15.05.2000

Bank Austria: Polnische Wirtschaft boomt

  • Das reale Bruttoinlandsprodukt wird heuer um 5,5% zunehmen
  • Inflation geht zurück und wird 8,5% im Jahresschnitt 2000 betragen
  • Leistungsbilanzdefizit steigt auf 8% des BIP

Die wirtschaftliche Entwicklung in Polen hat sich seit der zweiten Hälfte des Vorjahres merklich beschleunigt. Die konjunkturelle Schwächephase ist endgültig überwunden, stellen die Ökonomen der Bank Austria fest. Dies ist unter anderem an der Entwicklung der Industrieproduktion klar abzulesen. Im ersten Quartal 2000 konnte eine Zunahme um fast 11% erzielt werden. Nachdem die Wirtschaftsleistung in den ersten drei Monaten dieses Jahres bereits um 5,9% gestiegen ist, schätzen die Ökonomen der Bank Austria die Wachstumsaussichten Polens auch für die nächsten Monate sehr positiv ein. Weiterhin wird die Inlandsnachfrage die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig stützen und heuer eine Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts um 5½% ermöglichen.

Zuletzt zweistellige Inflationsrate

Die dynamische Entwicklung der Inlandsnachfrage und höhere Energiepreise haben zu einer Beschleunigung der Verbraucherpreisentwicklung geführt. Seit Jänner dieses Jahres liegt die Inflationsrate wieder im zweistelligen Bereich. Mit dem Anstieg auf 10,4% im Februar wurde der Höchststand der Steigerung der Verbraucherpreise erreicht. Allerdings fiel die Inflationsrate mit 10,3% im März nur unwesentlich geringer aus. Unter der Annahme, dass sich der Erdölpreis in den nächsten Monaten zurückbilden sollte, geht die Bank Austria zumindest ab dem zweiten Halbjahr 2000 von einer deutlich rückläufigen Inflationsrate aus. Im Jahresdurchschnitt 2000 wird die Teuerungsrate 8½% betragen.

Leistungsbilanzdefizit langfristig untragbar

Angesichts des deutlichen Anstieges der Inflationsrate sah sich die Notenbank im Februar dieses Jahres gezwungen die Leitzinssätze erneut zu erhöhen. Zweifelsohne wurden die Zinssatzentscheidungen der Notenbank auch stark von der Entwicklung des Leistungsbilanzsaldos beeinflußt. Konnte Polen 1995 noch einen Überschuß in der Leistungsbilanz verzeichnen so kam es in den letzten Jahren zu einer kontinuierlichen Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits. 1999 erhöhte sich das Leistungsbilanzdefizit sprunghaft von 6,9 Mrd. USD im Jahr 1998 auf über 11½ Mrd. USD oder umgerechnet 7,6% des BIP. Zwar hatte Polen aufgrund der hohen Direktinvestitionszuflüsse (auch bedingt durch die zahlreichen Privatisierungen) keine Probleme das Defizit zu finanzieren, ein Leistungsbilanzdefizit dieser Größenordnung ist aber über einen längeren Zeitraum hinweg nicht mit einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung zu vereinbaren.

Für heuer erwarten die Ökonomen der Bank Austria eine weitere Ausweitung des Leistungsbilanzsdefizits auf 8% des BIP. Die Devisenzuflüsse, welche die Finanzierung der Leistungsbilanzlücke in hohem Ausmaß gewährleisten, haben bislang einen Aufwertungsdruck der Währung erzeugt. Dieser Trend hat sich nach der Aufhebung des Crawling-peg Mitte April jedoch umgekehrt. Seit der Freigabe des Wechselkurses hat der Zloty ca. 6½% seines Wertes gegenüber dem US-Dollar und 2½% gegenüber dem Euro verloren. Im Vergleich zum Jahresanfang hat der Zloty gegenüber dem Euro jedoch sogar fast 3% aufgewertet, so dass die Ökonomen der Bank Austria die jüngsten Kursschwankungen als weniger beunruhigend ansehen und von keinen negativen Auswirkungen auf die reale Wirtschaft ausgehen.

Rückfragen: Bank Austria Public Relations

Dr. Karl Mauk, Tel. 71191 DW 51373; E-Mail: karl.mauk@bankaustria.com

 

Polen – Ausgewählte Indikatoren

Prognose

Veränderung geg. Vorjahr in %

1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

BIP (real)

5,2

7,0

6,0

6,9

4,8

4,1

5,5

6,0

Industrieproduktion

12,1

9,7

8,3

11,5

4,6

4,4

6,5

7,5

Bruttoanlageinvestitionen

9,2

16,6

19,7

21,8

14,5

11,0

12,0

14,0

Verbraucherpreise (Jahresdurchschnitt)

32,2

27,8

19,9

14,9

11,8

7,3

8,5

5,5

Arbeitslosenquote (Jahresdurchschnitt)

16,5

15,2

14,3

11,5

10,0

12,0

13,0

11,5

in Mio USD

Exporte

18.355

25.041

27.557

30.731

32.467

30.200

33.500

36.900

Importe

18.930

26.687

34.844

40.553

45.303

43.600

49.000

52.900

Handelsbilanz (1)

-575

-1.646

-7.287

-9.822

-12.836

-13.400

-15.500

-16.000

Leistungsbilanz (1)

954

854

-3.264

-5.744

-6.901

-11.700

-13.500

-13.700

Bruttoauslandsverschuldung

46.400

49.538

47.354

48.914

56.867

61.800

70.000

77.000

FDI (netto) (2)

1.449

2.951

3.370

3.120

4.277

5.400

6.000

6.000

Devisenreserven

5.839

14.774

17.844

20.407

26.432

24.534

25.500

26.300

Zloty/USD (Jahresdurchschnitt)

2,3

2,4

2,7

3,3

3,5

4,0

4,1

4,0

 

Quelle: IIF, Poln. Nationalbank, Bank Austria Volkswirtschaft

(1) auf Transaktionsbasis lt. IIF (inklusive Importe aufgrund von Sacheinlagen und reinvestierten Gewinne ausl. Unternehmen)

(2) auf Transaktionsbasis; ohne Direktkredite