14.05.2008

Bank Austria Konjunkturindikator:
Nach starkem Jahresbeginn Zwischentief aus dem Ausland nun eingetroffen

  • Bank Austria Konjunkturindikator im April mit weiterem Rückgang
  • 1. Quartal trotzdem stärker als 4. Quartal 2007
  • Außenhandel wird zumindest vorläufig von der Konjunkturstütze zum Risikofaktor
  • Erste Anzeichen für Erholung im Verlauf von 2009

Der Konjunkturindikator der Bank Austria hat im April den im Vormonat eingeschlagenen rückläufigen Trend fortgesetzt. Der Wert sank von 2,8 auf aktuell 2,6. Dabei beruht die eingetretene Verschlechterung auf der Entwicklung fast aller Einzelkomponenten. So hat sich sowohl das Konsumentenvertrauen als auch die Stimmung in der heimischen und europäischen Industrie eingetrübt. Hier schlagen sich die ungünstigen Rahmenbedingungen wie der starke Euro und die hohen Rohstoffpreise, insbesondere aber das Rekordniveau des Erdölpreises, immer stärker nieder. "Die österreichische Wirtschaft hat zu Jahresbeginn noch Stärke gezeigt, doch nun ist die globale Abschwächung in Österreich angekommen und dämpft die weiteren Konjunkturaussichten", sagt der stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria Stefan Bruckbauer.

Erstaunlich gute Performance im ersten Quartal
Die österreichische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2008 kräftig gewachsen. Die dynamische Entwicklung stand dem kräftigen Wachstumstrend des Vorjahres um nichts nach. "Die negativen weltwirtschaftlichen Einflüsse haben der österreichischen Wirtschaft in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres noch nichts anhaben können", meint Bruckbauer und ergänzt: "Die Dynamik war in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sogar etwas höher als gegen Ende 2007."

Zum Wirtschaftswachstum hat die anhaltend rege Investitionstätigkeit und nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria auch eine leichte Aufwärtsbewegung des privaten Konsums beigetragen. Dieser profitierte von der günstigen Arbeitsmarktsituation, trotz des Handikaps der anhaltend hohen Inflationswerte von deutlich über 3 Prozent. "Ungeachtet der globalen Konjunkturverlangsamung und der negativen Wirkung durch den starken Euro konnte sich im ersten Quartal auch der Außenhandel als Träger der wirtschaftlichen Dynamik profilieren", meint Walter Pudschedl, Ökonom der Bank Austria.

Außenhandel - vom Paulus zum Saulus
Die heimische Exportwirtschaft hatte in den letzten Jahren einen ganz wesentlichen Anteil an der dynamischen Wirtschaftsentwicklung: Sie trug zu rund einem Drittel zu den hohen Wachstums-raten von über 3 Prozent bei. Die internationale Konjunktureintrübung und das für die Exportwirtschaft ungünstige Dollar/Euro-Wechselkursverhältnis hat die österreichische Wirtschaft aufgrund der geringen direkten Effekte erst mit zeitlicher Verzögerung getroffen. Nun jedoch zeigen die vorliegenden Indikatoren, dass sich zum einen das allgemeine Marktwachstum abschwächen wird und zum anderen die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen unter diesen Rahmenbedingungen zunehmend leidet, sodass Marktanteilsverluste eintreten werden. Im weiteren Jahresverlauf ist daher ein negativer Wachstumsbeitrag vom Außenhandel zu erwarten. "Je länger der Euro auf dem aktuell hohen Niveau verharrt, desto größer werden die Risiken für die österreichische Konjunktur, denn mittelfristig wird die heimische Exportindustrie diesen Wettbewerbsnachteil deutlich spüren", meint Pudschedl.

Wachstum 2008/2009 unter 2 Prozent
Neben dem Außenhandel wird auch die Investitionstätigkeit zunehmend auf die negativen internationalen Vorgaben reagieren und im weiteren Jahresverlauf deutlich an Schwung einbüßen. Der Konsum, in dem die Ökonomen der Bank Austria große Hoffnungen gesetzt hatten, der globalen Abschwächung kräftig entgegenwirken zu können, wird aufgrund der hohen Preissteigerungen, die länger als ursprünglich erwartet bis in den Herbst anhalten werden, daher kaum zusätzliche Impulse entfalten. Nach dem starken Jahresbeginn zeigt die österreichische Wirtschaft nun bereits Ansätze einer Ermüdung. Die Konjunkturentwicklung wird sich im Sommer und im Herbst erheblich verlangsamen, aber danach wieder Auftrieb erhalten. "Bestätigen sich die ersten Vorzeichen einer Erholung der US-Wirtschaft und kommt es zu keinem weiteren starken Ölpreisanstieg und Dollarverfall, so stehen die Chancen gut, dass Österreichs Wirtschaft im Verlauf von 2009 wieder auf Potenzialwachstum kommt", so Bruckbauer. Trotzdem verhindert eine noch schwache Konjunktur bis ins Jahr 2009 ein Wachstum von über 2 Prozent im nächsten Jahr.

Diesem Szenario liegt die Erholung der US-Wirtschaft, ein Ölpreis von rund 120 US-Dollar und ein Euro/US-Dollar-Wechselkurs von rund 1,55 zugrunde. Auch wird eine weitere Fortsetzung der Erholung der Finanzmärkte unterstellt. Sollten sich diese Rahmenbedingungen deutlich anders entwickeln, müsste nach Ansicht der Ökonomen der Bank Austria mit einer stärkeren und länger anhaltenden Schwäche der österreichischen Wirtschaft gerechnet werden. Die Risiken dafür sind weiter hoch.

 Charts zur Presseaussendung (PDF; 83 KB)

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
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 E-Mail: Walter.Pudschedl@unicreditgroup.at