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10.08.2000

News aus dem Asset Management der Bank Austria:
Bittere Pille für den US Aktienmarkt

  • Pharmafirma Eli Lilly erleidet Niederlage vor Gericht – Aktie bricht um 30% ein
  • Sektor kurzfristig unter Druck, mittelfristig Erholung in Sicht

Der amerikanische Pharmakonzern Eli Lilly hat den Amerikanern im Jahr 1998 ein Medikament in die Hand gegeben, das später untrennbar mit der Yuppie-Generation verbunden werden sollte: Prozac, mit 34,5 Millionen Verschreibungen das meistverkaufte Antidepressivum in den USA und eine Art erlaubte Wunderdroge für die Erfolgsgeneration der 90er Jahre.

Gericht hebt Patentschutz für Prozac auf – Gewinnwachstum einstellig

Wenngleich die Verkaufszahlen von Prozac zuletzt rückläufig und die Spitzenzeiten für das Medikament damit vorbei waren, so steuerte das Mittel doch 1999 über ein Viertel des Umsatzes von Lilly bei und ist somit ein wesentlicher Ertragsträger für das Unternehmen. "Daher war der Markt gestern umso geschockter, als ein amerikanisches Gericht den Patentschutz für das Medikament ab 2001 aufhob", so Monika Rosen, Aktienexpertin im Asset Management der Bank Austria. Lilly hatte damit gerechnet, das Patent bis 2003 halten zu können. Das Unternehmen wird gegen die Entscheidung Berufung einlegen, räumte aber ein, dass beim gegenwärtigen Stand der Dinge das Gewinnwachstum 2001 und 2002 nur im einstelligen Bereich liegen würde. Rosen: "Im Vergleich dazu erreichte Lilly im Vorjahr ein Gewinnwachstum von 18 %, im 2. Quartal 2000 immerhin noch 16 %."

Aktie bricht um 30 % ein

Bei einer Stellungnahme vor Analysten verwies das Unternehmen auf die anderen Produkte in seiner Pipeline und auf die Tatsache, dass man an einem Anschlussprodukt für Prozac arbeite, das man bis 2002 marktreif haben will. Der Aktienmarkt ließ sich damit im Moment aber nicht besänftigen, das Papier war mehrere Stunden vom Handel ausgesetzt und eröffnete 15 Minuten vor Handelsschluß mit einem Minus von fast 30%.

Die Ereignisse machen einige grundsätzliche Punkte in der Pharmabranche deutlich:

  1. Pharmaunternehmen leben von ihren patengeschützten Medikamenten, d.h. ein Patentablauf belastet die Erträge und wird daher vom Markt sehr negativ aufgenommen. Im gegenständlichen Fall wird die Wirkung durch den plötzlichen Effekt (Gerichtsentscheidung) noch verstärkt.
  2. Gegenmittel der Pharmabranche: man muß stark in die Pipeline, d.h. in die Entwicklung zukünftiger Medikamente investieren, um bei Patentabläufen neue Produkte zu haben. Dieser Zwang, in Forschung und Entwicklung zu investieren, ist auch ein wesentlicher Motor hinter der Konsolidierungswelle im Pharmasektor.
  3. Die erfolgreichsten Medikamente scheinen jene gegen chronische Krankheiten zu sein. Prozac hat hier den Nerv des Zeitgeistes optimal getroffen, auch weil Psychopharmaka in den USA viel häufiger als in Europa verschrieben werden. Das einzige Medikament, das in jüngster Zeit eine ähnliche Breitenwirkung erzielt hat wie Prozac war Viagra von Pfizer.

Vorsichtiger Optimismus für Pharmaaktien

"Bei der Aktie von Lilly würden wir vorerst noch abwarten. Der Markt muß über die gegenwärtigen Probleme hinwegsehen und wieder Vertrauen in das Wachstum der neuen Medikamente fassen. Das könnte noch etwas dauern", analysiert Rosen.

Für den Pharmasektor insgesamt ist zu sagen, daß er seit März sehr stark performt hat – in dieser Zeitspanne hat sich der Kurs von Lilly fast verdoppelt. Somit werden, unabhängig von dieser unternehmensspezifischen Nachricht, jetzt vielleicht Gewinne mitgenommen. Außerdem erhöht sich im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen die Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung bei Medikamentenpreisen. Rosen: "Der Markt hat Angst vor der Verhängung von Preis-Obergrenzen, was die Profitabilität der Unternehmen insgesamt belasten könnte."

Pharmawerte gehören in Musterportefeuille – langfristige Wachstumschancen

Dennoch gehört ein Investment im Pharmabereich immer in ein ausgewogenes Portefeuille, da die langfristigen Wachstumschancen der Branche (Alterung der Bevölkerung, Rezessions-resistenz) unbestritten sind. Außerdem sollten die stabilen Zuwachsraten bei Pharmawerten in Zeiten eines möglicherweise zurückgehenden Gewinnwachstums wieder mehr geschätzt werden. "Der Anleger sollte die Lage also genau beobachten und bei anhaltender Schwäche sehr wohl an den Aufbau von Positionen denken. Unsere Hauptempfehlung bei amerikanischen Pharmawerten sind derzeit Johnson & Johnson sowie Merck", resümiert Rosen.

Rückfragen: Bank Austria Asset Management

Monika Rosen, Tel. 33147 DW 5403