18.12.2008

Aktuelle Standortanalyse der Bank Austria Konzernvolkswirtschaft:
Niederösterreich – Ein schönes Stück Österreich erfindet sich neu

  • Ostöffnung und EU-Erweiterung treiben Strukturwandel in Richtung Technologiestandort voran
  • Niederösterreich wächst seit EU-Beitritt schneller als Österreich-Durchschnitt

Die niederösterreichische Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren deutlich von der Ostöffnung profitiert und ist von einer geopolitischen Randlage ins Zentrum dynamischer Wachstumsmärkte gerückt. Seit dem EU-Beitritt im Jahr 1995 ist das regionale BIP um 2,5 Prozent jährlich gewachsen, der Österreich-Durchschnitt lag gleichzeitig bei plus 2,4 Prozent. Im Vorjahr konnte Niederösterreichs Wirtschaft sogar um 3,8 Prozent zulegen. Dazu beigetragen haben insbesondere unternehmensnahe Dienstleistungen und verstärkt auch technologieintensivere Wachstumsbranchen der Sachgüterindustrie wie etwa der Maschinenbau. Das ist der Sukkus einer aktuellen Standortanalyse der Bank Austria Volkswirtschaft, die heute von Helmut Bernkopf, Bank Austria Vorstand für das Firmenkundengeschäft, Stefan Bruckbauer, stv. Chefökonom, und Christian Redl, Bank Austria Landesdirektor für das Firmenkundengeschäft in Niederösterreich-Süd, vorgestellt wurde.

"Insgesamt zeigt Niederösterreichs Wirtschaft heute ein neues, zukunftsträchtigeres Gesicht. Und dank einer starken Dienstleistungsflanke wird sie auch im laufenden Jahr 2008 ein Wachstum über der Österreich-Prognose von 1,8 Prozent erzielen", sagt Helmut Bernkopf, Bank Austria Vorstand für Firmenkunden. Auch beim Wohlstandsniveau gemessen an der im Land erbrachten Wirtschaftsleistung kann sich Niederösterreich im Vergleich zur Nachbarschaft gut behaupten. Mit einem BIP pro Kopf zu Kaufkraftparitäten von rund 26.500 Euro oder über 103 Prozent des Durchschnitts liegt Niederösterreich im Mittelfeld der EU-27. Im Österreich-Vergleich liegt Niederösterreich mit 80 Prozent des Österreich-Durchschnitts jedoch im unteren Drittel der Bundesländer. Dieses Bild wird durch länderübergreifende Pendlerströme verzerrt, deren Arbeitsleistung in anderen Bundesländern (Wien) nicht dem niederösterreichischen BIP zugerechnet wird. Betrachtet man das von den Niederösterreichern erwirtschaftete Einkommen, ändert sich das Bild. "Die Niederösterreicher erreichen das zweithöchste verfügbare Einkommen nach Wien", so Bernkopf.

Im Gesamtergebnis liegt Niederösterreich an der siebenten Stelle des Bundesländer-Rankings der Bank Austria. Auf Grund des engen Punkterahmens befindet es sich damit dennoch im Mittelfeld mit der Steiermark, Tirol und Wien. Das ist unter Berücksichtigung der schwierigen Ausgangslage ein bemerkenswertes Resultat. "Die Anstrengungen der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass die niederösterreichische Wirtschaft in vielen Bereichen Stärken entwickeln konnte, die es ihr ermöglichen, den neuen globalen Anforderungen aktiv und flexibel zu begegnen", so Bernkopf.

Profiteur der Ostöffnung
Die Ostöffnung findet auch in der Exportquote der niederösterreichischen Unternehmen ihren Niederschlag. Innerhalb von zehn Jahren ist diese um fast 15 Prozentpunkte auf knapp 44 Prozent des BIP gestiegen. Niederösterreichs Exportquote liegt damit klar über dem Österreich-Durchschnitt. Die Exporte haben sich innerhalb des vergangenen Jahrzehnts um durchschnittlich 8,5 Prozent jährlich erhöht. Dabei nehmen die europäischen Wachstumsmärkte mittlerweile eine besondere Stellung ein. Knapp ein Viertel der Exporte gehen nach CEE. Die negative Differenz von Exporten minus Importen ist gleichzeitig stark gesunken, von einem vormals zweistelligen Wert auf unter ein Prozent des regionalen BIP 2007. "Unser Land mit seiner ausgezeichneten großräumigen Verkehrsinfrastruktur und dem Flughafen Wien-Schwechat ist ein wichtiger Hub zwischen Ost und West geworden. Niederösterreich kann sich immer erfolgreicher als europäische Logistikdrehscheibe präsentieren", sagt Christian Redl, Bank Austria Landesdirektor für Firmenkunden in Niederösterreich-Süd.

Auch bei der Beschäftigung kann Niederösterreich auf verbesserte Werte verweisen. So ist die Arbeitslosenquote seit 2005 stark gesunken und lag in den ersten zehn Monaten dieses Jahres bei 5,6 Prozent. Begleitet wurde diese Entwicklung von einem kräftigen Beschäftigungsanstieg, nämlich um rund 1,8 Prozent in den vergangenen drei Jahren. "Die niederösterreichischen Unternehmen haben innerhalb eines Jahrzehnts zirka 50.000 neue Jobs geschaffen. Mit rund 560.000 unselbstständig Erwerbstätigen weist Niederösterreich aktuell einen absoluten Rekordbeschäftigtenstand aus", hält Helmut Bernkopf, Bank Austria Vorstand für das Firmenkundengeschäft, fest.

Tragfähige Strukturen durch Sachgüterindustrie, Potenzial bei Servicestärke
Um seine Zukunftschancen optimal nutzen zu können, versucht Niederösterreich sich seit rund einem Jahrzehnt als konkurrenzfähiger, moderner Standort zu präsentieren und geht kompromisslos den Weg zum modernen Hochtechnologiestandort. Das Bildungsangebot wächst stark, die F&E Quote steigt kräftig. "Der Sachgüteranteil an Niederösterreichs Wirtschaftsleistung ist überdurchschnittlich. Hohe Branchenvielfalt, technologische Aufrüstung und zunehmende Internationalisierung verschaffen Niederösterreich tragfähigere Strukturen. Insbesondere bei der Dienstleistungsstärke und bei innovativem Tourismus gibt es noch Entwicklungspotenzial", analysiert der stv. Chefökonom der Bank Austria Stefan Bruckbauer. Derzeit ist innerhalb der Sachgüterindustrie ein qualitativer Shift in Richtung Qualitätsbereiche wie die Messtechnik zu beobachten, aber auch unternehmensnahe Dienstleistungen expandieren stark. Niedrigtechnologie wie etwa Textilien verliert in Niederösterreich zusehends an Bedeutung.
 
Ambitioniert in die technologische Zukunft
Der tertiäre Ausbildungssektor ist sehr gut ausgebaut, mit der Donauuniversität Krems als wichtigste Einrichtung des Landes. Darüber hinaus bestehen drei Fachhochschulen an den Standorten St. Pölten, Krems und Wiener Neustadt. Mit den Austrian Research Centers Seibersdorf, dem größten außeruniversitären Forschungsunternehmen Österreichs, ist die Spitzenforschung schon lange in Niederösterreich zu Hause. Trotzdem bleibt der Anteil öffentlicher F&E Ausgaben hinter jenen Bundesländern mit großen Universitätsstandorten zurück und drückt die F&E Quote mit 1,3 Prozent eindeutig unter den Österreich-Durchschnitt.

"In den letzten Jahren hat Niederösterreich jedoch viel unternommen, um sich als Top-Technologiestandort zu etablieren. So wurden in den vergangenen fünf Jahren die Landesbudgetmittel für Forschung bzw. die Forschungsförderung um 75 Prozent erhöht. Die F&E Quote ist so stark gestiegen wie in keinem anderen Bundesland und Niederösterreich konnte Vorarlberg sowie Salzburg überholen", so Bruckbauer.

Broschüre "Standort Niederösterreich": Wirtschaftsleitfaden und Ratgeber für Förderprogramme
Die Ökonomen der Bank Austria hat zusammen mit der Landesdirektion Niederösterreich eine umfangreiche Broschüre erarbeitet, die die Standortattraktivität, die Leistungsfähigkeit und das Wachstumspotenzial von Niederösterreich auf den Prüfstand stellt. In einem zweiten Teil der Broschüre "Standort Niederösterreich" wird ein Überblick über die Förderlandschaft mit nationalen Fördermaßnahmen und Kofinanzierungen durch die EU gegeben. Als Mitglied der UniCredit Group kann die Bank Austria auf ein weltweites Netzwerk mit besonders intensiver Ausrichtung auf Deutschland, Italien sowie den zentral- und osteuropäischen Raum zugreifen. Dieser Leitfaden der Bank Austria soll dazu beitragen, dass Unternehmen – unabhängig davon, ob sie sich gerade in einer Gründungs-, Konsolidierungs- oder Erweiterungsphase befinden – für die anstehenden wirtschaftlichen Herausforderungen gut gerüstet sind. 

Die Broschüre "Standort Niederösterreich" ist Teil einer neuen Serie von Bundesländeranalysen und in den Bank Austria Filialen erhältlich sowie unter www.bankaustria.at im Internet abrufbar.

Rückfragen: Bank Austria Pressestelle Österreich
 Tiemon Kiesenhofer, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 52819;
 E-Mail: tiemon.kiesenhofer@unicreditgroup.at

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