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08.03.2000

Der Aschermittwoch der Procter & Gamble

  • Gewinnwachstum im laufenden Geschäftsjahr nur halb so groß wie erwartet
  • Für den antizyklischen Einstieg noch etwas früh

Der Kehraus kam dieses Jahr für die Aktionäre der Procter & Gamble etwas verfrüht: der weltgrößte Produzent von Hygieneartikeln warnte am Faschingdienstag die Anleger, dass der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr (zum 30. 6. 2000) nicht wie erwartet um 13%, sondern nur um etwa die Hälfte - nämlich 7% - wachsen werde. Namentlich im laufenden und nächsten Quartal werde der Gewinn gegenüber den Vergleichszeiträumen des Vorjahres zurückgehen. Als Gründe nannte P&G vor allem gestiegene Rohstoffpreise: Zellulose und Rohöl haben zuletzt stark angezogen, beide sind wesentliche Grundstoffe für P&G.

Procter & Gamble: Auswirkungen auf Wall Street-Blue Chips und Nasdaq. Die Reaktion der Wall Street war dementsprechend: die Aktie verlor an einem Tag über 30 % und hat seit ihrem Hoch vom 11. Jänner (117 US$) fast die Hälfte eingebüßt. Der gestrige Schlusskurs lag bei 61 US$. Im Kielwasser von P&G gerieten auch die übrigen US Blue Chips unter die Räder, der Dow verlor 3,7 %. Auch die Nasdaq musste Terrain preisgeben (1,2 %), aber in wesentlich geringerem Ausmaß.

Unklarheiten über Strategie von P&G Zu dem Gemetzel sind nach Meinung des Asset Managements der Bank Austria zwei prinzipielle Überlegungen anzustellen. Die erste ist unternehmensspezifisch. "Der Abstieg der P&G begann bereits im Jänner, als das Unternehmen für die Außenwelt völlig überraschend in den Übernahmekampf um das Pharmaunternehmen Warner Lambert eingriff", analysiert Monika Rosen vom Asset Management Team der Bank Austria. P&G wollte Warner Lambert kaufen und sich dabei auf einen Kampf mit dem Pharma-Riesen Pfizer einlassen, der dasselbe Ziel verfolgte. Die Aktie von P&G wurde innerhalb von wenigen Tagen schwer abgestraft und das Unternehmen zog sein Vorhaben zurück.

"Pharma gehört nicht zu den Kernkompetenzen von P&G, und die Wall Street verstand nicht, warum ein Unternehmen, das gerade ein Restrukturierungskonzept sehr erfolgreich umsetzt und dafür kursmäßig auch belohnt worden war, solch ein Vorhaben ins Auge fasste", so Monika Rosen weiter.

Jetzt scheint das klarer zu sein: offensichtlich hatte P&G schon damals Zweifel bezüglich der zukünftigen Wachstumsraten und hatte versucht, durch eine Übernahme Abhilfe zu schaffen. Rosen: "Diese nicht ganz offene Strategie, die letztlich auch gescheitert ist, wird dem Unternehmen jetzt sicher nicht so schnell verziehen."

Technologiewerte als boomender Gegenpol zu "old economy stocks" Die zweite Überlegung bezieht sich auf den Markt insgesamt. Die Warnung von P&G hat einmal mehr die Verwundbarkeit der traditionellen Blue Chips unterstrichen. Sie sind von negativen Umständen wie steigenden Rohstoffpreisen stärker betroffen als so mancher Technologiewert und werden dementsprechend hart ins Gericht genommen. Der Markt sieht sich offenbar in seiner Romanze mit der Technologie bestätigt und distanziert sich zunehmend von den "old economy stocks". Mittlerweile notieren einige Komponenten des Dow Jones schon bei Mehrjahres-Tiefständen

Monika Rosen: "Was nun den weiteren Ausblick bei P&G betrifft, so würden wir vor verfrühtem Optimismus warnen. Die Wall Street wird sicher einige Zeit brauchen, bis sie wieder Vertrauen in den Wert fasst". Letztlich wird eine Erholung bei P&G auch von einem Stimmungsumschwung am Markt generell abhängen, das heißt Standardwerte müssen insgesamt in der Gunst der Anleger wieder steigen. "Bei einer entsprechenden Bodenbildung kann man ein Engagement in P&G aber sicher wieder ins Auge fassen", so Rosen abschließend.

Konsensuserwartung für Gewinn je Aktie zum 30.6.2000: US$ 3,03 (nach der Warnung!)

Schlusskurs vom 7.3.: US$ 61 KGV: 20,13

Rückfragen: Bank Austria Asset Management
Monika Rosen, 33147 DW 5403