30.07.2008

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Juli:
Österreichs Industrie weiter auf Talfahrt

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Juli auf tiefstem Wert seit 6 Jahren
  • Weniger Aufträge, sinkende Produktion
  • Beschleunigter Beschäftigungsabbau
  • Konjunkturaussichten abermals gesunken – BIP-Anstieg 2009 nur 1,2 Prozent

Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) ist im Juli deutlich gesunken. Mit nur 47 Punkten wurde der tiefste Wert seit mehr als sechs Jahren erreicht. Das Umfrageergebnis geht bereits den vierten Monat in Folge zurück. Seit März liegt der Gesamtindex auch unterhalb der Marke von 50, welche die Wachstumsschwelle kennzeichnet. Das Umfeld der österreichischen Industrieunternehmen hat sich in den vergangenen Monaten kontinuierlich verschlechtert. Das Wachstum in den USA und in Teilen Europas verliert an Schwung und die Belastungen durch die Rohstoffpreisentwicklungen und den schwachen US-Dollar halten an. "Den negativen internationalen Einflussfaktoren kann sich die heimische Industrie nicht entziehen und sie sind mittlerweile sogar zum Bremsklotz der österreichischen Konjunktur geworden", meint Stefan Bruckbauer, stellvertretender Chefvolkswirt der Bank Austria.

Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria stehen der österreichischen Industrie noch härtere Zeiten unmittelbar bevor. Die Produktionsleistung der heimischen Unternehmen ist im Juli deutlich gesunken. Der Index ist auf das tiefste Niveau seit dem Jahreswechsel 2001/2002 gefallen. Auch die Auftragseingänge befinden sich weiterhin im Sinkflug. Trotz einer leichten Stabilisierungstendenz bei den Exportaufträgen setzt sich die Abkühlung der Nachfrage sowohl aus dem Ausland als auch aus dem Inland fort. "Durch die auf breiter Basis verschlechterten Umfrageergebnisse ist keine Trendwende in der Industriedynamik in Aussicht und es ist zu erwarten, dass die österreichische Wirtschaft erst am Rande einer stärkeren Konjunktureintrübung steht, die bis ins nächste Jahr andauern wird", sagt Bruckbauer.

Als deutliches Signal für die fortschreitende Abkühlung der Industriekonjunktur bewerten die Ökonomen der Bank Austria auch die weitere Beschleunigung des Beschäftigungsabbaus im Juli. Während in anderen Wirtschaftssektoren noch neue Arbeitskräfte eingestellt werden, haben die heimischen Industrieunternehmen bereits reagiert und passen die Beschäftigungskapazitäten an die verschlechterten Rahmenbedingungen an. "Der eingesetzte Beschäftigungsabbau in der Industrie macht deutlich, dass auch am Gesamtarbeitsmarkt die Trendwende unmittelbar bevorsteht. Die Arbeitslosenquote wird 2009 wieder steigen", meint Bank Austria Ökonom, Walter Pudschedl.

Auch in der Lagerhaltung und im Wareneinkauf widerspiegelt sich die zunehmende Verunsicherung. Aufgrund der niedrigeren Produktionsanforderungen schränkte die heimische Industrie die Einkaufsmenge im Juli stark ein. Während die Bestände an Vormaterialien nahezu unverändert blieben, haben sich die Bestände an Fertigwaren deutlich reduziert. "Angesichts der ungünstigen Rahmenbedingungen haben es die österreichischen Industrieunternehmen vorgezogen bei der Fertigstellung laufender Aufträge auf die Bestände aus den Fertigwarenlagern zurückzugreifen, ohne diese wieder vollständig aufzufüllen", meint Pudschedl. Ein weiteres Indiz für die Ermüdung der Industriekonjunktur in Österreich zeigt sich darin, dass sich erstmals seit mehreren Jahren die Lieferzeiten im Juli kaum mehr verlängert haben.

Der aktuelle Bank Austria Einkaufsmanagerindex zeigt, dass die Industrie, die noch zu Jahresbeginn für enormen Schwung in der österreichischen Wirtschaft gesorgt hat, mittlerweile keine Wachstumsimpulse mehr setzen kann, sondern im Gegenteil zum Bremsklotz der österreichischen Konjunktur geworden ist. Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria werden die wenig günstigen internationalen Rahmenbedingungen die Konjunktur in den nächsten Monaten noch stärker belasten, sodass in der zweiten Jahreshälfte die österreichische Wirtschaft sich am Rande der Stagnation bewegen wird. Die Vielzahl an bestehenden Risiken dämpft zudem die Hoffnung auf eine allzu rasche Erholung. Weder aus dem Inland noch aus dem Ausland sind Wachstumsimpulse auszumachen. "Nach einem Anstieg des BIP um 2,3 Prozent im laufenden Jahr gehen wir für 2009 daher nur noch von einem Wirtschaftswachstum um 1,2 Prozent aus", meint Bruckbauer und ergänzt: "Zudem sind angesichts der ungünstigen globalen Rahmenbedingungen die Risiken nach unten beträchtlich." Dennoch halten die Ökonomen der Bank Austria eine Rezession der österreichischen Wirtschaft weiterhin für unwahrscheinlich.

charts (PDF; 69 KB)

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
Stefan Bruckbauer, Tel. +43 (0) 50505 - 41951;
E-Mail: Stefan.Bruckbauer@UniCreditGroup.at

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