05.05.2000

Bank Austria: Konjunktur in Osteuropa gewinnt rasant an Fahrt

  • Wirtschaftsboom in den Reformstaaten: 4,3% durchschnittliches Wachstum in 2000
  • Polen und Ungarn sind die Wachstumsspitzenreiter mit 5,5% bzw. 4,7%
  • Arbeitslosigkeit bleibt dennoch hoch

Die wirtschaftlichen Aussichten für die Reformländer Osteuropas waren noch nie so gut. Im Sog der guten Konjunktur in der EU beginnt die Wirtschaft in Osteuropa regelrecht zu boomen. Hohe Leistungsbilanzdefizite stellen das Haar in der Suppe dar. Das ist der Grundtenor, der von den Ökonomen der Bank Austria im neuen CEE-Report vertreten wird.

Entsprechend dem steigenden Interesse an den wirtschaftlichen Entwicklungen in Osteuropa erscheint diese Publikation, die umfassende Konjunkturberichte ausgewählter Transformationsländer enthält, nunmehr vierteljährlich.

Nach Ansicht der Experten der Bank Austria wird die gute Konjunktur in der Europäischen Union die wirtschaftliche Dynamik in Osteuropa in den nächsten beiden Jahren deutlich beleben. Für die Ländergruppe der MOEL-5 (Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn) erwartet die Bank Austria im heurigen Jahr ein durchschnittliches Wachstum um 4,3%, das sich 2001 sogar noch auf fast 5% beschleunigen wird. Wachstumsspitzenreiter werden auch weiterhin Polen mit 5,5% und Ungarn mit 4,7% sein.

Selbst die südosteuropäischen Länder (Kroatien, Bulgarien, Rumänien), die mit Strukturproblemen und den Folgen der Kosovo-Krise kämpfen, werden durch das positive internationale Umfeld ein durchschnittliches Wachstum von 1,8% (2000) und fast 3% im Jahr 2001 erreichen. Und auch die Lage in Rußland hat sich vorläufig stabilisiert und läßt einen Anstieg der Wirtschaftsleistung erwarten.

Arbeitslosigkeit bleibt mit 10 – 20% allerdings hoch

Die verbesserten Konjunkturaussichten finden vorerst jedoch kaum einen positiven Niederschlag in den Arbeitslosenquoten, weil als Folge des raschen Strukturwandels mit weit stärker steigenden Produktivitätsgewinnen (Output pro Mitarbeiter) zu rechnen ist.

In den Reformländern scheint sich eine Arbeitslosenquote von knapp über 10% als Norm zu etablieren. Ausnahmen von der Norm sind einerseits Ungarn, das durch die Schaffung neuer Industrien einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote auf unter 9% im Jahr 2001 erwarten kann. Auf der anderen Seite wird in Bulgarien, Slowakei und Kroatien der intensivierte Umstrukturierungsprozess die Arbeitslosenquote auf bis zu 20% anheben.

Auch die Situation am Arbeitsmarkt in Rußland wird sich angesichts der weiterhin ungelösten Strukturprobleme noch verschärfen.

Preisliberalisierung und Rohöl beeinflussen Inflation

Die Unterschiede zwischen den Inflationsraten der einzelnen Länder werden sich verringern, meinen die Ökonomen der Bank Austria. Während die Länder mit hohen zweistelligen Werten einen zum Teil deutlichen Rückgang erwarten können (z.B. Rußland, Rumänien), wird es unter anderem aufgrund der Anhebung administrierter Preise in vielen Ländern, die in der Vergangenheit sehr günstige Inflationsdaten ausgewiesen haben, zu einem neuerlichen Anstieg der Inflationsrate kommen (z.B. Slowakei, Tschechien, Bulgarien). In Ungarn kann heuer eine weitere Reduktion erwartet werden und in Polen und Slowenien wird der Preisanstieg nur knapp über dem Niveau des Vorjahres liegen.

Achillesferse Leistungsbilanzdefizit

Trotz positiver internationaler Einflüsse durch die Konjunkturbelebung in der EU und dem Ende der Kosovo-Krise wird in den meisten Reformländern der Fehlbetrag in der Leistungsbilanz über oder um der kritischen Grenze von 5% des BIP liegen. Im akzeptablen Bereich wird die Leistungsbilanzlücke nach den vorjährigen Maßnahmenpaketen in der Slowakei und Tschechien sowie weiterhin in Slowenien liegen. Die Leistungsbilanz Rußlands wird auch künftig einen hohen Überschuß erzielen. Sie profitiert vom gestiegenen Rohölpreis.

Wachstum in Osteuropa: Ranking nach BIP (real) 2000 in %

 1. Polen  5,5 %
 2. Ungarn  4,7 %
 3. Slowenien  4,0 %
 4. Bulgarien  3,0 %
 5. Kroatien  2,0 %
 6. Slowakei  1,5 %
 7. Tschechien  1,3 %
 8. Russland  1,2 %
9. Rumänien 1,0 %
10. Ukraine 0,5 %
MOEL-5 4,3 %
Südost-Europa 1,7 %
Total 2,8 %

Rückfragen: Bank Austria Public Relations

Karl Mauk, Tel. 71707-51373, Karl.Mauk@bankaustria.com