28.03.2008

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im März:
Finanzmarktturbulenzen lassen Österreichs Industrie vorerst kalt

  • Bank Austria EMI im März wieder im Aufwind
  • Auftragszuwächse sorgen für steigende Produktion
  • Beschäftigungswachstum ungebrochen
  • Bis Jahresmitte bleibt Industriekonjunktur robust

Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) stieg im März von 52,4 auf 53,4. Nach dem 2 ½-Jahres-Tief des Indikators im Vormonat schlägt die heimische Industrie nun wieder ein etwas höheres Tempo an. Der Indexwert für das erste Quartal 2008 liegt zwar unter dem Jahresschnitt 2007, überschreitet aber deutlich den Langzeit-Durchschnittswert. "Die österreichische Industrie präsentiert sich ungeachtet der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und den ungünstigen internationalen Rahmenbedingungen derzeit in einer robusten Verfassung", meint Stefan Bruckbauer, stellvertretender Chefvolkswirt der Bank Austria und ergänzt: "Zumindest für das erste Halbjahr 2008 besteht auch kein Anlass für Pessimismus."

Die heimische Industrieproduktion hat im März wieder kräftiger expandieren können, da neue, zusätzliche Fertigungskapazitäten in Betrieb gegangen sind. Der Index für die Produktionsleistung kletterte auf 55,2, den höchsten Wert des laufenden Jahres und sogar deutlich über dem Jahresmittel 2007. Die Steigerung wurde durch die weiterhin zunehmende Nachfrage nach österreichischen Industrieerzeugnissen ermöglicht. Allerdings ist das Auftragsplus relativ bescheiden ausgefallen und auch deutlich niedriger als im abgelaufenen Jahr, obwohl im März viele Aufträge wegen erwarteter Preisanhebungen zeitlich vorgezogen worden sind.

Nach dem Rückgang im Vormonat haben sich die Auftragseingänge aus dem Ausland wieder erholt. Auch bei dieser für die österreichische Konjunkturentwicklung besonders wichtigen Auftragskomponente verbuchten die Firmen im März jedoch nur geringfügige Zuwächse. Trotz negativer internationaler Einflüsse, wie dem starken Eurokurs, steigt die Exportnachfrage jedoch leicht an. "Die heimische Industrie reagiert sehr flexibel auf die verschlechterten Rahmenbedingungen und konzentriert die Aktivitäten verstärkt auf Abnehmer in dynamischeren Wirtschaftszonen außerhalb des Dollarraums", sagt Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Wie aus den jüngsten Außenhandelsdaten ersichtlich, verliert der Dollarraum an Bedeutung für die österreichische Exportwirtschaft, während unter anderem der Handel mit den ost- und mitteleuropäischen Ländern boomt.

Industrie ist zudem durch die Preisentwicklungen auf den Rohstoffmärkten schwieriger geworden. Der Rekordanstieg des Ölpreises im März bekamen die Unternehmen in Form höherer Energie- und Vormaterialpreise zu spüren. Auch durch die Verteuerung von Metallen erreichte die Steigerung der durchschnittlichen Einkaufspreise den höchsten Wert seit mehr als einem Jahr. Infolgedessen hob Österreichs Industrie die Verkaufspreise stärker an. Die Erhöhung der Verkaufspreise überstieg nicht nur den Wert des Vormonats sondern war sogar die zweitstärkste innerhalb eines Jahres. Unter den derzeitigen Marktbedingungen wird es schwieriger, die zusätzliche Kostenbelastung durch die höheren Einkaufspreise in vollem Umfang an die Kunden weiterzureichen. "Die heimische Industrie ist derzeit einem besonders starken Rationalisierungsdruck ausgesetzt und muss intensive Anstrengungen zur Steigerung der Produktivität unternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern", meint Pudschedl.

Neben dem Produktionsplus und der Entwicklung der Auftragseingänge ist der anhaltende Beschäftigungsaufbau, der sich im März sogar wieder beschleunigt hat, ein erstaunliches Lebenszeichen der Industrie. Der heimische Konjunkturmotor läuft zwar etwas weniger kraftvoll als im Vorjahr, beweist allerdings eine beachtliche Ausdauer. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten, welche die US-Ökonomie in die Rezession schlittern lassen, werden der Dynamik der europäischen und damit auch der österreichischen Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf jedoch noch zusetzen. Die aktuellen Daten zeigen allerdings, dass die Auswirkungen auf die heimische reale Wirtschaft weniger stark sein dürften, als ursprünglich befürchtet. "Wir gehen daher für Österreich unverändert von einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent im Jahr 2008 aus. Befürchtungen über eine Rezession in Österreich möchte ich eine klare Absage erteilen", meint Bruckbauer. Gleichzeitig sehen die Ökonomen der Bank Austria die Chancen auf eine sehr rasche Durchquerung der erwarteten Konjunkturdelle allerdings dahinschwinden. Die internationalen Rahmenbedingungen werden eine Erholung bis weit ins nächste Jahr verzögern. Das Wachstum für 2008 könnte damit eher positiv, jenes für 2009 vielleicht etwas negativ überraschen.

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von NTC Research durchgeführt wird.

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Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957
E-Mail: economic.research@ba-ca.com