25.09.2000

Internationale Banken gewinnen Marktanteil in Mittel- und Osteuropa

  • BA/CA + HVB gemeinsam größte internationale Bank in der Region
  • Weitere Expansion in Mittel- und Osteuropa geplant
  • Privatisierung in CEE weitgehend abgeschlossen
  • Zweite Welle der Bankenkonsolidierung erwartet

Die internationalen Banken verzeichnen in den Ländern Mittel- und Osteuropas weiterhin ein dynamisches Wachstum. Betrug der Bilanzsummenanteil der internationalen Banken 1998 noch rund 32 Prozent, waren es zum Jahresende 1999 bereits 41 Prozent. Während die Gesamtbankaktiva von 242 auf 255 Mrd. Euro (+5%) wuchsen, stieg das Bilanzvolumen der Auslandsbanken von 74 auf 104 Mrd. Euro (+41%). Im Jahr 1997 waren es erst 20%. Das ergab eine Studie der Bank Austria Creditanstalt International (BA/CA-I), die anläßlich der diesjährigen Weltbanktagung in Prag bei einer Pressekonferenz vorgestellt wurde. "Diese Entwicklung reflektiert die jüngste Phase des weitgehend abgeschlossenen Privatisierungsprozesses in der Region", sagte Alarich Fenyves, stv. Vorstandsvorsitzender der BA/CA-I, der Auslandsbank der Bank Austria Gruppe.

Gute Ausgangsposition

Es sind im wesentlichen zwei Gruppen, die sich derzeit im Wettbewerb um wertvolle Marktanteile des Zukunftsmarktes Mittel- und Osteuropa (CEE) befinden: Die Marktpioniere und die relativen Newcomer, die sich seit etwa zwei Jahren teuer einkaufen. "Im Zuge dieser Entwicklung macht sich das frühe strategische Engagement unserer Gruppe in CEE besonders bezahlt", unterstrich Fenyves die gute Ausgangsposition der Bank Austria Gruppe. Die Bank ist in allen wesentlichen Märkten dieser Region seit den frühen Neunzigerjahren mit eigenen Bankentöchtern und Beteiligungen aktiv.

Im Lichte des geplanten Zusammenschlusses mit der HypoVereinsbank (HVB) übernimmt die Bank Austria, die im neuen Konzerns die Leitgesellschaft für Mittel- und Osteuropa sein wird, eine führende Rolle in der Region. Gemeinsam mit den Tochterbanken der HVB, die in die Bank Austria integriert werden, kommt sie in der Region auf eine Bilanzsumme von 11,7 Mrd. Euro (exkl. Russland). Damit hat sie die belgische KBC (9,7 Mrd. Euro) überholt und ist gemessen an der Bilanzsumme die größte internationale Bank in CEE. Der italienische Unicredito rangiert mit einer Bilanzsumme von 9,3 Mrd. Euro auf Platz drei. An vierter Stelle liegt nun die Citibank (7,9 Mrd. Euro), gefolgt von der Erste Bank (6,7 Mrd. Euro).

In Bulgarien ist der höchste Auslandsanteil mit 55% zu verzeichnen. In Ungarn liegt der Auslandsanteil bei 51 % der Bilanzsumme, in der Tschechischen Republik bei 49% und in Polen bei 44%. Die größten Einzeltransaktionen waren in Tschechien (Erste/Ceska Sporitelna, Aufstockung KBC/CSOB), Polen (Citibank/Bank Handlowy, Aufstockungen HVB/BPH, BA/CA-I/PBK, KBC/Kredyt Bank, BCP/BIG Bank Gdansk), Kroatien (BCI/Privredna Banka, Unicredito/Splitska Banka, Bayr. LB/Rijecka Banka) sowie in Bulgarien (Unicredito/Bulbank) zu verzeichnen. Diese Transaktionen sind für rund 60 % des Wachstums der Auslandsbanken verantwortlich.

"Wir erwarten nun eine zweite Phase der Bankenkonsolidierung", so der Ost-Experte Fenyves, "einige Spieler verlassen bereits das Feld". So wird die ABN-Amro beispielsweise zwei Drittel ihrer ungarischen Tochterbank an eine andere internationale Bank veräußern.

Hohes Wachstumspotential in CEE – geringe Bankendurchdringung

Ein weiterhin hohes Wachstumspotential für die Region konstatiert Bank Austria Chef-Volkswirtin Marianne Kager, welches auf die geringe Intermediation des Bankensektors zurückzuführen ist. Das Verhältnis der Gesamtbankaktiva zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beläuft sich in CEE auf rund 69%. In Österreich erreicht diese Kennzahl dagegen 268%, in Euroland 254%.

Dem Bankenvergleich nach, stehen 3.400 Banken (Genossenschaftsbanken sind konsolidiert) und 179.000 Bankstellen in Euroland 270 Banken und 11.500 Bankstellen in den zentral- und osteuropäischen Ländern gegenüber. Kommen in Euroland 1.700 Einwohner auf eine Bankstelle, so sind es in CEE 6.200.

Als weiteren Maßstab nennt die Ökonomin die Einlagen und die an den privaten Sektor vergebenen Kredite: In CEE beträgt die Höhe der vergebenen Kredite 29% des BIP, in Euroland sind es 85%. Ähnlich das Verhältnis bei den Einlagen vom privaten Sektor: 36% in CEE stehen 67% des BIP in der Eurozone gegenüber.

Weiterer Ausbau der Position geplant

Die Bank Austria Gruppe plant nach dem Zusammenschluß mit der HVB in Osteuropa weiterhin kräftig zu wachsen. "Wir sind nun die klare Nummer 1 in der Region CEE. Diese Position wollen wir nicht nur halten, sondern auch ausbauen", so Fenyves.

Das Netz der Bank Austria wird in Mittel- und Osteuropa nach der Integration der HVB-Aktivitäten knapp 700 Geschäftsstellen in 10 Ländern umfassen. Dazu kommen die Niederlassungen der CA IB Investmentbank und der BA/CA-Leasing, die ebenfalls in fast allen Ländern Mittel- und Osteuropas aktiv sind. Die Bank Austria Gruppe wird das Know-how und die Kapitalressourcen des neuen Konzerns nutzen, um in dieser Region weiter gezielt zu wachsen. Erst kürzlich hat sie bei der Ausschreibung um die Slovenska Sporitelna, der größten slowakischen Bank mit einem Marktanteil von rund 22 Prozent, ein Angebot gelegt.

Rückfragen: Bank Austria: International Public Relations

Peter N. Thier, Tel. 711 91 DW 57126

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