16.03.2000

Japan: Gewinnmitnahmen bei Tech-Werten

  • Negatives Wirtschaftswachstum im 4. Quartal 1999
  • Mittelfristig steigende Aktienkurse erwartet

Japan hat zuletzt aufhorchen lassen: Mit einem negativen Wirtschaftswachstum im 4. Quartal 1999,
das drastischer als erwartet ausfiel, und einer beginnenden Korrektur in den Technologie- bzw. Internetaktien bekamen die Skeptiker zuletzt wieder Auftrieb. Wir nehmen dies zum Anlaß, einige grundsätzliche Fragen, die Japan in nächster Zeit lösen muß, zu diskutieren. Dabei wollen wir aber anmerken, dass das Asset Management der Bank Austria bei aller Vorsicht weiterhin an der Einschätzung einer langfristigen Besserung der Lage in Japan festhält.

Minus 1,4 % im vierten Quartal
Die japanische Wirtschaft ist zwischen Oktober und Dezember 1999 um 1,4 % zurückgegangen, das bedeutet annualisiert ein Minus von 5,5 % und war schlechter, als im Konsensus erwartet (im Schnitt waren nicht minus 1,4 %, sondern nur minus 1,0 % erwartet worden). Nach dem Rückgang um 1,0 % im 3. Quartal 1999 befindet sich Japan damit laut technischer Definition in einer Rezession.

Nach ersten Ziffern ergibt sich daraus für das Kalenderjahr 1999 ein zartes Wirtschaftswachstum von 0,3 %. Während die Investitionsausgaben einen Anstieg verzeichnen, gibt der private Konsum, der schon bisher das Sorgenkind der japanischen Konjunktur war, noch immer kaum Lebenszeichen von sich. "Da werden die anstehenden Restrukturierungen der Unternehmen, sprich Entlassungen, auch nicht unterstützend wirken", schätzt Monika Rosen vom Asset Management-Team der Bank Austria die Situation ein. Um das Wachstumsziel der Regierung für das laufende Fiskaljahr zum 31. März 2000 zu erreichen - nämlich 0,6 % - müßte die Wirtschaft im laufenden 1. Quartal 2000 um 2,0 % zulegen. Aus heutiger Sicht ein eher ehrgeiziges Ziel.

Rating-Abstufung durch Moody's droht
Im Februar hat Moody's die japanischen Staatsschuldverschreibungen auf die Beobachtungsliste gesetzt und erwägt, das Rating abzustufen. Als Begründung wurden die strukturellen Probleme Japans genannt, die zu einem Defizit geführt haben, das mit 8,0 % des BIP das höchste unter den Industrienationen ist. Die wiederholten Fiskalpakete haben die Verschuldung Japans dramatisch ansteigen lassen, eine weitere Ausweitung des "deficit spending" scheint nur schwer vorstellbar.

Besteuerung der Großbanken in Tokio
Die Stadtverwaltung von Tokio will die Erträge der großen Banken für die nächsten 5 Jahre mit einer 3%igen Steuer belegen. Während die Öffentlichkeit dafür ist, zeigt sich die Regierung besorgt: die Banken könnten in ihrem Gesundungsprozeß behindert werden bzw. versuchen, sich der Steuer, die ja von der Stadt Tokio auferlegt würde, durch Umsiedelung zu entziehen.

Wahlen bis spätestens Oktober 2000
Premier Obuchi muß bis spätestens Oktober 2000 Wahlen ausrufen. Zu seine großen Prioritäten gehört, daß der G7 Gipfel im Juli in Okinawa gut über die Bühne geht. Daher wird er die Wahlen nur vorher ansetzen, wenn er relativ sicher sein kann, sie zu gewinnen. Sollte etwas darauf hindeuten, daß er verlieren könnte, wird er bis zum Herbst abwarten. Das würde auch bedeuten, daß eine eventuell bis dahin einsetzende wirtschaftliche Erholung seine Chancen auf eine Wiederwahl erhöhen würde.

Conclusio für den Aktienmarkt:
Der zuletzt in Tokio verstärkt aufgetretene Verkaufsdruck vor allem bei Technologietiteln wird von Beobachtern nicht mit dem Rückgang im Wirtschaftswachstum in Zusammenhang gebracht. Vielmehr heißt es, die Wirtschaftsdaten seien erwartet worden, und bei den Kursabschlägen handle es sich nach den Anstiegen der letzten Zeit um Gewinnmitnahmen. Monika Rosen: "Ohne Frage bringt so mancher Anleger vor Ablauf des Fiskaljahres zum 31.3. noch einige Schäfchen ins Trockene." Dazu kommen bei einigen Werten unternehmensspezifische Meldungen, wie die Tatsache, daß bei der neuen PlayStation II von Sony vereinzelt Funktionsstörungen aufgetreten sind.

"Generell kann man sagen, daß die japanische Wirtschaft noch nicht jene Stärke erreicht hat, die der Aktienmarkt bereits im Jahr 1999 antizipiert hat", so Rosen weiter. Die Entwicklung im Nikkei war sehr stark liquiditätsgetrieben, sprich große internationale Häuser haben ihre Japan-Anteile entsprechend aufgestockt, was zu Nachfrage nach japanischen Aktien geführt hat. Davon abgesehen, bewegen sich die Technologietitel weltweit im Einklang, und sollte hier einmal eine heftigere Korrektur einsetzen (was nicht ausgeschlossen werden kann), so wird davon auch Japan betroffen sein. Die zuletzt erhöhte Volatilität könnte schon darauf hindeuten. Dazu kommen, wie bereits erwähnt, Gewinnmitnahmen vor Ablauf des Fiskaljahres Ende März.

"Mittelfristig sollten die Aussichten auf weiterhin steigende Kurse aber gewahrt bleiben", resümiert Rosen.

Wir würden bei unseren Hauptempfehlungen (Sony und Takeda) reduzierte Niveaus zum Einstieg nutzen.

Sony:

Kurs (14.3.) KGV 00 Gew/Akt 31.3.00e Perf. seit Jahresbeginn
25.390 YEN 92,78 275,44 -16,2%

Takeda:

Kurs (14.3.) KGV 00 Gew/Akt 31.3.00e Perf. seit Jahresbeginn
6.250 YEN 48,8 128,07 23,76%

Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr!


Rückfragen: Bank Austria Public Relations
Monika Rosen, Tel (01) 33147 DW 5403