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31.08.2000

CEE: Blauer Konjunkturhimmel mit Wolken

Die Bank Austria-Ökonomen zeichnen in der neuesten Ausgabe des "CEE-Report", einer vierteljährliche Publikation über die Konjunktur in den osteuropäischen Länder,

ein relativ positives Bild für Osteuropa für 2000/2001: "Ein blauer Konjunkturhimmel mit einigen Gewitterwolken", wie es Mag. Marianne Kager, Chefökonomin der Bank Austria, definiert.

 

  • Konjunktur:

Erstmals seit dem Beginn der Transformation 1990 werden alle 13 analysierten Staaten im Jahr 2000 eine positive, reale Wachstumsrate des BIP aufweisen.

Die Region Ost-Mitteleuropa - also die fortgeschrittenen Transformationsländer - wird heuer und kommendes Jahr eine Wachstumsrate von nahe 5 % erzielen. Wachstumsspitzenreiter sind dabei eindeutig Polen und Ungarn, die Steigerungsraten zwischen 5,5 % und 6 % erreichen werden. Südosteuropa und das Baltikum bewegen sich wieder auf einen aufsteigenden Wachstumspfad zu. Hier dürften die Reformen der letzten Jahre nun doch gegriffen haben.

"Eine Kategorie für sich," - so Mag. Marianne Kager – "sind Russland und die Ukraine." Letztere wird erstmals seit Beginn der Transformation eine positive Wachstumsrate des BIP erzielen.

 

  • Inflation:

Eine Beschleunigung der Inflation in der zweiten Hälfte des Jahres in Zentral-Osteuropa ist aufgrund der hohen Ölpreise und der Wechselkursbindung zum Euro nicht auszuschließen. "Es ist also durchaus möglich, dass wir statt der aufgrund der ersten sechs Monate prognostizierten 8,5 % für die MOEL, 9 % oder 9,5 % Inflation erreichen werden", meint Mag. Marianne Kager.

"Die Wirtschaftspolitik dieser Länder wird daher gefordert sein, die externen Preiseffekte nicht über höhere Transferleistungen und Lohnerhöhungen dauerhaft in den Wirtschaftskreislauf einfließen zu lassen", ist Bank Austria-Ökonom Mag. Stefan Bruckbauer überzeugt.

 

  • Leistungsbilanz:

Die wirkliche Achillesferse der osteuropäischen Volkswirtschaften stellen die Leistungsbilanzdefizite dar. Die einzelnen Regionen Zentraleuropas, Südosteuropas und des Baltikums weisen alle beachtliche Defizite aus, und zwar zwischen knapp 5 % und über 8 %. 2001 wird sich nach der Prognose der Bank Austria Ökonomen die Situation nicht wesentlich verbessern. Innerhalb dieser Länder die geringsten Defizite haben noch Tschechien und die Slowakei. Mit einer Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in diesen beiden Staaten dürften sich aber die strukturellen außenwirtschaftlichen Defizite wieder erhöhen. Hohe Überschüsse (14,5% 2000 und 11% 2001) hat hingegen Russland, das einerseits vom hohen Erdöl- und Erdgaspreis profitiert und wo andererseits aufgrund der drastischen Abwertung 1998/99 die Importe zusammengebrochen sind.

 

  • Direktinvestitionen:

Obwohl die ausländischen Direktinvestitionen 2000 erstmals ca. 20 Mrd. USD erreichen werden, reichen diese nur in wenigen Ländern aus, um die Devisenabflüsse aufgrund der Leistungsbilanzdefizite zu kompensieren. Dies ist nur in Tschechien und Bulgarien in nennenswerten Umfang der Fall. Dabei führt in Tschechien das Zusammenwirken von zwei Faktoren, nämlich ein geringes Wachstum, das die Importe bremst, und extrem hohe Privatisierungserlöse zu diesen hohen Nettokapitalimporten (Saldo aus Leistungsbilanzdefizit und FDI´s: + 7,1 % des BIP!!).

Analysiert man die Leistungsbilanzdefizite in den zentraleuropäischen Staaten, so ist die Schlussfolgerung angebracht, dass diese zunehmend aufgrund sinkender Konkurrenzfähigkeit entstehen. Die Lohnstückkosten sind - mit Ausnahme von Ungarn - in allen Ländern, insbesondere aber in Tschechien (+47 %) und Polen (+40 %), in den ersten 5 Jahren stark angestiegen. "Dies einerseits, weil die Produktivitätsgewinne durch Reallohnsteigerungen überkompensiert wurden und andererseits weil alle diese Währungen real aufgewertet haben", betont Mag. Marianne Kager von der Bank Austria. "Gerade Tschechien, mit seinen bisher relativ geringen Produktivitätsgewinnen und starken Reallohnsteigerungen, läuft Gefahr, bei einem Anziehen der Konjunktur und einem - nach der großen Privatisierungswelle - Nachlassen der FDI´s in dieselbe Problematik zu kommen wie Polen".

"Einzig Ungarn" so Mag. Stefan Bruckbauer, "hat die Produktivitätsgewinne in sinkende Lohnstückkosten umsetzen können, indem es die Reallöhne nur moderat erhöhte und den realen Wechselkurs mehr oder weniger konstant ließ".

In Summe sehen die Bank Austria Ökonomen die Entwicklung in Osteuropa 2000/2001 positiv, wenn auch das außenwirtschaftliche Ungleichgewicht insbesondere in Polen Anlass zur Sorge gibt.

Die Transformationsphase steht zumindest in den fünf fortgeschrittenen Ländern, gemessen an den Kriterien wie Wirtschaftsstruktur, Anteil des privaten Sektors, Preisliberalisierung und Kapitalmärkte, vor einem Abschluss.

 

Rückfragen: Public Relations

Margit Schmid-Weihs, 711 91, 52371

margit.schmid-weihs@bankaustria.com