07.11.2000

Bank Austria Analyse:
Slowakei erzielt Erfolge mit ihrer Stabilisierungspolitik

  • Regierung schafft Voraussetzung für nachhaltige Strukturverbesserungen
  • Beschleunigung des Wirtschaftswachstums von zwei auf drei Prozent erwartet
  • Wachstum von boomenden Exportwirtschaft getragen
  • Privatisierungsoffensive beflügelt ausländische Investoren

Die von der slowakischen Regierung seit 1999 sukzessiv eingeleiteten Strukturreformen und der gefahrene Austerity-Kurs (strikter Sparkurs) haben den Grundstein für einen Erfolg in der slowakischen Wirtschaft gelegt. So die Zusammenfassung der jüngsten Länderanalyse der Bank Austria Volkswirtschaft. Für das Gesamtjahr 2000 gehen die Ökonomen der Bank Austria von einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent aus. Im Jahr 2001 soll sich das Wachstum bei anhaltender Exportkonjunktur und EU-Wirtschaftsentwicklung auf drei Prozent beschleunigen.

"Verbesserung der Rechtssicherheit und des Investitionsklimas sowie Änderung des Konkursrechtes, und die Privatisierung brachten einerseits eine makroökonomische Stabilisierung und andererseits die Voraussetzung für eine nachhaltige Strukturverbesserung", so Marianne Kager, Chefökonomin der Bank Austria. Im August hat die Regierung außerdem die Reform des Pensionssystems beschlossen. Demnach soll in Zukunft das Pensionssystem auf vier Säulen ruhen. Neben dem bestehenden Umlagensystem (erste Säule) soll als zweite Säule ein Kapitaldeckungsverfahren eingeführt werden, in welches die Arbeitnehmer obligatorisch einzuzahlen haben.

Ebenfalls im August hat die Regierung eine Verwaltungsreform angekündigt. Insgesamt sollen 170 Verwaltungseinheiten, die derzeit aus dem Budget finanziert werden, entweder umgestaltet, privatisiert oder geschlossen werden. Diese Reorganisation der Verwaltung, die 2001 implementiert werden soll, soll die Zahl der Beamten um mindestens 15% verringern und insgesamt zwischen 53 und 85 Mio. USD einsparen.

Boomende Exportwirtschaft

"Positiv zu vermerken ist die enorme Exportkonjunktur", so Kager. "Zwar ist dabei der Aufschwung in der EU hilfreich, dennoch muss man auch sehen, dass es zu einer wesentlichen Verbesserung der Exportstruktur gekommen ist", analysiert die Volkswirtin.

In den ersten sieben Monaten sind die Exporte um 31,6 Prozent gewachsen. "Der Exporterfolg ist auch eine Konsequenz aus den Direktinvestitionen der letzten Jahre", meint die Volkswirtin. So hat die Fahrzeugindustrie nicht nur eine der höchsten Zuwachsraten (+36,3%), sondern auf sie entfallen mittlerweile 23% der Exporte, was letztlich auf die Produktion von VW zurückgeht (+308 Mio. USD Exportsteigerung im 1. Halbjahr). Auch der Einstieg von US-Steel in das in Schwierigkeiten geratene Stahlwerk VSZ Kosice, wirkt sich positiv aus. So stiegen die Exporterlöse der Warengruppe Eisen und Stahl um 183 Mio. USD (+37%).

Privatisierungsoffensive beflügelt ausländische Investoren

"Die Slowakei war lange Zeit nicht wirklich ein Zielland für ausländische Investoren. Dies hat sich im laufendem Jahr grundlegend geändert, nicht zuletzt aufgrund der Privatisierungsoffensive der öffentlichen Hand", so Kager. Die größten FDI‘s im heurigen Jahr werden im Industriebereich der Einstieg von US-Steel bei VSZ-Kosice, der Slovnaft-Deal mit MOL (Ungarn) und der Kauf von SCP Ruzomberok durch die Neusiedler Papierfabrik sein. Im Dienstleistungsbereich hat die Deutsche Telecom für die Slovak Telecom 1 Mrd. Euro geboten, wobei der Kaufpreis für 38,4% 600 Mio. beträgt und 400 Mio. als Kapitalerhöhung fließen, und so insgesamt eine Mehrheitsbeteiligung von 51% erreicht wird.

Volkswagen will in der Westslowakei einen Industriepark aufbauen, in dem im wesentlichen Zulieferbetriebe für VW angesiedelt werden sollen. Damit entsteht in Ansätzen ein Autocluster in der Westslowakei. Im Juli wurden als Vorbereitung zur Privatisierung der großen Banken weitere notleidende Forderungen in Höhe von 1,2 Mrd. USD (0,75 Mrd. USD von VUB und 0,47 Mrd. USD von Slovenska Sporitelna) an die Konsolidacni Banka transferiert. Mit Abschluss der zweiten Phase der Bankensanierung wurden insgesamt 2,4 Mrd. USD aus den Bilanzen dieser Banken genommen.

Im Bankenbereich hat Unicredito die Polnobanka zu 56,7% gekauft und die belgische Dexia hat die Mehrheit bei Prva Komunalna Banka (Kommunal Kredit) übernommen.

Von der Regierung wurde ferner die Banka Slovakia und die Slovenska Sporitelina zur Privatisierung freigegeben. Als letzte der verstaatlichten Großbanken soll die VUB bis Mitte 2001 privatisiert werden. Nicht nur im Bankensektor, sondern auch im Versicherungssektor sind eine Reihe von Privatisierungen geplant. So zum Beispiel die Slovenska Poistovna, die mit Abstand größte Versicherung des Landes mit einem Marktanteil - gemessen am Prämienvolumen - von fast 55%. Weiters hat die Regierung Privatisierungen im Agrarsektor angekündigt.

Rückfragen: Bank Austria Public Relations

Peter N. Thier, Tel. 71191 DW 57126; E-Mail: peter.thier@bankaustria.com