09.12.2008

Branchenbericht der Bank Austria Konzernvolkswirtschaft:
Österreichs Transportwirtschaft bremst sich 2008 ein

  • Folgen des Konjunkturabschwung für Transporteure zusehends spürbar, Investitionen sinken und die Arbeitslosigkeit steigt
  • Prekäre Ertragslage in der Branche wird sich noch verschlechtern
  • Logistikstandort Österreich ist wettbewerbsfähig

Die österreichische Transportwirtschaft bekommt zusehends ebenso wie ihre wichtigsten Nachfrager die Folgen des massiven Konjunktureinbruchs zu spüren. Der Bedarf an Transportleistungen und Logistikdiensten sinkt rapide. Das ist der Sukkus eines aktuellen Branchenberichtes der Bank Austria Konzernvolkswirtschaft. Als Reaktion auf die Nachfrageausfälle sind im 3. Quartal 2008 die Zahl neu zugelassener LKW bereits um 11 Prozent gesunken, im Fuhrgewerbe sogar um 17 Prozent. Darüber hinaus steigt die Zahl der Arbeitslosen in diesem Bereich seit Juli, erstmals seit 2005 wieder. Der Konjunkturabschwung wird die Transportnachfrage zumindest bis in die zweite Jahreshälfte 2009 belasten, ein Rückgang der Transportleistung von wenigstens 5 bis 10 Prozent jährlich 2008 und 2009 ist zu erwarten. Die Transportleistung österreichischer Unternehmen ist schon 2007 um insgesamt 5 Prozent gesunken. Das Umsatzwachstum im Straßengütertransport und bei den Speditionen hat sich mit plus 2 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro deutlich verlangsamt.

Mit der rückläufigen Transportnachfrage sinkt die Auslastung der Frachtkapazitäten und es wächst der Preis- und Ertragsdruck. Davon sind besonders die Anbieter einfacher Transportleistungen betroffen, Leistungsbereiche, wo der Wettbewerb in erster Linie über den Preis ausgetragen wird. Das Segment leidet seit Jahren vor allem unter den Kostennachteilen gegenüber osteuropäischen Konkurrenten. Die Lohnkosten in Ungarn oder Tschechien liegen noch immer um 50 Prozent, in Rumänien bis zu 80 Prozent unter den österreichischen. Mit ein Grund weshalb Österreichs Transportunternehmen im Transit- und im Kabotageverkehr1 seit Jahren Marktanteile verlieren. In den letzen Jahren belasteten aber auch die hohen Dieselpreissteigerungen, die nur zum Teil an die Kunden weitergegeben werden konnten, die Erträge der Transportwirtschaft. So ist der Anteil des Treibstoffpreises am Frachtpreis von durchschnittlich 15 bis 20 Prozent 2005 auf 20 bis 30 Prozent im ersten Halbjahr 2008 gestiegen. „Wahrscheinlich hat sich die prekäre Ertragslage vieler Transportunternehmen noch verschlechtert. Die Umsatzrentabilität von durchschnittlich 1,7 Prozent im Transportgewerbe und 3,2 Prozent bei den Speditionen2 ist selbst in den letzten, vergleichsweise erfolgreichen Wirtschaftsjahren wenig gestiegen“, meint Bank Austria Branchenanalyst Günter Wolf.

Der Wirtschaftsabschwung wird der Transportwirtschaft kurzfristig erhebliche Probleme bereiten. Dennoch sind die Voraussetzungen für ein langfristig zufriedenstellendes Wachstum der Branche in Österreich gegeben. In einem Vergleich der Qualität des Logistikangebots von 150 Ländern belegt Österreich Rang 5 - hinter Singapur, den Niederlanden, Deutschland und Schweden und vor Japan, der Schweiz, Hongkong und Großbritannien. Der Index, von der Weltbank erstellt, basiert auf Unternehmerbefragungen in der Branche, wie sie die Qualität der Logistikumgebung in ihren wichtigsten Märkten beurteilen. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass ein möglichst liberales Handelsregime und eine sehr gute Verkehrs- und Telekominfrastruktur nur ein Faktor für einen gut funktionierenden Logistikstandort ist. „Bemerkenswert ist die sehr gute Platzierung Österreichs auch deshalb, weil die Kosten für lokale Transportleistungen, für das Handling der Waren und für die Lagerhaltung weltweit zu den höchsten zählen“, so Bank Austria Ökonom Wolf, „Demgegenüber stehen die überdurchschnittlich hohe Pünktlichkeit der angebotenen Transport- und Versanddienstleistungen, die leichte Verfügbarkeit von Versandkapazitäten und die hohe Kompetenz der nationalen Logistiker.“


Rückfragen: Bank Austria Pressestelle Österreich
Tiemon Kiesenhofer, Tel. 05 05 05 DW 52819;
E-Mail: tiemon.kiesenhofer@unicreditgroup.at

1) Im Kabotageverkehr beginnt und endet der Transport im Ausland ohne die eigenen Grenzen zu überschreiten.
2) Zum Vergleich liegt die Kennzahl in der Gesamtwirtschaft bei 7 Prozent laut KMU Forschung Austria.

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