22.07.2008

CEE Volkswirtschaften unter dem Druck globaler Risiken

  • CEE Länder nicht unverwundbar, aber nach wie vor mit gesundem Wachstum
  • Inflation als zentrale Herausforderung

Das globale ökonomische Umfeld ist aktuell gekennzeichnet durch ein geringes Wirtschaftswachstum in den USA und in der Eurozone, durch große Sorgen über die Inflation und hohe Unsicherheiten sowie eine erhebliche Volatilität in den Finanzmärkten. "Dieses internationale Umfeld stellt die Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa auf eine harte Probe, wenngleich die Region bisher offenbar gut mit der Situation zurecht kommt", erklärt Debora Revoltella, CEE Chefökonomin der Bank Austria. Die bewährten Wachstumsmotoren laufen rund in Zentral- und Osteuropa (CEE), und die Ökonomen der Bank Austria bleiben für den Zeitraum 2008-2010 bei ihrer Prognose eines durchschnittlichen Wachstums von jährlich 4,6% in Mitteleuropa1, 5,1% in Südosteuropa (SEE)2 und im Baltikum und von 6,0% in "Broader Europe"3.

Der Konsum wird in den CEE Ländern von den steigenden Haushaltseinkommen und der sinkenden Arbeitslosigkeit gespeist. Indessen sorgen ein hoher Inflationsdruck zusammen mit der restriktiveren Geldpolitik für eine gewisse Dämpfung. Überdies müssen die Haushalte in der Region jetzt mit einem knapperen Budgetspielraum zurecht kommen, als dies früher der Fall war, haben sie doch ihren Konsum zunehmend mit Schulden finanziert und sich dadurch anfälliger für potenzielle Rückschläge gemacht. Alles in allem bleibt die CEE Region allerdings wettbewerbsfähig, und einzelne Branchen könnten sogar von Entscheidungen internationaler Unternehmen profitieren, die Renditen aus ihren Standortverlagerungsstrategien zu maximieren.

Die internationalen Rahmenbedingungen bringen nationale Schwachpunkte ans Tageslicht
"Zweifellos haben die internationalen Bedingungen auch in den Ländern der CEE Region zu Schieflagen geführt. Vor allem die Finanzierung des inländischen Wachstums mit internationalem Sparvermögen wird zum Problem", sagt Revoltella. In letzter Zeit haben sich die meisten Länder in der Region auf ausländische Ersparnisse zur Finanzierung ihres Wachstums verlassen. Steigende Leistungsbilanzdefizite wurden über ausländische Direktinvestitionen finanziert, aber auch mit Auslandsschulden. In dieser Entwicklung hat auch der Bankensektor eine Rolle gespielt: Das starke Wachstum bei den Ausleihungen – einer der Hauptmotoren des Booms im Einzelhandel und bei den Investitionen – war ebenfalls weitgehend vom Ausland finanziert. Im Jahr 2007 akkumulierten sich die internationalen Schulden der gesamten Region auf annähernd € 100 Mrd., und im Bankensektor kam es beinahe zu einer Verdoppelung des Nettozugriffs auf ausländische Finanzmittel. Die baltischen Staaten, die Ukraine, Kasachstan und Rumänien sind die Länder, deren Bankensektor stärker von ausländischen Mitteln abhängig ist. Zu den Ländern, die den größten Bedarf zur Finanzierung ihrer Leistungsbilanzen haben, gehören ebenfalls die baltischen Staaten und die Länder Südosteuropas.

Inflationsproblem wird in CEE besonders brisant
"Angeführt von den steigenden Lebensmittel- und Ölpreisen, wird die Inflation zu einem Problem von globaler Dimension. Angesichts des hohen Anteils von Energie und Lebensmitteln im Verbraucherkorb erscheint die Lage in der Region CEE ganz besonders prekär," betont Revoltella. Zusätzlich zur internationalen Komponente stehen die CEE-Länder vor einer ganzen Reihe hausgemachter Inflationstreiber, etwa die nach wie vor vorhandenen Ineffizienzen des Marktes, die Liberalisierung der Preise und die simple Preiskonvergenz in Richtung westlicher Standards. Die erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt, verbunden mit dem Rückgang der Arbeitslosigkeit, hat in Teilbereichen zu einem Arbeitskräftemangel und damit zu einem Aufwärtsdruck bei den Löhnen geführt. Die lockeren geldpolitischen Bedingungen tragen in einigen Ländern ebenfalls zur hohen Inflation bei. Der Kampf gegen die Inflation wird somit weiterhin hohe Priorität einnehmen, und die Mehrzahl der Länder wird sich bei der Entwicklung der richtigen Gegenmaßnahmen vor erheblichen Schwierigkeiten sehen.

Rasche Abkühlung der Wirtschaft in den baltischen Staaten, Gefahren für Südosteuropa
Die Wirtschaftsaussichten haben sich in den baltischen Staaten seit Anfang 2008 deutlich verschlechtert. Zunehmende makroökonomische Ungleichgewichte, restriktivere Kreditbedingungen und überhitzte Immobilienmärkte sind dafür in erster Linie verantwortlich. Vor allem in Estland und Lettland scheint der Rückgang schneller zu verlaufen als erwartet. So wird für Estland ein BIP-Wachstum 2008 von 0,1% und für Lettland von 2,0% erwartet. Einzig die litauische Wirtschaft scheint im Augenblick widerstandsfähiger zu sein; in dem Land rechnet man für 2008 mit einem BIP-Wachstum von 4,7%.

Das Platzen der Immobilienblase geht sehr abrupt vor sich, speziell in Lettland, wo die Entwicklung des Liegenschaftsmarkts in den letzten Jahren weniger glatt verlaufen ist wie in den beiden anderen baltischen Staaten. In Riga ist beispielsweise zwischen Jahresanfang und Juni ein Verfall der Wohnungspreise um 25% zu verzeichnen. Die Anzeichen einer Stagnation im Wohnungsmarkt haben sich auch in Estland verstärkt, nachdem bei Immobilienverkäufen im zweiten Quartal 2008 ein Rückgang in Höhe von 30% zu verzeichnen war.

Angesichts hoher Leistungsbilanz-Ungleichgewichte, einer starken Abhängigkeit des Wachstums von ausländischen Sparguthaben und eines kräftigen Drucks von der Inflationsseite stehen die SEE-Länder vor ähnlichen Problemen wie die baltischen Staaten. So bleibt die Finanzierung der riesigen Leistungsbilanzdefizite ein wesentliches Problem, das im Auge behalten werden muss. Die Experten der Bank Austria gehen indessen davon aus, dass es in der Region SEE zwar zu leichten Wachstumsdämpfern kommen wird, der Region aber dank der insgesamt boomenden Wirtschaft eine harte Landung erspart bleibt, wie sie sich im Baltikum gerade abzuzeichnen beginnt. "Dies in erster Linie deshalb, weil der Immobilienmarkt in SEE wesentlich weniger aufgeblasen ist als in den baltischen Ländern, zum zweiten, weil die ökonomische Struktur in SEE deutlich stärker diversifiziert und eine nationale Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet ist, und drittens, weil die SEE-Länder zwar einen Kreditboom erlebt haben, dieser aber viel früher in der Entwicklungsphase des Marktes stattfand", erläutert Revoltella. Das erwartete BIP-Wachstum 2008 bleibt deshalb für diese Länder auf recht hohem Niveau: am höchsten in Rumänien mit 6,8 %, gefolgt von Serbien mit 6,2%, Bulgarien mit 6%, Bosnien-Herzegowina mit 5,8 % und Kroatien mit 4%.

Über UniCredit Group
Die Bank Austria ist innerhalb der  UniCredit Group für Zentral- und Osteuropa verantwortlich. Die UniCredit Group ist eine der größten europäischen Bankengruppen. Sie ist in 23 Ländern Europas tätig und beschäftigt rund 180.000 Mitarbeiter, die in rund 10.000 Geschäftsstellen über 40 Millionen Kunden betreuen. Die Bilanzsumme der UniCredit Group beträgt rund 1.000 Milliarde Euro.

In der Region Zentral- und Osteuropa betreibt UniCredit das größte internationale Bankennetz mit über 80,000 Mitarbeitern, die in mehr als 3,900 Geschäftsstellen rund 27 Millionen Kunden betreuen. Derzeit ist die UniCredit Group in folgenden Ländern vertreten: Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Estland, Kasachstan, Kroatien, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tadschikistan, Tschechien, Türkei, Ungarn und Ukraine.

1 Mitteleuropa: Tschechische Republik, Ungarn, Polen, Slowakei und Slowenien
SEE: Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Rumänien, Serbien
3 Broader Europe: Kasachstan, Russland, Türkei und die Ukraine

Rückfragen: Bank Austria Communications CEE
Silvana Lins
Phone: +43 (0) 50505 56036
E-mail : silvana.lins@unicreditgroup.at

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