenerzeuger im laufenden Jahr auf ihren Auslandsmärkten ein höheres Umsatzminus verhindern können, ist in erster Linie Exportzuwächsen in einigen baunahen Bereichen wie der Produktion von Heizkesseln und Heizkörpern zu verdanken und bestätigt vor allem die Ausnahmeposition einzelner Unternehmen“, sagt UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf. 

Metallwarenkonjunktur stabilisiert sich im zweiten Halbjahr 2020
Mit wenigen Ausnahmen sind zahlreiche Sparten der Branche tief ins Minus gerutscht: Von der Wirtschaftskrise waren die Industriezulieferer, vor allem sind das die Hersteller von Schmiedeteilen, Drehteilen oder Oberflächenveredelungen, bisher stärker als die baunahen Bereiche betroffen, wie die Erzeugung von Heizkörpern und Heizkesseln, Beschlägen und der Stahlbau. „Die Metallwarenerzeugung profitierte auch 2020 noch von der relativ lebhaften Hochbaukonjunktur in Österreich selbst und in wichtigen Exportmärkten, vor allem Deutschland. Immerhin sind etwa 45 Prozent des Umsatzes der Metallwarenerzeugung vom Hochbau abhängig“, betont Wolf. 

Im dritten Quartal 2020 ist die Produktion der Metallwarenerzeugung insgesamt um 1,4 Prozent gewachsen. Die deutlich optimistischeren Unternehmenserwartungen ab Juni bestätigten die Konjunkturstabilisierung. Damit schließt die Branche in Österreich an die verbesserten Aussichten der europäischen Fahrzeug- und Elektroindustrie und dem Maschinenbau an. Bis Jahresende sind dennoch keine höheren Zuwächse mehr zu erwarten. Im November wurden die Unternehmen auch hinsichtlich der Produktionsaussichten in den nächsten Monaten wieder etwas vorsichtiger. 

Erholung 2021 kann die Einbußen 2020 nur zum Teil ausgleichen 
In Summe wird die Metallwarenerzeugung das Jahr 2020 voraussichtlich mit einem Produktionsminus im Bereich von 10 Prozent beenden. Die Branche kann wahrscheinlich auch 2021 mit keiner stärkeren Erholung rechnen und wird ihr Produktionsniveau aus 2018 frühestens 2022 wieder erreichen. Wesentliche Impulse sollten 2021 von den großen industriellen Metallwarenverbrauchern, dem Maschinenbau, der Elektro- und der Fahrzeugindustrie kommen. Zugleich wird aber die Baunachfrage noch schwächer, sowohl im Wohnungsneubau als auch im Wirtschaftsbau, dem wichtigsten Kunden der Sparte Stahlbau. 

Aufgrund der massiven Geschäftseinbußen und der hohen wirtschaftlichen Unsicherheiten wird sich die Investitionskonjunktur in den großen Exportmärkten der Metallwarenerzeugung in Summe nur langsam erholen. Das sind Deutschland, die Schweiz, die USA, Frankreich, Italien und Tschechien, wo insgesamt rund 60 Prozent der heimischen Metallwarenexporte abgesetzt werden. Zumindest in den westeuropäischen Märkten sollten Österreichs Metallwarenerzeuger von Zuwächsen der Ausrüstungsinvestitionen profitieren können. Hingegen wird die Baunachfrage vor allem in Deutschland, dem Ziel eines Drittels der Branchenexporte, schwächer. 

Nicht zuletzt wird die ab 2021 zu erwartende höhere Zahl an Unternehmensinsolvenzen zu Anpassungen von Handelsbeziehungen und einer Neuausrichtung von Wertschöpfungsketten der Metallwarenerzeugung führen. Das heißt, dass die Erholung nach der Krise auch kurzfristig mit höheren Kosten verbunden sein wird und den Prozess damit bremst. 

Eine wettbewerbsstarke Branche mit durchaus erfreulichen Perspektiven
Die Wettbewerbsstärke der Branche zeigt sich sehr gut in dem seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre fast kontinuierlich gestiegenen Außenhandelsüberschuss mit Metallwaren. Erst 2019 ist der Exportüberschuss aufgrund der Stagnation der Exportnachfrage leicht gesunken, auf 1,8 Milliarden Euro. 2020 wurden bis August um 8,5 Prozent weniger Metallwaren aus Österreich exportiert und um 11,3 Prozent weniger importiert. Aber auch im Krisenjahr verbuchten einzelne Sparten Exporterfolge, wobei insbesondere die Zuwächse in der Warengruppe Heizkessel und Heizkörper von 47 Prozent bis August 2020 hervorgehoben werden müssen. 

Für die Außenhandelserfolge und die Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Metallwarenerzeugung sind die Konzentration auf qualitativ hochwertige Produkte und/oder die Nutzung günstiger Produktionsstandorte ebenso verantwortlich wie die Tatsache, dass viele Metallwaren im Wirtschaftsprozess unverzichtbar, aber nicht mit anderen Materialien substituierbar sind. Dennoch sind die Exporterfolge bemerkenswert angesichts des hohen Kostenniveaus im Land und angesichts dessen, dass einige Warengruppen stärker im Preis- als im Qualitätswettbewerb stehen. „Die Marktanteilsgewinne mit Metallwaren sind ein Indikator dafür, dass sich die Metallwarenproduzenten vielfach in qualitativ hochwertigen Nischen erfolgreich spezialisieren und eine stabile Marktposition aufbauen konnten“, sagt Wolf abschließend. 

Rückfragen
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria 
Günter Wolf, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41954;
E-Mail: guenter.wolf@unicreditgroup.at