13.11.2008

Bank Austria Konjunkturindikator:
Konjunktur im Winterschlaf – Rezession im 1. Halbjahr 2009

  • Bank Austria Konjunkturindikator im Oktober auf Rekordtief
  • Konjunktur verliert massiv an Schwung, BIP-Anstieg 2008 dennoch 1,9 Prozent
  • Exportwirtschaft vor längerer Durststrecke, Konsumnachfrage leidet unter Verschlechterung der Arbeitsmarktlage
  • Österreichische Wirtschaft schrumpft in erster Jahreshälfte 2009, Gesamtjahr 2009 nur 0,1 Prozent Wachstum

Der Bank Austria Konjunkturindikator ist von 1,4 im Vormonat auf den historischen Tiefstwert von nur noch 0,2 Punkte im Oktober gesunken. Die Stimmung in der österreichischen Wirtschaft hat sich damit in den vergangenen Monaten, so rasch wie nie zuvor, gedreht. Im Oktober sind alle im Wert inkludierten Vertrauensindikatoren abermals gefallen. Während sowohl die Industriestimmung in den wichtigsten Handelspartnerländern als auch im heimischen Sachgütersektor auf den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2001 sank, befindet sich das Konsumentenvertrauen in Österreich derzeit überhaupt auf dem geringsten Stand seit mehr als zehn Jahren. „Die aktuellen Stimmungs-indikatoren haben im Lichte der Eskalation der Finanzmarktkrise im Oktober den Konjunktur-indikator unverhältnismäßig stark nach unten getrieben“, meint der stellvertretende Chefökonom der Bank Austria Stefan Bruckbauer und ergänzt, „Die Daten zeigen dennoch deutlich, dass sich die Konjunkturverlangsamung in den nächsten Monaten nicht nur weiter beschleunigen wird, sondern der untere Wendepunkt der Konjunkturdynamik noch vor uns liegt.“

Im dritten Quartal 2008 hielt sich die Wachstumsverlangsamung mit einem geschätzten Plus von 0,2 Prozent zum Vorquartal bzw. 1,9 Prozent zum Vorjahr noch in Grenzen. Im Schlussquartal 2008 zeigt sich die österreichische Wirtschaft von der globalen Konjunkturverlangsamung mittlerweile jedoch voll getroffen und bewegt sich am Rande der Stagnation. „Dank des guten Jahresbeginns wird das Wirtschaftswachstum 2008 dennoch beachtliche 1,9 Prozent betragen“, zeigt sich Bruckbauer zuversichtlich.

Exportsektor unter Druck
Durch die rasant verschlechterten internationalen Rahmenbedingungen werden die Konjunkturerwartungen in den nächsten Monaten noch stärker gedrückt. Der Exportsektor, der bisher die tragende Säule der Wirtschaftsdynamik war, steht vor besonders schwierigen Zeiten. Zwar unterstützen die deutliche Korrektur der Rohstoffpreise sowie des Euro die preisliche Wettbewerbsfähigkeit, doch wird dies durch das Wegbrechen der globalen Nachfrage mehr als kompensiert. Im Gegensatz zu früheren Konjunkturzyklen sind praktisch alle Märkte von den negativen Entwicklungen betroffen. Auch die für Österreich wichtigen osteuropäischen Wachstumsmärkte werden eine deutlich geringere Nachfragedynamik entfalten, weshalb keine allzu schnelle Trendwende bei der Entwicklung der Auslandsnachfrage zu erwarten ist. Die Ökonomen der Bank Austria gehen davon aus, dass die Aussichten für den Exportsektor bis mindestens Mitte 2009 nach unten gerichtet bleiben, worauf auch das rasche Absinken der Auftragsbestände in der Exportindustrie innerhalb der vergangenen Monate hindeutet. „Der österreichischen Exportwirtschaft, dem Konjunkturtreiber der vergangenen Jahre, steht angesichts der globalen Wachstumskorrektur eine längere Durststrecke bevor“, meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Schleppender privater Konsum
Doch auch die Binnenkonjunktur wird in unmittelbarer Zukunft kaum wirtschaftliche Impulse setzen. In Reaktion auf das ungünstige Umfeld beginnen österreichische Unternehmer ihre Investitionspläne bereits zu kürzen. Da viele Unternehmen nach den wirtschaftlichen Erfolgen der Vorjahre einer guten Liquiditätssituation gegenüberstehen, wird der Einbruch in der Investitionstätigkeit jedoch überschaubar ausfallen. Trotz Förderungen der öffentlichen Hand sowie Stützungsmaßnahmen für die Bauwirtschaft werden die Investitionen nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria 2009 um 1,2 Prozent real sinken. Auch der private Konsum kann ungeachtet fiskalischer Aktionen, wie dem Vorziehen von Teilen der Einkommensteuerreform, die negativen internationalen Konjunktureinflüsse nicht vollständig kompensieren und wird weiterhin nur zurückhaltend wachsen. Die Trendwende am Arbeitsmarkt mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit dämpft zudem die Aussichten. Die Ökonomen der Bank Austria erwarten 2009 durchschnittlich rund 20.000 mehr Arbeitssuchende als im laufenden Jahr, sodass die Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent auf 6,4 Prozent 2009 steigen wird. Auch das relativ rasche und nachhaltige Sinken der Inflationsrate unter die 3-Prozent-Marke noch vor dem Jahreswechsel wird angesichts der schlechten Verbraucherstimmung den Konsum kaum beleben, der 2009 um magere 1,3 Prozent zulegen wird. Der eingetrübte Wachstumsausblick im Verbund mit der nachhaltigen Korrektur der Rohstoffpreise hat die Inflationssorgen nunmehr in den Hintergrund gedrängt. Die Teuerung wird von 3,3 Prozent im Jahresdurchschnitt 2008 auf nur noch 2,1 Prozent im nächsten Jahr zurückgehen, meint Pudschedl.

Langsames Erwachen in der zweiten Hälfte 2009
Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria wird in der ersten Jahreshälfte 2009 der Konjunkturtiefpunkt erreicht werden. Dabei ist mit einem leichten Rückgang der Produktionsleistung in den ersten beiden Quartalen zu rechnen, d.h. unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für Österreich ist eine leichte Rezession im ersten Halbjahr 2009 zu erwarten. Durch den bereits begonnenen Lockerungszyklus der EZB, der sich noch weiter fortsetzen wird, sowie der Unterstützung durch öffentliche Konjunkturpakete und letztlich mit der Stabilisierung der Lage auf den Finanzmärkten wird die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder leicht nach oben tendieren. Für das Gesamtjahr 2009 haben die Ökonomen der Bank Austria die Wachstumsprognose auf 0,1 Prozent zurückgenommen und die Risken nach unten sind weiterhin sehr hoch. Erst 2010 wird die österreichische Wirtschaft wieder in etwas besseres Fahrwasser kommen und sich seinem Potenzialwachstum annähern, mit einem Plus von 1,5% jedoch nicht ganz erreichen. „Obwohl Österreichs Wirtschaft in den nächsten beiden Jahren wahrscheinlich so wenig wachsen wird, wie noch nie in zwei Jahren hintereinander seit 1955, ist mit einer tiefen Rezession oder gar Depression nicht zu rechnen“, meint Bruckbauer abschließend.

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Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
Walter Pudschedl, Tel. 05 05 05 DW 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

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