26.06.2000

Bank Austria Zins- und Wechselkursprognose:
"Stehen wir vor dem Ende des Zinserhöhungszyklus?"

  • Kurzfristig keine Zinserhöhungen durch EZB
  • US-Zinsniveau nähert sich dem Höhepunkt
  • Euro wird gegen US-Dollar zulegen
  • Leichte Kursverluste europäischer Anleihen – seitwärts in den USA

Die Analysten der Bank Austria prognostizieren für die nächsten Monate keine weiteren Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank. Erst im vierten Quartal des Jahres sollten aufgrund der robusten Konjunktur weitere Schritte folgen. In den USA wird der Zinserhöhungszyklus bald ein Ende finden, wobei man hier noch zwei kleine Zinsschritte erwartet. Die Renditen der Euroland-Staatsanleihen werden innerhalb der nächsten 12 Monate moderat steigen, während US-Staatsanleihen in der gleichen Periode ihren Höhepunkt überschreiten sollten und bei einer verlangsamten US-Konjunktur leicht fallen werden. Nicht zuletzt aufgrund des abnehmenden Staatsanleihenmarktes in den USA wird die Differenz zwischen den Renditen von Unternehmensanleihen und Staatspapieren groß bleiben.

Einer der Gewinner der nächsten 12 Monate sollte der Euro sein. Hauptsächlich aufgrund der sich verlangsamenden US-Wirtschaft und der starken Euroland- Konjunktur wird der Euro gegenüber dem US-Dollar zulegen.

Mit der Zinserhöhung von einem halben Prozentpunkt auf 4,25 % hat die EZB implizit die Botschaft verpackt, dass sie nicht ununterbrochen an der Zinsschraube drehen wird, sondern mit einem kräftigen Schritt das Niveau verlagert hat. Heinz Bednar, Global Head of Fixed Income Research, Bank Austria Creditanstalt Group Treasury: "Wir gehen daher davon aus, dass wir in den nächsten Monaten keine weitere Zinserhöhung sehen werden. Für die Anleihenmärkte sollte das etwas ruhigere Zeiten einläuten. Trotzdem wird die gute Konjunktur zu einer steigenden Inflationsprämie führen, die sich in moderat höheren Renditen niederschlagen wird."

Der US-Zinserhöhungszyklus nähert sich allmählich seinem Ende. Nach zahlreichen Zinserhöhungen in den USA und einer massiven Festigung des US-Dollar gegenüber dem Euro zeigen sich nun erste Hinweise auf ein verringertes Wirtschaftswachstum in den USA. Laut den Bank Austria-Experten ist es noch zu früh, um völlige Entwarnung an der Inflationsfront zu geben. Sollte sich der vor wenigen Wochen begonnene Trend aber fortsetzen, so werden die US-Notenbanker nicht mehr viele Zinserhöhungen benötigen, um ein Soft-Landing in den USA zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung des abnehmenden US-Treasury Marktes ist das Potential von Renditeanstiegen sehr begrenzt. Tatsächlich sollte es – nach einem Peak bei den Renditen – gegen Ende des Prognosehorizontes wieder zu leichten Kursgewinnen kommen.

Die Bank of England wird wohl mit einer kleinen Zinserhöhung das Auslangen finden. Die Inflationsindikatoren deuten nach unten, das Inflationsziel sollte also erreichbar sein. Das größte Prognoserisiko geht vom Wechselkurs des Pfundes aus. Sollte es zu einer sehr deutlichen Abschwächung der Währung kommen, so könnte die Bank of England gezwungen sein, mit weiteren Zinserhöhungen zu reagieren.

Nachzügler im Konjunkturzyklus bleibt Japan. Dementsprechend wird auch das Zinsniveau in Japan niedrig bleiben. Gegen Jahresende wird die Konjunktur zulegen, was auch ein langsames Abrücken von der gegenwärtigen Null-Zins-Politik der Bank of Japan ermöglichen sollte.

Die Schweizer Wirtschaft gewinnt laufend an Fahrt, was sich nicht nur in steigenden Zinsen widerspiegelt, sondern auch in einem, im Vergleich zu Vergangenheit, leicht festeren SFR.

Größter globaler Risikofaktor bleiben die Ölpreise. Sollte es nicht zu einem Rückgang der Ölpreise kommen, so müssen die Inflationsprognosen nach oben revidiert werden, mit den entsprechenden negativen Konsequenzen für die Geldpolitik und die Anleihenkurse.

Rückfragen: Bank Austria Creditanstalt Group Treasury
Mag. Heinz Bednar, Tel. 71191/82350, heinz.bednar@ba-ca.group-treasury.co.at