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11.12.2019

UniCredit Bank Austria Konjunktureinschätzung 2020/21:
Österreich kämpft 2020 gegen Schwäche der Weltwirtschaft

  • Österreich begegnet der globalen Abschwächung mit einer guten Konsumentwicklung und übertrifft damit die Dynamik im Euroraum
  • Nach einem Rückgang des Wirtschaftswachstums in Österreich auf 1,0 Prozent im Jahr 2020 wird aber auch 2021 nur ein verhaltenes Wachstum von 1,3 Prozent erwartet
  • Die Weltwirtschaft verliert 2020 weiter an Tempo, gefolgt von einer moderaten Erholung 2021
  • Die US-Wirtschaft nähert sich einer milden Rezession im zweiten Halbjahr 2020, könnte jedoch gegen Ende 2021 zu Wachstumsraten von rund 2 Prozent zurückkehren 
  • Das Wirtschaftswachstum im Euroraum wird sich 2020 voraussichtlich auf 0,8 Prozent verlangsamen, denn die Inlandsnachfrage wird durch die Schwäche des globalen Handels belastet 
  • 2021 ist eine leichte Erholung im Euroraum mit einem BIP-Anstieg von 1,0 Prozent zu erwarten
  • Keine Änderung der Leitzinsen im Euroraum in Sicht, aber vier Zinsschritte der Fed bis Ende 2020 nach unten  

„Nach der spürbaren Wachstumsabschwächung im Jahresverlauf 2019 wird sich das Wirtschaftswachstum in Österreich im Jahr 2020 auf einem geringeren Niveau stabilisieren“, sagt UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. „Die globale Abschwächung wird noch stärker auf die Inlandsnachfrage übergreifen, auch der Konjunkturabschwung in den USA wird das Wachstum in Österreich zusätzlich belasten. Wir erwarten daher einen Anstieg des BIP von moderaten 1 Prozent. Das bedeutet zwar die geringste Dynamik der österreichischen Wirtschaft seit 2015, aber weiterhin ein höheres Wachstum als im Euroraum oder in Deutschland.“ Mit der moderaten globalen Erholung der Weltwirtschaft verbessern sich für 2021 auch die Wachstumsaussichten für die österreichische Wirtschaft. „Mit 1,3 Prozent erwarten wir aber auch im Jahr 2021 nur eine geringfügige Erhöhung des Wachstumstempos. Das bedeutet, dass die österreichische Wirtschaft ihr Potenzial auch 2021 nicht voll ausschöpfen kann“, so Bruckbauer. 

„Das Wachstum der Weltwirtschaft wird sich 2020 weiter abschwächen und dürfte auch 2021 trotz einer beginnenden Erholung verhalten bleiben“, sagt Bruckbauer und ergänzt: „Nach unserer Einschätzung wird der zyklische Abschwung durch vier Faktoren gefördert. Die Dynamik des globalen Handels wird durch Handelskonflikte und politische Unsicherheiten beschränkt. Zudem nähert sich die US-Wirtschaft einer Rezession. Die Geldpolitik kann nur moderate Impulse liefern und die Unterstützung durch die Fiskalpolitik bleibt voraussichtlich begrenzt“. 

Außenhandelsschwäche versus Konsumstärke 
Aufgrund der protektionistischen Handelspolitik und anhaltender politischer Unsicherheiten hat sich die globale Konjunkturstimmung 2019 spürbar verschlechtert und zu einer Abschwächung des Wachstums der Weltwirtschaft auf den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise 2009 geführt. Die abnehmende Investitionsneigung und die zurückgehende Nachfrage nach Investitionsgütern haben die Schwäche des globalen Handels weiter verschärft. Die exportlastige Industrie befindet sich mittlerweile in einer Rezession. Bisher hat der private Konsum das Wirtschaftswachstum hoch gehalten, doch die Anzeichen verdichten sich, dass die Schwäche der Industrie, des Außenhandels und der Investitionen auf den Dienstleistungssektor übergreift. Für 2020 erwarten die Ökonomen der UniCredit Bank Austria deshalb eine Verlangsamung des globalen Wachstum auf 2,7 Prozent, gefolgt von einer nur moderaten Erholung auf 3,2 Prozent im Jahr 2021. 

Rezessionsgefahr für US-Wirtschaft
Ein starker Einfluss auf das globale Wachstum wird vom zyklisch bedingten Abschwung der Konjunktur in den USA ausgehen, der durch das Auslaufen der fiskalischen Impulse verstärkt wird. „Nach dem historisch längsten Aufschwung wird die US-Wirtschaft in den kommenden Monaten deutlich an Schwung verlieren und könnte im zweiten Halbjahr 2020 sogar in eine leichte Rezession geraten. Im Jahresdurchschnitt wird der BIP-Anstieg mit 1,1 Prozent 2020 und 0,9 Prozent 2021 deutlich unter Potenzial liegen, wenn auch die US-Wirtschaft gegen Ende 2021 bereits wieder zu Wachstumsraten um 2 Prozent zurückkehren dürfte“, meint Bruckbauer. Nach der Trendwende in der Zinspolitik im Verlauf des Jahres 2019 wird die anhaltende Konjunkturabschwächung zu vier weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank Fed im Jahr 2020 führen. In Trippelschritten von 25 Basispunkten wird der Leitzins von aktuell 1,75 Prozent bei 0,75 Prozent den Tiefpunkt erreichen. Mit Beginn der leichten Erholung 2021 wird die US-Notenbank vorerst abwarten und den Leitzinssatz voraussichtlich stabil halten. 

Keine Zinsänderung im Euroraum und nur geringes Aufwärtspotenzial für den Euro
Während in den USA im Jahr 2020 weitere Zinssenkungen erfolgen dürften, ist für den Euroraum keine Änderung der Geldpolitik in den kommenden beiden Jahren zu erwarten. „Wir gehen davon aus, dass auch Ende 2021 der Leitzins der EZB bei null Prozent liegen wird und der Einlagenzinssatz bei minus 0,5 Prozent“, meint Bruckbauer. Nur im Falle eines unerwartet starken US-Abschwungs mit entsprechenden Zinssenkungen der Fed und einem deutlichen Konjunktureinbruch im Euroraum mit weiter sinkenden Inflationserwartungen wäre die EZB gefordert, dem laufenden Wertpapierkaufprogramm Zinssenkungen zur Seite zu stellen. Angesichts bereits negativer Zinsen wäre die Wirkung jedoch voraussichtlich begrenzt und eher eine ungewünschte Aufwertung des Euros die eigentliche Stoßrichtung einer solchen Maßnahme. Die Abschwächung der US-Wirtschaft und die Verringerung der Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Euroraum sprechen tendenziell für einen stärkeren Euro. Das Aufwärtspotenzial sollte allerdings nach Einschätzung der Ökonomen der UniCredit Bank Austria mit einem Anstieg im Jahresdurchschnitt von 1,12 US-Dollar zum Euro im Jahr 2019 auf 1,14 im Jahr 2020 und 1,17 im Jahr 2021 begrenzt sein.

Widerstandskraft der Inlandsnachfrage schwindet im Euroraum
Der Abschwung der US-Wirtschaft wird den Euroraum in einer bereits angespannten Konjunktursituation zusätzlich belasten. „Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im Euroraum wird sich 2020 fortsetzen. Wir erwarten nur noch einen Anstieg des BIP um 0,8 Prozent nach 1,2 Prozent 2019“, meint Bruckbauer und ergänzt: „Die Flaute des globalen Handels hält an und die Schwäche der Auslandsnachfrage schwappt zunehmend auf die Inlandsnachfrage über und damit verliert die wichtigste Konjunkturstütze der vergangenen Monate im Euroraum, der Konsum, an Kraft.“ Mit der leichten globalen Erholung und der Verbesserung der US-Konjunktur sollte sich 2021 das Wirtschaftswachstum im Euroraum leicht auf 1,0 Prozent erhöhen. 

Konjunkturampel auch in Österreich auf gelb gesprungen
„Nach drei Jahren mit kräftigen Wachstumsraten über der Marke von 2 Prozent hat die österreichische Wirtschaft 2019 einige Gänge zurückgeschaltet. Die Schwäche des globalen Handels und die Konjunkturdelle in Deutschland hat die exportorientierte Industrie stark getroffen und die Investitionstätigkeit verlangsamt. Gestützt auf die gute Arbeitsmarktlage und fiskalische Impulse hat der Konsum gut dagegengehalten und 2019 noch einen Anstieg des BIP um rund 1,5 Prozent ermöglicht“, meint UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. 

Im Jahresverlauf 2019 hat sich nach einem noch kräftigen Start die Konjunkturdynamik in Österreich allerdings spürbar verlangsamt, was sich auch in der Entwicklung des UniCredit Bank Austria Konjunkturindikators widerspiegelt. „Unser Konjunkturindikator ist innerhalb eines Jahres auf die Hälfte gesunken. Mit aktuell 1,4 Punkten erreicht er den tiefsten Wert seit rund 3,5 Jahren und liegt seit einem halben Jahr sogar unter dem langjährigen Mittelwert. Die österreichische Wirtschaft wird deutlich träger ins Jahr 2020 wechseln als ins Jahr 2019 und für die kommenden Monate zeichnet sich eine weitere Abkühlung der Konjunktur ab“, meint Pudschedl. 

Die anhaltende Schwäche des globalen Handels wird der österreichischen Exportwirtschaft 2020 weiter zusetzen. Darunter werden insbesondere einige Industriebranchen stark leiden. Bedingt durch die fehlende Auslandsnachfrage wird die Investitionstätigkeit 2020 verhaltener ausfallen, trotz der weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen. Nicht nur die Ausrüstungsinvestitionen, bedingt durch die sinkende Kapazitätsauslastung, sondern auch die Bauinvestitionen werden an Tempo verlieren. Der Konsum wird in den kommenden beiden Jahren folglich die bestimmende Wachstumsstütze sein. Zusätzliche fiskalische Impulse unter anderem durch die Senkung der Krankenversicherungsbeiträge für Geringverdiener werden jedoch eine leichte Verlangsamung der Konsumdynamik nicht verhindern können. 

Arbeitslosenquote steigt 2020
Angesichts der Abschwächung der Konjunktur wird sich die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt nicht mehr weiter verbessern. „Nach dem Rückgang auf 7,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2019 erwarten wir erstmals seit 2015 wieder einen Anstieg der Arbeitslosenquote in Österreich. Mit 7,5 Prozent im Jahr 2020 wird der Anstieg jedoch nur gering ausfallen und voraussichtlich 2021 stabil bleiben“, so Pudschedl. Trotz der Konjunkturverlangsamung wird die Beschäftigung in Österreich weiter zunehmen, wenn auch mit geringerem Tempo. Zudem dürfte der Zuwachs des Arbeitskräftepotenzials schwächer ausfallen als in den Vorjahren. 

Inflation bleibt niedrig
Der Inflationsdruck bleibt aufgrund der schwächeren Konjunktur überschaubar, zudem dürfte der Ölpreis die Teuerung in Österreich entlasten. „Nach dem Rückgang der Teuerung auf 1,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2019 erwarten wir auch für 2020 eine Inflationsrate von 1,5 Prozent, die sich 2021 auf durchschnittlich 1,8 Prozent erhöhen dürfte. Damit wird die Teuerung das neunte Jahr in Folge über dem Vergleichswert im Euroraum liegen. Von 2013 als Startpunkt gesehen wird sich bis 2021 insgesamt ein Inflationsaufschlag von mehr als 6 Prozentpunkten gegenüber dem europäischen Durchschnitt aufbauen“, meint Pudschedl. 

Spielraum für fiskalische Impulse wird nur wenig genutzt werden 
Die trotz Abschwächung überdurchschnittlich hohen Wachstumsaussichten in Österreich im europäischen Vergleich sind auch fiskalischen Impulsen für den Konsum zu verdanken. Der österreichische Haushalt hat in den vergangenen Jahren vom niedrigen Zinsumfeld stark profitiert. Der durchschnittliche Zinssatz für die Staatsverschuldung ist von 4,8 Prozent vor der Finanzkrise auf nur noch 1,9 Prozent 2019 zurückgegangen. Hätte die Durchschnittsverzinsung noch Vorkrisenniveau, wären die Zinsausgaben des österreichischen Staates 2019 um fast 8 Milliarden Euro höher ausgefallen. Kumuliert über den Zeitraum von 2007 bis 2019 beträgt der errechnete Zinsvorteil über 60 Milliarden Euro bzw. 7.300 Euro pro Kopf. Durch den Zinsvorteil hat sich ein Spielraum für weitere fiskalische Maßnahmen ergeben. Selbst bei einem Budgetdefizit von 1,5 Prozent des BIP würde Österreichs Staatsschuldenquote 2020 immer noch ausreichend stark sinken, um den europäischen Regeln zur Verschuldungsreduktion zu entsprechen. Allerdings ist davon auszugehen, dass der vorhandene Spielraum 2020 nicht ausgenützt werden wird. 

Konjunkturrisiken, aber auch Chancen auf höheres Wachstum
Für das Konjunkturszenario der UniCredit Bank Austria bestehen eine Reihe von Risiken. Insbesondere die Möglichkeit einer weiteren Eskalation der Handelskonflikte ist gegeben, wobei eine Anhebung der US-Zölle auf Autos für die österreichischen Zulieferer eine besondere Belastung darstellen würde. Auch die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit steht weiter im Raum, wenn auch mittlerweile nur noch für die Zeit nach dem Ablauf der Übergangsperiode Ende 2020. Zudem ist auch die Gefahr einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft nach einer zu starken Kreditausweitung gegeben. „Bei einer Entspannung der Handelskonflikte und beim Ausbleiben einer Rezession in den USA könnte das kumulierte Wirtschaftswachstum im Zeitraum 2020 und 2021 in Österreich um rund 0,75 Prozentpunkte über unserer derzeitigen Prognose liegen: Es besteht also bei den Wachstumsaussichten der österreichischen Wirtschaft auch Potenzial nach oben“, meint Bruckbauer abschließend. 

Tabellen

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E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at