18.02.2000

USA: Weiter auf Wachstumskurs

  • Bank Austria prognostiziert Wachstum von über 3 %
  • Leistungsbilanzdefizit wird sich verstärken
  • Zinsen werden weiter steigen

Die USA wiesen in den letzten vier Jahren ein durchschnittliches jährliches reales Wirtschaftswachstum von über 4% auf und dies ohne nennenswerte inflationären Tendenzen. Für heuer gehen die Ökonomen der Bank Austria von einer Fortsetzung der "Neuen Ära" aus, also einem hohen realen Wirtschaftswachstum verbunden mit einer nur mäßigen Beschleunigung der Preisentwicklung. Sie prognostizieren ein Wachstum von 3½%.

Das reale Wirtschaftswachstum hat sich in der zweiten Jahreshälfte 1999 beschleunigt. Das reale Bruttoinlandsprodukt nahm im vierten Quartal um 5,8% (auf das Jahr hochgerechnete Wachstumsrate) zu. Einmal mehr ausschlaggebend für die günstige gesamtwirtschaftliche Entwicklung war die positive Entwicklung des privaten Konsums mit einer realen Steigerung um 5,3%. Der Beitrag des Außenhandels zum Wirtschaftswachstum war hingegen wieder negativ.

Auch im Jahr 2000 wird die Inlandsnachfrage und hier vor allem der private Konsum der Wachstumsmotor der amerikanischen Wirtschaft bleiben, obwohl steigende Zinsen und nicht mehr ganz so starke Zuwächse am Aktienmarkt für eine leichte Abkühlung der Inlandsnachfrage sorgen werden.

Leistungsbilanzdefizit erreicht Rekordhöhe
Die starke Inlandsnachfrage bewirkt ein massives Ansteigen der Importe. So konnte auch die jüngst verzeichnete Belebung der Exporte eine deutliche Ausweitung des Handelsbilanzdefizits auf 350 Mrd. US$ nicht verhindern. Dies spiegelt sich in einer Erhöhung des Leistungsbilanzdefizits auf über 3½% des Bruttoinlandsprodukts wider. Für dieses Jahr rechnet die Bank Austria Volkswirtschaft mit einem weiteren Anstieg des Leistungsbilanzdefizits auf 380 Mrd. USD oder rund 4% des BIP.


Tiefster Stand der Arbeitslosenquote seit 30 Jahren, hohe Produktivitätssteigerungen
Im Gegensatz zu Europa konnten die USA in den letzten Jahren deutliche Erfolge am Arbeitsmarkt verzeichnen. Die Arbeitslosenquote verringerte sich seit Beginn der neunziger Jahre um über 3 Prozentpunkte auf nur noch 4,2% im Vorjahr, womit tiefste Stand seit dreißig Jahren erreicht wurde. Trotz der Anspannung am Arbeitsmarkt sind inflationäre Tendenzen kaum zu registrieren. Aufgrund deutlicher Produktivitätszuwächse werden die Lohnsteigerungen nur zum Teil auf die Preise übergewälzt. Da die Arbeitslosenquote allerdings jetzt schon unter jenem Wert liegt, der noch mit einer stabilen Preisentwicklung vereinbart werden kann, ist mittelfristig mit einem stärkeren Druck auf die Preise zu rechnen. Der deutliche Anstieg der Erdölpreise und die Verteuerung anderer Rohstoffe bewirkten in den letzten Monaten einen Anstieg der Inflationsrate auf über 2½%. Diese Effekte werden im Laufe dieses Jahres abklingen. Die anhaltende Anspannung am Arbeitsmarkt und die hohe Inlandsnachfrage lassen die Inflationsrate in etwa auf dem derzeitigen Niveau verharren (+2,7%).

Weitere Zinsschritte der Notenbank bergen Wachstumsrisiken in sich
Sollte sich die Notenbank gezwungen sehen, einer möglichen Überhitzung der Konjunktur mit deutlichen Zinssatzerhöhungen zu begegnen, wird ein "soft-landing" der amerikanischen Wirtschaft nur schwer möglich sein. Deutliche Zinserhöhungsmaßnahmen könnten zu Bewegungen auf dem Aktienmarkt führen, die wiederum die Konsumentenstimmung negativ beeinflussen würden. Eine markante Abschwächung der privaten Konsumausgaben könnte dann dazu führen, dass das reale Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr deutlich geringer ausfallen wird als in diesem Jahr.


Rückfragen: Bank Austria Public Relations
Karl Mauk, Tel. 711 91 DW 51373