08.06.2000

Außenhandel mit Dienstleistungen:
Ein Vergleich Osteuropa - EU - Österreich

  • Erstmals Studie über Struktur des Dienstleistungs-Außenhandels in Osteuropa
  • Dienstleistungs-Außenhandelsvolumen in MOE-Ländern mit Westen vergleichbar
  • Österr. Dienstleistungs-Handel mit MOE-Ländern: 20 Mrd. Schilling Überschuss

Die von der Bank Austria beim WIIW in Auftrag gegebene Studie "Trade in Services in CEE Countries Comparative Analysis with Austria and the EU" analysiert erstmals detailliert die Struktur des Dienstleistungs-Außenhandels in Osteuropa und vergleicht sie mit der Dienstleistungs-Handelsstruktur in der EU und Österreich. Die Struktur des Warenhandels wird traditionell ständig beobachtet und im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit analysiert, während der Dienstleistungs-Außenhandel meist nur als Gesamtaggregat behandelt wird.

Bedeutung der Dienstleistung im Außenhandel oft unterschätzt

"Dienstleistungen galten lange Zeit überwiegend als "non tradable goods". Das hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Nicht nur der Fremdenverkehr hat weltweit an Bedeutung gewonnen, sondern auch die unternehmensnahen Dienstleistungen. Die Bedeutung des Dienstleistungs-Außenhandels wird daher immer noch gerne unterschätzt", erläuterte Marianne Kager, Chefökonomin der Bank Austria.

Dienstleistungsexporte und -importe betragen in Österreich zum Beispiel 14,9 % bzw. 13,7 % des Bruttoinlandsprodukts, und selbst wenn man den Fremdenverkehr weglässt, noch nahezu 10,0 % des Bruttoinlandsprodukts. In großen Industriestaaten liegen die Vergleichswerte zwischen 4 % und 6 %.

Der Dienstleistungs-Außenhandel entspricht in den Industriestaaten in etwa 1/4 bis 1/3 des Warenhandels.

Dienstleistungs-Außenhandelsvolumen in MOE-Ländern mit Westen vergleichbar

Die relative Größe des Dienstleistungs-Außenhandels dieser Länder ist durchaus mit jener in westlichen Industriestaaten vergleichbar (siehe Tabelle).

Dienstleistungs-Exporte zwischen 6 % (Polen) und 13 % (Tschechien) des Brutto-inlandsproduktes und Importe zwischen 11% (Slowakei) und 4 % (Polen) des Bruttoinlandsproduktes machen eine detaillierte Strukturanalyse geradezu notwendig.

"Um so erfreulicher ist es, dass nun erstmals eine solche umfangreiche Strukturstudie, die die Wettbewerbsvor- und nachteile im Außenhandel mit Dienstleistungen analysiert, vorliegt," betonte Kager.

Österreichs Dienstleistungs-Handel mit den MOE-Ländern

Österreich hat mit den 5 MOE-Staaten in den letzten fünf Jahren einen Überschuss in Waren und Dienstleistungs-Handel von ca. 140 Mrd. Schilling erwirtschaftet. Mehr als 20 Mrd. Schilling entfielen dabei auf den Überschuss im Dienstleistungs-Außenhandel.

Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre war der Anteil der 5 MOE-Länder am Gesamtexport Österreichs 11,7 %, jener der Importe 7,5 %. Von österreichischen Dienstleistungs-Exporten entfielen 7,7 % auf die Ost- und Mitteleuropäischen Staaten, bei den Importen ca. 7,3 %.

Was die Struktur des Dienstleistungs-Außenhandels betrifft, so sind alle MOE-Länder Nettoexporteure von Transportleistungen und Tourismusdienstleistungen und Nettoimporteure bei den unternehmensnahen sonstigen Dienstleistungen.

Der Tourismusanteil der Dienstleistungs-Exporte ist in Ungarn, Tschechien und Slowenien durchaus mit jenen in Österreich vergleichbar, die erzielten Überschüsse, das heißt die Nettopositionen, sind jedoch in diesen Ländern im Vergleich zu Österreich ein Vielfaches (2,7 % bis 3,3 % des BIP, verglichen mit 0,9 % in Österreich).


Dienstleistungen und Warenhandel in % des BIP


Dienstleistungen und Warenhandel in % des BIP

1998

Dienstleistungen (DL)

Warenhandel

DL in % des Warenhandels

Exporte

Importe

Exporte

Importe

Exporte

Importe

Polen

6,3

4,1

21,5

28,4

29,3%

14,4%

Slowakei

11,3

11,2

52,6

64,2

21,5%

17,4%

Slowenien

10,5

7,9

46,6

50,6

22,5%

15,6%

Tschechien

13,2

9,8

46,8

51,5

28,2%

19,0%

Ungarn

10,3

8,9

43,7

48,2

23,6%

18,5%

1999

Dienstleistungen (DL)

Warenhandel

DL in % des Warenhandels

Exporte

Importe

Exporte

Importe

Exporte

Importe

Österreich

14,9

13,7

30,6

32,3

48,7%

42,4%

Deutschland

3,7

5,8

25,1

21,6

14,7%

26,9%

Finnland

5,2

6,0

32,8

23,7

15,9%

25,3%

Frankreich

5,7

4,3

20,5

18,9

27,8%

22,8%

Italien

5,2

5,0

19,8

18,0

26,3%

27,8%

Niederlande

14,6

12,8

44,2

40,0

33,0%

32,0%

USA

3,2

2,3

8,0

12,0

40,0%

19,2%

Anteil des Außenhandels in % des BIP

Österreich

Polen

Slowakei

Slowenien

Tschechien

Ungarn

1999

1998

1998

1998

1998

1998

Warenexporte

30,6

20,6

52,6

46,6

46,8

43,7

Warenimporte

32,3

28,7

64,2

50,6

51,5

48,2

Saldo

-1,7

-8,1

-11,6

-4,0

-4,7

-4,5

Dienstleistungsexporte

14,9

6,9

11,3

10,5

13,2

10,3

Dienstleistungsimporte

13,7

4,3

11,2

7,9

9,8

8,9

Saldo

1,2

2,6

0,1

2,6

3,4

1,4

Transport (Export)

2,1

1,8

3,8

2,8

2,4

1,4

Transport (Import)

1,4

1,1

2,2

2,1

1,1

1,0

Saldo

0,7

0,7

1,6

0,7

1,3

0,4

Reiseverkehr (Export)

5,3

2,7

2,4

5,7

6,7

5,3

Reiseverkehr (Import)

4,4

0,5

2,3

2,9

3,3

2,5

Saldo

0,9

2,2

0,1

2,8

3,3

2,7

Sonstige DL (Export)

4,2

2,4

5,1

2,0

4,1

3,7

Sonstige DL (Import)

3,5

2,7

6,7

2,8

5,4

5,4

Saldo

0,7

-0,3

-1,6

-0,8

-1,3

-1,7

davon:

Finanzdienstleistungen (Exp.)

0,5

n.a.

0,3

0,0

0,4

0,3

Finanzdienstleistungen (Imp.)

0,4

n.a.

0,3

0,1

0,5

0,6

Saldo

0,1

n.a.

-0,1

-0,1

-0,1

-0,2

Sonst. unternehmensbezogene DL (Exp.)

2,4

n.a.

3,5

1,1

2,1

2,5

Sonst. unternehmensbezogene DL (Imp.)

1,7

n.a.

4,6

1,7

3,1

3,5

Saldo

0,7

n.a.

-1,1

-0,6

-0,9

-1,0

 Rückfragen: Bank Austria Public Relations

Margit Schmid-Weihs, Tel. 71191 DW 52371; margit.schmid-weihs@bankaustria.com

Studienbestellungen (kostenfrei): Tel. 711 91 DW 56148 (Tonband)