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31.08.2000

Zusammenfassung Bank Austria-CEE-Report 2/2000
Osteuropa - Prognose 2000/2001
Wachstum mit Achillesferse

  • Erstmals Anstieg des BIP in allen CEE-Ländern
  • Außenwirtschaftliche Ungleichgewichte - Achillesferse der Transformationswirtschaft
  • Produktivitätssteigerung als Schlüssel zum Erfolg
  • Zentralosteuropa: Transformation vor Abschluss

Stärkstes Wirtschaftswachstum seit Mitte der 90iger Jahre

Im Wirtschaftsraum Mittel- und Osteuropa ist 2000 und im nächsten Jahr das stärkste Wirtschaftswachstum seit Mitte der 90iger Jahre zu erwarten. Erstmals seit Beginn der Transformation werden heuer alle analysierten Länder der Region einen realen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts verzeichnen können.

Zurückzuführen ist dies u.a. auf das international ausgezeichnete wirtschaftliche Umfeld. Der Internationale Währungsfonds hat kürzlich seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft von 4,2 % auf 4 ¾ % erhöht. Die Wirtschaftsleistung der Europäischen Union wird nach Ansicht der Volkswirte der Bank Austria heuer um fast 4 % zunehmen. Besonders die Entwicklung in der EU ist für die Länder in Mittel- und Osteuropa aufgrund der starken Handelsverflechtung von entscheidender Bedeutung. Die Reformstaaten exportieren zwischen der Hälfte (Kroatien) und drei Viertel (Ungarn) ihrer gesamten Warenausfuhren in die EU. Damit weist z.B. Ungarn diesbezüglich einen stärkeren Integrationsgrad als die meisten Länder der Europäischen Union auf.

Exporte in die EU:

Die Ausnutzung des positiven Umfelds ist jedoch abhängig vom Reformfortschritt der jeweiligen Länder. Innerhalb der Gruppe der zentraleuropäischen Länder (Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik und Ungarn) werden Polen, Ungarn und Slowenien in den nächsten beiden Jahren reale Wachstumsraten zwischen 4,5 % und 6 % erreichen, während Tschechien und die Slowakei erst langsam die Anpassungsrezession überwinden. Die Länder Südosteuropas werden, mit Ausnahme von Bulgarien, aufgrund von Versäumnissen in der Reformpolitik der jüngsten Vergangenheit nur moderate Wachstumsraten erzielen. Zudem besteht in diesen Ländern ein höheres Risiko für wirtschaftliche Einbrüche. Bedingt durch die gute internationale Konjunktur wird jedoch auch die Wirtschaft dieser zweiten Ländergruppe um 2% im laufenden Jahr und fast 3% im Jahr 2001 wachsen.

Eine eigene Liga stellen die analysierten GUS-Staaten (Russland, Ukraine) dar, wo Strukturreformen noch immer weitgehend fehlen. Russland profitiert zur Zeit von dem hohen Ölpreisniveau und der Abwertung des Rubels. Im Sog dieses fragilen Booms in Russland wird auch die Wirtschaft in der Ukraine im heurigen Jahr erstmals seit der Unabhängigkeit expandieren können.

Die wichtigsten Länder im Einzelnen:

Nach der tiefen Rezession zeigen die jüngsten Wirtschaftsdaten in der Tschechischen Republik wieder einen fortdauernden Konjunkturaufschwung an. Nach dem Rückgang des BIP 1999 um 0,2 % profitiert nunmehr auch dieser Beitrittswerber von der guten Konjunktur in der EU. Dieser wichtige und notwendige Impuls von außen wird zusätzlich unterstützt durch langsam greifende Wirtschaftsreformen, eine fortschreitende Bankensanierung und Unternehmensumstrukturierung. Für das Jahr 2000 erwarten wir daher erstmals seit zwei Jahren ein BIP-Wachstum von 1,7 %. Die leicht anziehende Inflation ist vor allem auf ein Ansteigen der regulierten Preise in den Bereichen Energie, Gas, Telekommunikation, verschiedenen kommunalen Dienstleistungen und den höheren Ölpreis zurückzuführen. Das Leistungsbilanzdefizit wird sich im Zuge der anziehenden Konjunktur leicht von 1,1 Mrd. USD 1999 bzw. 1,9% des BIP auf 1,3 Mrd. USD im Jahr 2000 oder 2,5% des BIP verschlechtern, allerdings ist die Finanzierung durch den gesteigerten Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen vorläufig mehr als gesichert.

Um den erfolgreich eingeschlagenen Weg der makroökonomischen Stabilisierung auch weiterführen zu können, wird die Slowakei, neben dem notwendigen Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen, strukturelle Reformen sowohl im Banken- und Finanzbereich als auch auf Unternehmensebene einleiten müssen. Die gute Performance der Außenwirtschaft wird der Slowakei allerdings auch 2000 zu einem Wirtschaftswachstum um 2,0% verhelfen.

Das Jahr 2001 bietet nach Ansicht der Ökonomen der Bank Austria weiter positive Aussichten. Die öffentlichen Ausgaben sollen nicht mehr nur für die Schuldentilgung der Betriebe verwendet werden, sondern fließen vor allem in Projekte wie den Ausbau der Infrastruktur. Die Konditionen für die Kreditvergabe werden sich mit fortschreitender Bankenrestrukturierung verbessern, das positivere Investitionsklima zu höheren Investitionen führen. Neben der Erhöhung der Reallöhne wird auch die Erholung des privaten Konsums in der 2. Jahreshälfte 2001 zum Wirtschaftswachstum um 2,5 % beitragen.

In den nächsten beiden Jahren erwarten die Volkswirte der Bank Austria in Slowenien eine Fortsetzung des dynamischen Wachstums mit Zuwachsraten um 4,5% jährlich. Aufgrund des anhaltend hohen Weltmarktpreises für Rohöl und anderer Rohstoffe wird die Inflationsrate 2000 auf 7,6 % steigen. Sofern die Energiepreise keine weiteren Preisschübe auslösen, kann mit einem Rückgang der Teuerungsrate auf 5 % im Jahr 2001 gerechnet werden. Nach einem konsolidierten Budgetdefizit von 0,7 % des BIP wird heuer der Fehlbetrag geringfügig höher ausfallen. Die hohen Ölpreise und der starke US-Dollar werden vorerst keine Verbesserung des 1999 erstmals merkbaren außenwirtschaftlichen Ungleichgewichts zulassen (Leistungsbilanzdefizit 2000: 3,2 % des BIP).

Die schwungvolle Wirtschaftsentwicklung, die in der 2. Hälfte des Vorjahres in Ungarn eingesetzt hat, setzt sich heuer weiter fort. Nach 4,5 % im Jahr 1999 erwarten wir aufgrund der ausgezeichneten Exportnachfrage insbesondere aus der EU und des fast ungebrochen lebhaften privaten Konsums ein Wirtschaftswachstum von 5,5 % im Jahr 2000 und 2001. Die Inflation wird nach Meinung der Volkswirte der Bank Austria zwar den rückläufigen Trend fortsetzen, jedoch mit 8,7 % (2000) bzw. 6,5 % (2001) im Jahresdurchschnitt deutlich höher als offiziell prognostiziert ausfallen. Der Budgetsaldo wird 2000 von der guten Konjunktur profitieren und mit 3 % des BIP ein geringeres Defizit als geplant ausweisen. 2001 geht von den bevorstehenden Parlamentswahlen ein Risiko für eine expansivere Budgetpolitik aus, dennoch erwartet die Bank Austria angesichts des strikten Annäherungskurses an die EU die Einhaltung des Zieldefizits von 3 % des BIP. Das gute Exportergebnis wird das Ungleichgewicht in der Leistungsbilanz mittelfristig in Grenzen halten. Die Gefahr einer Überhitzung der Wirtschaft und ein Ausufern der negativen außenwirtschaftlichen Salden wird von den Ökonomen der Bank Austria in Ungarn zur Zeit nicht gesehen.

Die Wirtschaft Polens wird nach Ansicht der Volkswirte der Bank Austria auch weiterhin mit 5,5 % im laufenden Jahr und 6 % im Jahr 2001 sehr dynamisch wachsen. Getragen wird der Anstieg des BIP überwiegend von der Inlandsnachfrage, insbesondere vom privaten Konsum. Steigende Preise im Energiebereich und in der Landwirtschaft halten die Inflation auf einem hohen Niveau (Prognose Jahresdurchschnitt 2000: 9,5 %). Allerdings begünstigt die hohe Inflationsrate die Erfüllung des laufenden Budgetvoranschlags. Der Budgetentwurf für 2001 wird dagegen zur Nagelprobe der Minderheitsregierung. Ein zu expansiver Haushaltsentwurf würde nicht nur keine Zustimmung des Parlaments finden, sondern zudem die Gefahr einer deutlichen Ausdehnung des Leistungsbilanzdefizits (1999: 7,6 % des BIP) erhöhen. Auf mittlere Sicht lässt dieses Ungleichgewicht das Risiko eines Schocks, etwa durch eine Abwertung, steigen.

 

Produktivitätssteigerung als Schlüssel zum Erfolg

Am Beispiel Polens lässt sich deutlich die Schattenseite des Wirtschaftsbooms ausmachen. Polen weist seit 1999 ein Leistungsbilanzdefizit von rund 8 % des BIP aus, dessen Höhe langfristig nicht vertretbar ist und mittelfristig die Stabilität gefährdet. Anders als in vielen anderen Reformländern reicht der Zufluss an langfristigen, ausländischen Direktinvestitionen nämlich nicht aus, um die Finanzierungslücke aus der Leistungsbilanz abzudecken, wodurch die Auslandsverschuldung steigt.

Kurzfristige Kapitalzuflüsse bergen jedoch die Gefahr, bei Vertrauensverlust der Investoren rasch abgezogen zu werden und damit die Wirtschaft unter Druck zu bringen. Eine Kurskorrektur der Währung wäre dann unvermeidlich.

Die Ursache des Problems liegt in einer sinkenden internationalen Konkurrenzfähigkeit der polnischen Wirtschaft, was zwar einerseits mit der realen Wechselkursentwicklung begründet werden kann (siehe Grafik), andererseits ist dies jedoch nur ein Teil der Erklärung. Die Produktivitätsgewinne werden nicht nur durch die reale Aufwertung, sondern auch durch hohe Reallohnsteigerungen mehr als kompensiert, was die Lohnstückkostensituation verschlechtert.

Die Lohnstückkosten sind in den letzten Jahren in Polen wie in den meisten anderen zentral/mitteleuropäischen Staaten stark gestiegen. Lediglich Ungarn ist einen anderen Weg gegangen und hat damit die Exportperformance wesentlich steigern können und das Leistungsbilanzdefizit halbwegs im Griff. So sind die Lohnstückkosten in Ungarn gemessen in € seit 1994 leicht gesunken (-4 %) während sie in Polen und Tschechien um 40 % bzw.

47 % zugenommen haben.

 

Transformation vor Abschluss

Gemessen an den Transformationskriterien wie Privatisierung, Wirtschaftsstruktur, Bankenstruktur und Preisliberalisierung kann man mit Recht behaupten, dass die Transformation in den MOEL 5 (Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Slowakei) vor dem Abschluss steht.

Der Anteil des privaten Sektors unterscheidet sich kaum mehr von den anderen Industrieländern bzw. den "new industrialised countries". Hinsichtlich der Wirtschaftsstruktur hat es einen beachtlichen Schritt vom primären und sekundären Sektor zum Dienstleistungssektor gegeben.

Der Dienstleistungsanteil beträgt heute in all diesen Ländern zwischen 60 % und 70 %, während der sekundäre Sektor mit Ausnahme von Tschechien unter der 30 %-Marke gefallen ist. Auch in dieser Hinsicht unterscheidet sich die Wirtschaftsstruktur nicht wirklich von den Industrieländern.

Von den Industrieländern unterscheidet die 5 "advanced transition economies" das Wohlstandsgefälle (BIP/Kopf), von den "new industrialised countries" die Sozialstruktur, das Bildungswesen und die "industrielle Geschichte".

In diesem Sinne ist es berechtigt, sie weiter als eine "eigene" Gruppe von Ländern zu betrachten.

Rückfragen: Public Relations

Margit Schmid-Weihs, 711 91, 52371

margit.schmid-weihs@bankaustria.com

Der CEE-Report kann kostenlos bestellt werden: Tel. 711 91, DW 56148 (Tonband)