20.12.2000

News aus dem Asset Management der Bank Austria: Blick zurück im Zorn – ein schwieriges Aktienjahr geht zu Ende!

Fed sieht Rezessionsgefahr und neigt zu "Senken"
Technologiewerte kommen nicht zur Ruhe
Anleger zeigen sich stark risikoavers
Fed-Zinssenkung für Jänner erwartet

Das heurige Jahr erscheint für Aktienanleger ein besonders bitteres zu werden. Nach den starken Anstiegen der letzten Jahre werden die meisten Indizes heuer wohl negativ abschließen.

Und auch die amerikanische Notenbank verbreitete bei ihrer gestrigen Sitzung keine Weihnachtsstimmung. In einer überraschenden Kehrtwende gegenüber ihrer bisheriges Rhetorik wies die Fed nicht mehr auf potenzielle Inflationsrisiken hin, sondern sprach erstmals von der Gefahr, dass sich die amerikanische Wirtschaft zu stark abkühlen und in eine Rezession schlittern könnte:

Die gestiegenen Energiekosten, das nachlassende Verbrauchervertrauen und die enttäuschenden Unternehmensergebnisse wurden von der Notenbank als Indikatoren dafür gewertet, dass sich das Wachstum möglicherweise zu stark abkühlt.

Gleichzeitig sagte die Fed, ihre Tendenz sei jetzt nicht mehr auf "anheben", sondern auf "senken" gerichtet. Die Zinsen selbst blieben aber unangetastet.

Der Markt erwartet jetzt bei der nächsten Fed-Sitzung am 31. Jänner eine Zinssenkung um 25 Basispunkte, und dann eine weitere im Frühling. Aber solche Zinsschritte brauchen lange, bis sie auf die Wirtschaft durchschlagen, und in der Zwischenzeit hat der Markt genügend Zeit, sich weiter Sorgen zu machen.

Kein Weihnachtsfriede für Aktienmärkte

Die Aktienmärkte goutierten diese Aussagen natürlich nicht – eine Zinssenkung wird zwar allgemein begrüßt, dass die Fed aber Angst vor einer Rezession äußert, hilft in der augenblicklich angespannten Lage nicht wirklich. Speziell die Technologiewerte kommen in den Strudel der Ereignisse nicht zur Ruhe. "Die Nasdaq befindet sich mittlerweile 50 % unter ihrem Hoch vom März und 38 % unter dem Stand vom Jahresanfang – und ist damit auf Kurs zu ihrer schlechtesten Jahresperformance aller Zeiten. Dazu kommt, dass so kurz vor Jahresende kaum noch jemand bereit ist, große Wetten einzugehen – sprich, man wird sich im Zweifel eher glattstellen anstatt neue Positionen einzugehen", analysiert Monika Rosen vom Asset Management der Bank Austria.

Sie relativiert aber gleichzeitig: "Man darf aber nicht vergessen, dass das bittere Jahr der Nasdaq auf ein absolutes Rekordjahr folgt. Der Dow ist da mit einem Jahresverlust von derzeit 8% schon wesentlich moderater – auch das ein Hinweis auf die stark divergente Performance der Aktienmärkte im heurigen Jahr. Man kann eigentlich nicht von einer Verkaufswelle querbeet sprechen, sondern vielmehr von der Ernüchterung bei Technologiewerten. Demgegenüber hat sich die sogenannte "old economy" noch tapfer geschlagen."

Risikoaversion bringt Aufwind für "defensive Segmente"

Um die (voraussichtliche) Performance des heuriges Jahres etwas einzuordnen, sei kurz daran erinnert, dass sowohl der Dow als auch die Nasdaq (old und new economy) in den Jahren 1995 bis 1999 deutlich zweistellige Zuwachsraten ablieferten. Mit einer Ausnahme (Dow im Jahr 1998) lagen die Performancewerte bei jeweils über 20%. Von den mehr als 80 % der Nasdaq im Vorjahr gar nicht zu reden. So schmerzlich das heurige Jahr also ist, es stellt einen Rücksetzer in einer sehr erfolgreichen Serie dar.

Außerdem muss man festhalten, dass nach der großen Euphorie des letzten Winters derzeit Angst unter den Anlegern herrscht. Die Risikoaversion hat heuer deutlich zugenommen und teilweise das Niveau vom Herbst 1998 erreicht oder sogar überschritten. Beispiele dafür sind die Ausweitung der Spreads von Unternehmens- zu Staatsanleihen (sprich auch Unternehmen bester Bonität müssen immer höhere Zinsen zahlen) oder die schwindenden Geldzuflüsse in US-Aktienfonds. Die Anleger sind sehr defensiv geworden, was ja auch ein Blick auf die Performancelisten zeigt. Nicht alle Sektoren sind gefallen – defensive Segmente wie Pharma, Versorger und Nahrungsmittel gehören zu den Gewinnern, und zwar weltweit. Diese Branchen mit relativ stabilen Wachstumsraten und geringer Rezessionsanfälligkeit haben zwar den Aufschwung nicht so stark mitgemacht, konnten im Abschwung ihre Stärken aber voll ausspielen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass man nicht von einem universell schlechten Aktienjahr sprechen kann.

Die grassierenden Wachstumssorgen, die den Technologiewerten zuletzt so zu schaffen gemacht haben, finden nun auch ihren Niederschlag in den Gewinnerwartungen für das 4. Quartal. Man erwartet für den S&P 500 nur mehr eine Steigerungsrate von weniger als 8%. Viele Fondsmanager sind mittlerweile der Meinung, dass der Markt damit nach unten übertreibt. Laut einer Umfrage von Merrill Lynch sehen erstmals seit Jahresbeginn die Mehrzahl der US-Fondsmanager ihren eigenen Markt als unterbewertet an.

Vor allem das Tech-Segment ist von der schlechten Stimmung voll getroffen. Das spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass am amerikanischen Aktienmarkt für Wachstum im Nicht-Tech-Segment mittlerweile mehr gezahlt wird als für Tech-Wachstum. So etwas wäre vor einem Jahr schlicht undenkbar gewesen.

Aktien-Investments langfristig erfolgreich

"Wir bleiben also trotz aller schlechten Nachrichten bei unserem Bekenntnis zu Aktien, wenngleich wir einräumen, dass uns die Korrektur sowohl in ihrer Dauer als auch in ihrem Ausmaß negativ überrascht hat. Man darf aber nicht vergessen, dass auch in der Vergangenheit der Mut zum antizyklischen Einstieg langfristig belohnt wurde, weshalb wir unser grundsätzliches Bekenntnis zu Aktien bekräftigen. Im Moment braucht der Aktienmarkt dringend einen Anlass zum Stimmungsumschwung oder zumindest eine Phase der Beruhigung", so umreißt Monika Rosen den Standpunkt der AMG.

"Eine Beruhigung könnte mit der ersten Zinssenkung durch die US Notenbank möglicherweise eingeleitet werden. Branchenmäßig sind wir, obwohl Tech-Werte derzeit absolut out sind, aber weiterhin der Meinung, dass bei einem Stimmungsumschwung nicht unbedingt die Favoriten des heurigen Jahres (sprich die Defensiv-Werte) weiterhin die Gewinner sein werden, sondern dass es mittelfristig wieder zu einem Favoritenwechsel in Richtung Technologie kommen sollte", so Rosen abschließend.

Rückfragen: Bank Austria Asset Management

Monika Rosen, Tel. 33 147 DW 5404