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04.12.2019

UniCredit Bank Austria Branchenbericht:
Tourismus wächst weiter, kann Rekord aus 2018 aber nicht erreichen

  • An das Rekordjahr 2018 mit einem Einnahmenplus von 3,3 Prozent real kann die Tourismusbranche in Österreich 2019 mit einem Wachstum von bestenfalls 2 Prozent nicht anschließen
  • Der Sommerurlaub in Österreich entwickelt sich zu einer Wachstumsstütze
  • Der Fremdenverkehr sollte auch 2020 ein leichtes Plus verbuchen, obwohl sich die internationalen Reiseströme weiter verlangsamen
  • Österreichs Tourismus zählt weltweit unverändert zu den Topdestinationen

Österreichs Tourismuskonjunktur kann 2019 an das Rekordjahr 2018 nicht anschließen. Wie der aktuelle Branchenbericht der UniCredit Bank Austria zum Tourismus zeigt, kann die Branche aber trotzdem mit einem Einnahmenwachstum im Bereich von 1 bis 2 Prozent real rechnen und die 28,1 Milliarden Euro an Einnahmen aus 2018 weiter erhöhen. „Das Branchenwachstum 2019 und voraussichtlich auch 2020 ist vor allem der hohen Konkurrenzfähigkeit des gesamten Tourismus-Sektors in Österreich geschuldet. Denn das langsamere Wirtschaftswachstum in den wichtigsten Herkunftsländern bremst auch den heimischen Tourismus“, analysiert UniCredit Bank Austria Ökonom Günter Wolf.

Das Rekordwachstum 2018 ist für den Tourismus 2019 und 2020 unerreichbar
2018 verbuchte Österreichs Tourismus mit einem Einnahmenplus von 3,3 Prozent real das beste Jahresergebnis seit dem Jahr 2000. Der Sektor profitierte 2018 besonders von ausländischen Besuchern, die um 4,2 Prozent mehr für touristische Leistungen in Österreich als 2017 ausgegeben haben, in Summe 21,4 Milliarden Euro. Der starke Anstieg der Tourismusnachfrage 2018 ist in erster Linie den sehr guten Wirtschaftswachstumsraten in wichtigen Herkunftsländern zu verdanken. Zudem dürfte es aufgrund der Rekordtemperaturen in der Sommersaison zu einer Umleitung der Reiseströme beispielsweise von südeuropäischen Destinationen in die kühleren heimischen Berg- und Seenregionen gekommen sein. Nicht zuletzt verbuchte die Branche auch in den letzten zwei Wintersaisonen in Summe relativ hohe Einnahmenzuwächse.

2019 konnten die leichten Nachfrageinbußen der ersten Monate aufgrund des späten Ostertermins gegen Ende der Wintersaison und in der Sommersaison wieder Wett gemacht werden. Wie schon 2018 dürfte Österreich als Urlaubsziel auch im Sommer 2019, aufgrund der überdurchschnittlich hohen Temperaturen, weiter an Attraktivität gewonnen haben. „Die Renaissance des Sommerurlaubs in Österreich in den letzten Jahren, als nicht nur die Tourismusnachfrage, sondern auch die Einnahmen stärker als im Winter zugelegt haben, dürfte nicht nur der Witterung geschuldet sein, sondern auch der gestiegenen Attraktivität des Sommerangebots“, sagt Wolf.

Stabile Zuwächse bis Jahresende
Von Jänner bis Oktober 2019 sind die Übernachtungen um 1,5 Prozent gestiegen und damit deutlich langsamer als im Vorjahreszeitraum. Auch das Einnahmenwachstum hat sich laut vorläufigen Daten in etwa halbiert. Allerdings sind die Tourismusbetriebe hinsichtlich der Nachfrage- und der Preisentwicklung für die nächsten Monate zuletzt noch im November optimistischer geworden und signalisieren stabile Zuwächse bis Jahresende. Im Gesamtjahr 2019 kann deshalb mit einem weiteren Wachstum der Tourismuseinnahmen von 1 bis 2 Prozent preisbereinigt gerechnet werden.  

2020 kühlt das Wirtschaftswachstum in den wichtigsten Herkunftsländern, vor allem in Deutschland, weiter ab und wird die Reisefreudigkeit der Bevölkerung noch stärker dämpfen. Der europäische Tourismusverband rechnet damit, dass die Zahl der Reisen, die Westeuropäer 2020 unternehmen, nur mehr um 2,3 Prozent wächst, nach 3 Prozent 2019 und über 5 Prozent 2018. Immerhin sorgen die Gäste aus der Region für drei Viertel aller Nächtigungen im Land. Davon entfällt wiederum die Hälfte auf Gäste aus Deutschland, für die Österreich laut ADAC-Reisemonitor bereits drittwichtigstes Haupturlaubsreiseziel ist. Ein Rückgang der Tourismuseinnahmen 2020 ist zwar unwahrscheinlich; da aber auch mit einer Verlangsamung der Nachfrage von Besuchern aus Österreich zu rechnen ist, bleibt das Wachstum der Tourismuseinnahmen 2020 voraussichtlich unter dem Durchschnittsniveau der letzten zwanzig Jahre von jährlich 0,9 Prozent real.

Veränderte Nachfragestruktur bremst die Einnahmenzuwächse
Langfristig ist es dem heimischen Tourismus gelungen, mit der Verbesserung der Angebotsqualität neue Gästesegmente anzusprechen und die Nachfrage- und Einnahmenausfälle aufgrund der wachsenden Konkurrenz und kürzerer Aufenthalte zu kompensieren. Das Angebot konnte zu höheren Preisen verkauft werden, wie sich daran zeigt, dass die nominellen Einnahmen pro Übernachtung über vier Jahrzehnte mehr oder weniger ungebremst zugelegt haben (bis auf 188 Euro 2018).

Erst in den letzten Jahren hat das Einnahmenwachstum im Vergleich zu den Übernachtungen an Schwung verloren, weil sich die Tourismusnachfrage wieder zunehmend in Richtung günstigerer Angebote verschoben hat, vor allem zu den Ferienwohnungen. Von 2008 bis 2018 sind die gesamten Übernachtungen in Österreich um 1,7 Prozent im Jahr gestiegen, in den 4/5-Stern Unterkünften um rund 2 Prozent und in sonstigen gewerblichen Quartieren um knapp 1 Prozent. Hingegen wurden in den Ferienwohnungen jährlich um fast 4 Prozent mehr Übernachtungen registriert. Die Entwicklung ist ein Indikator dafür, dass es für das Beherbergungsgewerbe zunehmend schwieriger wird, Einnahmensteigerungen zu lukrieren. Österreichs Tourismuseinnahmen sind in den letzten zehn Jahren nur mehr um durchschnittlich 2,5 Prozent nominell im Jahr gestiegen, in den zehn Jahren davor noch um mehr als 4 Prozent.

Die Zahl der Österreichbesucher wächst fast kontinuierlich und sorgt im Branchendurchschnitt für eine höhere Auslastung der Bettenkapazitäten und in Summe für steigende Gesamteinnahmen im Tourismus. Entscheidend für die einzelnen Betriebe ist jedoch, dass die Gäste im Durchschnitt weniger ausgegeben haben, also sparsamer wurden, worunter natürlich in Folge die Erträge der einzelnen Betriebe leiden. Die Auswertungen der österreichischen Hotel- und Tourismusbank zeigen, dass sich trotz verbesserter Auslastungszahlen der operative Gewinn in Relation zum Umsatz bei den 3-Stern- und 4/5-Stern-Betrieben im Durchschnitt der letzten zehn Jahre nicht nennenswert verbesserte. Erst mit den starken Zuwächsen der Tourismusnachfrage der letzten Jahre wurden wieder Ertragssteigerungen im Beherbergungsgewerbe verzeichnet.

Österreichs Tourismus zählt weltweit zu den Topdestinationen
Im globalen Vergleich büßt Österreich als Tourismusdestination leicht Marktanteile ein: der Welttourismusverband erwartet, dass die Marktanteile an den internationalen Gästeankünften von derzeit rund 2,2 Prozent in den nächsten zehn Jahren unter die 2-Prozent-Marke rutschen. Dennoch besteht wenig Gefahr, den Anschluss an die internationale Entwicklung zu verlieren. Österreich ist einer der wettbewerbsstärksten Tourismusstandorte weltweit, mit einer weitgehend einzigartigen, schwer kopierbaren Angebotspalette.

Darüber hinaus hat der Tourismussektor im Land erfolgreich Strukturanpassungsmaßnahmen umgesetzt und konnte das Preis-Leistungs-Verhältnis des Angebots sukzessive verbessern. „Die Wettbewerbsstärke des heimischen Tourismus bestätigen nicht nur die Ergebnisse der letzten Jahre, sondern auch die guten Platzierungen im Ranking der weltweit wichtigsten Tourismusstandorte des World Economic Forum“, sagt Wolf. Aktuell liegt Österreich im Vergleich von rund 140 Ländern auf Rang 11. Im Detail zählen die touristische Infrastruktur und die Umweltbedingungen zu den Besten weltweit.

Rückfragen
UniCredit Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Günter Wolf, Tel.: +43 (0) 5 05 05-41954;
E-Mail: guenter.wolf@unicreditgroup.at