02.02.2000

Positive Aussichten für chemische Industrie in Österreich

  • Österreichs chemische Industrie macht Strukturwandel durch
  • Nachfrage steigt auf breiter Basis
  • Für die nächsten Jahre wird ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 5 % erwartet

Trotz struktureller Schwächen, anhaltendem Wettbewerbsdruck und wachsender Konkurrenz asiatischer Anbieter konnte Österreichs Chemiesektor seine Wettbewerbsfähigkeit bewahren. Dies ist vor allem dank intensiver Rationalisierungsmaßnahmen gelungen. Der wirtschaftliche Aufschwung in Europa, sowie die zu erwartende steigende Nachfrage aus Osteuropa werden zu einer verstärkten Nachfrage auf breiter Basis führen. Insgesamt werden daher die Zukunftsaussichten der Branche in einer jüngst erschienenen Analyse des Bank Austria Reports positiv eingeschätzt. Im Branchendurchschnitt wird mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 5 % gerechnet.

Der Sektor Chemie, der aus den zwei Branchen Chemieindustrie und Gummi- und Kunststoffwarenerzeugung besteht, erwirtschaftet 2,5% des heimischen Bruttoinlandsprodukts. Die Chemieindustrie beschäftigte 1999 30.500 Arbeitnehmer und erzielte einen Umsatz von 78 Milliarden Schilling. In der Gummi- und Kunststoffwarenerzeugung erwirtschafteten 25.400 Personen einen Umsatz von 46 Milliarden Schilling. Die dabei erzeugte Produktpalette spannt sich von Seifen, Medikamenten, Düngemitteln und Kunststoffen bis zu Produkten zur Unkraut-, Seuchen- oder Krankheitsbekämpfung.

Weltweite Entwicklungen
Die Entwicklung des Chemiesektors verlief in Europa als auch in den USA in den 90er Jahren ausgezeichnet, während in Japan die schwierige wirtschaftliche Lage bremsend wirkte. Die Anteile an der weltweiten Produktion liegen für Europa bei 30%, den USA bei 28% und Japan bei 13%. In den Jahren 1990 bis 1998 ist in Europa die Produktion um 25% und der Umsatz um 30% gestiegen. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch eine rege Exportnachfrage aus Nicht-EU-Ländern. Allerdings ist mit einer zunehmenden Konkurrenz asiatischer Anbieter zu rechnen und auch die bestehenden Produktionsüberkapazitäten drücken auf die Preise.


Im Pharmabereich ist eine verstärkte Fusionswelle zu verzeichnen, da nicht nur die Entwicklung, sondern zunehmend auch die Vermarktung neuer Medikamente enorme finanzielle Mittel erfordert. Derzeit ist die Struktur der europäischen Pharmaindustrie durch nationale Einzelmärkte geprägt und noch nicht zu einem Binnenmarkt zusammengewachsen.

Massiver Preisdruck für Österreichs Chemieindustrie
Auch Österreichs Chemiesektor konnte beim Produktionswachstum in den vergangenen Jahren mit dem Chemiesektor in der gesamten EU mithalten, die Umsatzentwicklung blieb jedoch deutlich zurück. Grund dafür waren zum Teil massive Preiseinbrüche im Bereich der Chemieindustrie. Etwas besser war die Entwicklung bei den Kunststoffwaren wie Verpackungen und Rohren. Hier lag das Umsatzplus 1999 bei 4-5%.
Allerdings klagen die meisten Unternehmen über massive Ertragseinbrüche, ausgelöst durch die Ölpreissteigerung, die nur zum Teil an die Kunden weitergegeben werden kann.

Strukturdefizite
Ein Grund für die starken Preisschwankungen liegt in der Struktur der österreichischen Chemieindustrie, die gekennzeichnet ist von einer Dominanz von Klein- und Mittelbetrieben,
einem hohen Anteil arbeitsintensiver Produktion und grundstoffnaher Produkte, einem vergleichsweise niedrigen Umsatz pro Beschäftigten (2,5 Mio. ATS) und einem hohen Handelsbilanzdefizit aufgrund der Tatsache, dass der Wert der Produkte pro Gewichtseinheit
bei importierten Gütern um 20% über dem bei exportierten Gütern liegt.

Die heimische Chemieindustrie reagiert daher sensibler auf Konjunkturschwankungen und Preisveränderungen. Die Größenstruktur - nur 31 von 1600 Betrieben beschäftigen mehr als 300 Personen, und nur sechs mehr als 1000 Mitarbeiter - ist hier von Nachteil, ebenso wie die primäre Ausrichtung auf arbeitsintensive und grundstoffnahe Produkte. Im Außenhandel führt dies zu einem massiven Defizit. So verzeichnete der Sektor Chemie 1998 einen Importüberschuss von 21 Mrd. Schilling, das war fast ein Drittel des gesamten österreichischen Handelsbilanzdefizits. Besonders hohen Anteil am Importüberschuss hatten die Bereiche Pharmazeutik (-8,3 Mrd. ATS) und Kosmetikprodukte (-4,8 Mrd. ATS).

 

Rückfragen: Bank Austria, Öffentlichkeitsarbeit
Karl Mauk, Tel. 711 91 DW 51373