29.04.2008

Aktuelle Standortanalyse der Bank Austria Volkswirtschaft:
Tirol: Österreichs Tourismusland Nr. 1 punktet mit Wirtschaftsdynamik

  • Wachstums- und Beschäftigungsimpulse durch Exporterfolg
  • Überdurchschnittlicher Wohlstand dank robustem Arbeitsmarkt
  • Trotzdem weiterer Aufholbedarf in ungenutzten Wachstumsbranchen

Tirol ist Österreichs Tourismusstandort Nummer 1 und zählt mit einem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum und einer der niedrigsten Arbeitslosenquoten zu den dynamischsten Regionen Europas. Während der Tourismus weiterhin eine solide Basis für den hohen Wohlstand Tirols bildet, kommen die wirtschaftlichen Impulse und Zuwachsraten verstärkt von neuen, innovativen Unternehmen und dem Exporterfolg der vergangenen Jahre. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Standortanalyse der Bank Austria Volkswirtschaft, die heute von Erich Hampel, Vorsitzender des Vorstandes der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, stv. Chefökonom der Bank Austria, und Markus Sappl, Landesdirektor Firmenkunden Tirol der Bank Austria, präsentiert wurde.

Tirol konnte sich innerhalb eines standardisierten Vergleichs der Bundesländer – basierend auf einer Vielzahl von Wirtschaftsindikatoren – gemeinsam mit Wien und Niederösterreich als Sechster im Mittelfeld platzieren. "Tirol ist ein hervorragender Wirtschafts- und Tourismusstandort. Die Tiroler Wirtschaft befindet sich aber auch in einem strukturellen Wandel, der das Potenzial hat, die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Standortes durch eine breitere, weniger vom Tourismus gekennzeichnete wirtschaftliche Basis langfristig zu stärken. Ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum und die positiven Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sind bereits ein erstes Anzeichen für den erfolgreich eingeschlagenen Weg", meint Hampel.

 "Das durchschnittliche Ergebnis macht deutlich, dass sich die Tiroler Wirtschaft in einer guten Verfassung präsentiert und in vielen Bereichen enorme Stärken aufweist, andererseits jedoch auch einige Schwachstellen existieren, die Gestaltungschancen für die Zukunft eröffnen", erklärt Bruckbauer.

Tirol zählt zu den führenden Tourismusregionen Europas
Die Stärke im Tourismus und die breite industrielle Ausrichtung haben Tirol zu einem wohlhabenden Bundesland gemacht und sind auch die Grundlage der überdurchschnittlichen Wachstumsdynamik der letzten Jahre. Der Wohlstand Tirols ist eng mit der traditionellen Stärke im Fremdenverkehr verbunden. Dank dem qualitativ hochwertigen und quantitativ ausgebauten Tourismusangebot liegt Tirol beim BIP pro Kopf ebenso wie Wien, Salzburg und Vorarlberg über dem österreichischen Durchschnitt. Der Anteil des Tourismus an der gesamten Wirtschaftsleistung erreicht mit über 12 Prozent den mit Abstand höchsten Wert Österreichs. Fast 42 Millionen Gästeübernachtungen verdeutlichen die intensive Ausrichtung der Wirtschaft auf diesen Bereich.

Wachstum und Beschäftigung profitieren von Impulsen durch innovative Betriebe
Den zusätzlichen Wachstumsschub erfuhr die Tiroler Wirtschaft jedoch weniger durch den Tourismus als vielmehr durch neue Servicebereiche und in höherwertigen Industriesegmenten beziehungsweise durch die Gründung innovativer Unternehmen. Die Sachgütererzeugung konnte, unterstützt durch ein günstiges internationales Umfeld, insbesondere in technisch höher entwickelten Sparten wie der Elektrotechnik, der chemischen Industrie, der Kunststoffindustrie, der Messtechnik und der Fahrzeugindustrie an Dynamik zulegen. Im Dienstleistungsbereich sorgten insbesondere der Handel und die unternehmensbezogenen Dienstleistungen für zusätzliches Wachstum. Aufgrund der kräftigen Expansion der Tiroler Wirtschaft sank die Arbeitslosenquote kontinuierlich und die Beschäftigung erhöhte sich deutlich. Mit 5,3 Prozent liegt die Arbeitslosenquote in Tirol klar unter dem Bundesdurchschnitt.
"Tirol ist längst der alpinen Kleinräumigkeit entwachsen und profitiert angesichts der günstigen Lage und der Wirtschaftsverbindungen zum Hightech-Standort Bayern und dem dynamischen oberitalienischen Raum von den offenen Grenzen in einem vereinten, wachsenden Europa", erklärt Sappl. "Die Tiroler Wirtschaft gewinnt an Dynamik und Vielfalt. Mit der breiteren Basis steht der Standort damit auch konjunkturellen Einflüssen stabiler gegenüber." Die Tiroler Wirtschaft erreicht den zweithöchsten Zuwachs unter allen Bundesländern bei den Exporten seit der Jahrtausendwende.  Seit dem Jahr 2000 ist die Exportquote um 16 Prozentpunkte angestiegen.

Weiterer Aufholbedarf bei wissens- und technologiebasierten Wachstumsbranchen
Trotz des erfreulichen Trends zu einem technologischen Upgrading in der Wirtschaft, das sich in steigenden Beschäftigungszahlen in höherwertigen, innovativen Industriebranchen sowie in unternehmensnahen Dienstleistungsbereichen zeigt, hat Tirol im österreichischen Vergleich noch etwas Aufholbedarf. Gerade der Servicesektor bei wissensbasierten Dienstleistungen, wie z.B. Beratungs- und Informationsdiensten, Werbung, Datenverarbeitung sowie Rechts- und Wirtschaftsberatung, verfügt noch über ein ausbaufähiges Angebot. Während Tirol bezogen auf Wohlstand und Arbeitsmarkt im Ländervergleich im oberen Bereich zu finden ist, liegt es bei der Bewertung der Wirtschaftsstruktur unter dem Durchschnitt.

Positionierung als Bildungs- und Forschungsstandort
Um diese Positionierung zu ändern, setzt die Tiroler Standortpolitik auf den forcierten Ausbau des Bildungsangebotes. Tirol hat sich auf öffentlicher Ebene dank der Universitäten und Fachhochschulen als Vorzeigeland in Sachen Forschung und Entwicklung in Österreich etabliert. An der Spitze der Bildungspyramide stehen insgesamt drei Universitäten. Neben der Leopold-Franzens-Universität mit 15 Fakultäten ist auch die Medizinische Universität in Innsbruck angesiedelt. Mit der privaten Health & Life Sciences Universität UMIT in Hall besteht seit 2001 eine qualitativ hochwertige Ergänzung im Bereich Gesundheitswissenschaften, medizinische Informatik und Technik. In die Forschung mit Schwerpunkten Life Sciences, Biotechnologie, Medizininformatik, Nanotechnologie, neue Werkstoffe, alpiner Raum und IT werden öffentliche Mittel von mehr als einem Prozent des BIP investiert, was deutlich über dem Österreich-Durchschnitt liegt. Während der Schwerpunkt des Bildungsangebotes in Tirol auf den touristischen sowie den Gesundheitsbereich abstellt, besteht im Hinblick auf technische Berufe aber noch Handlungsbedarf, ebenso in der Finanzierung der privaten, von Unternehmen getragenen Forschung. Die Anstrengungen, sich als Innovations- und Forschungsstandort zu positionieren, tragen aber insgesamt bereits Früchte.

Broschüre "Standort Tirol": Wirtschaftsleitfaden und Ratgeber für neue Förderstrukturen
Die volkswirtschaftliche Abteilung der Bank Austria hat zusammen mit der Landesdirektion Tirol eine umfangreiche Broschüre erarbeitet, die die Standortattraktivität, die Leistungsfähigkeit und das Wachstumspotenzial von Tirol auf den Prüfstand stellt. Im zweiten Teil der Broschüre "Standort Tirol" wird ein Überblick über die Förderlandschaft mit nationalen Fördermaßnahmen und Kofinanzierungen durch die EU gegeben. Als Mitglied der UniCredit Group kann Bank Austria auf ein weltweites Netzwerk mit besonders intensiver Ausrichtung auf Deutschland, Italien und den zentral- und osteuropäischen Raum zugreifen. Dieser Leitfaden der Bank Austria soll dazu beitragen, dass Unternehmen – unabhängig davon, ob sie sich gerade in einer Gründungs-, Konsoldierungs- oder Erweiterungsphase befinden – für die anstehenden wirtschaftlichen Herausforderungen gut gerüstet sind.  Die Broschüre "Standort Tirol" ist Teil einer neuen Serie von Bundesländeranalysen und in den Bank Austria Filialen erhältlich sowie unter www.bankaustria.at  im Internet abrufbar.

Rückfragen: Bank Austria Pressestelle Österreich
Martin Halama, Tel. +43 (0) 50505 - 52371
E-Mail: Martin.Halama@unicreditgroup.at