29.04.2008

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im April:
Globale Abschwächung in Österreich angekommen

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex sinkt im April unter Wachstumsreferenzwert von 50
  • Deutlicher Einbruch bei Auftragseingängen
  • Industrie kommt von Wachstumspfad ab
  • Nach starkem 1. Quartal deutliche Konjunkturabschwächung in Österreich

Nach den erstaunlich robusten Werten im ersten Quartal sank der Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) im April unter die 50 Punkte-Marke. Erstmals seit mehr als 30 Monaten notiert er damit in jenem Wertebereich, der Schrumpfungstendenzen signalisiert. "Die globale Abschwächung, verstärkt durch die negative Wirkung des starken Euro, hat die österreichische Industrie im April erreicht", interpretiert Stefan Bruckbauer, stellvertretender Chefvolkswirt der Bank Austria den starken Rückgang des EMI.

Der Abwärtstrend zu Beginn des zweiten Quartals zeigt sich auf breiter Basis. Alle Teilindizes tendieren nach unten, wobei die Entwicklung der Neugeschäftseingänge besonders negativ hervorsticht. Der Index für die gesamten Auftragseingänge ist auf 47,4 zurückgegangen und liegt damit auf dem tiefsten Wert seit mehr als sechs Jahren. Während nur wenige Unternehmen Neukunden gewinnen konnten, schwächt sich auf breiter Front insbesondere die Nachfrage in den ausländischen Schlüsselmärkten ab. Auch der Verlust von Kunden an kostengünstigere Wettbewerber unter anderem aus China schlug sich negativ zu Buche. "Der deutliche Einbruch im Neugeschäft belastet die weiteren Aussichten und zeigt, dass sich die österreichische, exportabhängige Industrie voraussichtlich längere Zeit in stillerem Fahrwasser bewegen wird", meint Bruckbauer.

Die Abschwächung der Neugeschäftseingänge macht sich auch deutlich in den Auftragsbüchern bemerkbar. Der Indexwert für die Auftragsbestände ist im April so stark gesunken, wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Mit 47,4 ist er nicht nur unter der Referenzlinie von 50 sondern auch auf den tiefsten Wert seit der Datenerfassung gefallen. Damit im Einklang steht auch eine verminderte Einkaufstätigkeit, was einen Rückgang der Vormateriallager zur Folge hatte. Die österreichische Industrie baut in diesem Umfeld zwar noch Beschäftigung auf. "Die deutliche Verlangsamung des Beschäftigtenzuwachses ist bereits als Indiz für eine auch hier unmittelbar bevorstehende Trendwende zu werten", meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Der starke Anstieg der Einkaufspreise setzte sich im April ungebrochen fort. So verteuerten sich neben Energie und Metallen insbesondere auch die Transportkosten. Auf diesen hohen Kostendruck reagierten die heimischen Unternehmen teilweise mit einer Anhebung der Verkaufspreise. Allerdings begrenzen der weltweite Preiswettbewerb und der starke Euro die Preismacht, so dass der Anstieg der Verkaufspreise weiterhin geringer als der Anstieg der Einkaufspreise ausfällt. "Für die heimische Industrie ist die aktuelle Kostenentwicklung eine erhebliche Belastung, die sich auf die Gewinnsituation im laufenden Jahr auswirken wird", so Pudschedl.

Eine lange Boomphase der österreichischen Industrie geht ihrem Ende entgegen. Die heimische Sachgütererzeugung hat im April im Vergleich zum Vormonat voraussichtlich bereits stagniert. Die Wachstumsraten im Jahresabstand sind rückläufig, wenn auch noch im positiven Bereich. Unsere Konjunktureinschätzung, dass nach einem starken Jahresbeginn die österreichische Wirtschaft deutliche Ermüdungserscheinungen zeigen wird, bestätigt sich durch den aktuellen Einkaufsmanagerindex. "Wir halten daher an unserer Wachstumsprognose von 1,9 Prozent für das laufende Jahr fest", fasst Bruckbauer zusammen und ergänzt: "Aufgrund der gestiegenen Konjunkturrisiken schwinden die Chancen auf eine sehr rasche Überwindung der erwarteten Konjunkturdelle, so dass auch für 2009 mit einem Anstieg des BIP um lediglich 1,8 Prozent noch ein schwächeres Ergebnis zu erwarten ist." Eine Rezession ist jedoch nicht in Sicht.

Tabellen zur Presseaussendung

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria Creditanstalt gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von NTC Research durchgeführt wird.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
Walter Pudschedl, Tel. 05 05 05 DW 41957
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at