15.02.2000

Euroland: Wirtschaftsentwicklung gewinnt an Dynamik

  • Bank Austria prognostiziert Wirtschaftswachstum von über 3 %
  • Inflation bleibt mit durchschnittlich 1,7 % weiter niedrig
  • Zinserhöhungen seitens der EZB werden erwartet

Der Konjunkturaufschwung in Euroland gewinnt in diesem Jahr deutlich an Dynamik. Bank Austria Ökonomen prognostizieren ein reales Wirtschaftswachstum von über 3% in diesem Jahr.

Stabile Inlandsnachfrage und gesteigerte Dynamik des Außenhandels
Die Anzeichen eines Konjunkturaufschwunges haben sich in Euroland im zweiten Halbjahr 1999 weiter verstärkt. Eine rege Konsumnachfrage und insbesondere eine lebhaftere Auslandsnachfrage haben in der zweiten Hälfte 1999 zu deutlichen Produktionssteigerungen geführt. Die positive Konsumentenstimmung, eine rückläufige Arbeitslosenquote und steigende Orders beim Export haben das Geschäftsklima deutlich verbessert. Somit ist die Abschwächung des Wirtschaftswachstums im Vorjahr (+2,1%) primär auf das erste Halbjahr des abgelaufenen Jahres zurückzuführen.

Für das Jahr 2000 erwarten die Volkswirte der Bank Austria, dass der Konjunkturaufschwung in Euroland weiter an Kraft und Breite gewinnt, was vorwiegend einer stärkeren Dynamik der Auslandsnachfrage zu verdanken sein wird. Die generelle Verbesserung des Geschäftsklimas wird sich auf Investitionsentscheidungen der Unternehmen positiv auswirken, womit auch diese Nachfragekomponente im Jahr 2000 an Dynamik gewinnen wird (Investitionen: +5,5%).
Aufgrund dieser günstigen Bedingungen ist ein reales Wirtschaftswachstum von 3,2% ein mehr als realistischer Wert, gleichzeitig wird die Inflationsrate, trotz höherer Ölpreise, mit durchschnittlich 1,7% relativ moderat sein.

Deutschland, Italien holen auf; Frankreich hat innerhalb der "Großen" aber weiterhin die Nase vorn
Die Wachstumsunterschied zwischen den Euro-Staaten werden sich in diesem Jahr zurückbilden.
In Deutschland hat der Konjunkturaufschwung lange Zeit auf sich warten lassen, jüngste Wirtschaftsdaten sind jedoch ermutigend. Insbesondere der Außenhandel konnte in den letzten Monaten deutliche Aufwärtstendenzen verzeichnen. Angekündigte steuerliche Reformmaßnahmen und der erwartete Rückgang der Arbeitslosenquote werden die Entwicklung der Inlandsnachfrage zusätzlich stützen, so dass sich das reale Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr auf 3% beschleunigen wird. Der Konjunkturaufschwung in Frankreich setzte im Gegensatz zu Deutschland nicht nur früher ein sondern befindet sich bereits auf einer wesentlich breiteren Basis. Die Konsequenz daraus ist ein prognostiziertes Wirtschaftswachstum von 3,3% in diesem Jahr. In Italien ist, nach einer mäßigen wirtschaftlichen Entwicklung im Vorjahr (reales BIP-Wachstum: +1,3%), für dieses Jahr eine Beschleunigung des realen Wirtschaftswachstums auf 2½% zu erwarten. Spitzenreiter bezüglich Wirtschaftswachstum innerhalb des Eurolandes bleibt weiterhin Irland mit einer Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts um 7½%. Doch auch Finnland, Spanien, Portugal und die Niederlande werden in diesem Jahr ein reales Wirtschaftswachstum von teils deutlich über 3% verzeichnen.

Weitere Zinserhöhungsmaßnahmen seitens der EZB zu erwarten
Vor den Hintergrund eines kräftigeren Konjunkturverlaufs ist nach Meinung der Bank Austria für dieses Jahr mit weiteren Zinserhöhungsmaßnahmen seitens der EZB zu rechnen. Mit der deutlichen Beschleunigung des Wirtschaftswachstums wird auch das seit Jahren bestehende negative Wachstumsdifferential gegenüber den USA verringert. Als Konsequenz ist im Laufe dieses Jahres ein festerer Außenwert des Euros gegenüber dem US$ zu erwarten.

Rückfragen: Bank Austria Public Relations
Karl Mauk, Tel. 711 91 DW 51373