29.11.2011

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im November:
Industrie weiter auf Schrumpfkur, aber kein Einbruch wie 2008

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex sinkt von 48 Punkten im Vormonat auf 47,6 Punkte und erreicht damit tiefsten Wert seit Juli 2009
  • Anhaltender Auftragseinbruch verursacht den fünften Monat in Folge Rückgang der Produktionsleistung
  • Optimismus bleibt bestehen – derzeit keine radikalen Kapazitätsanpassungen, leichter Beschäftigungsaufbau lässt keinen nachhaltigen Abschwung erwarten
  • Österreichs Industrie 2012: Rückgang hält anfangs weiter an – wird europäische Staatschuldenkrise gelöst, ist Produktionsplus von 3 Prozent möglich

Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex hat seinen Anfang 2011 begonnenen Abwärtstrend fortgesetzt. "Mit 47,6 Punkten ist der Indikator im November sogar auf den tiefsten Wert seit fast zweieinhalb Jahren gefallen", stellt Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer fest. Damit erreicht er nunmehr das dritte Mal in Folge nicht mehr die Wachstumsgrenze von 50 Punkten. "Die Verschlechterung der Industriekonjunktur zeigt sich vor allem im fortlaufenden Einbruch der Neuaufträge, aber auch in der Verringerung der Einkaufsmenge, dem nachfragebedingten Rückgang der Verkaufspreise und den steigenden Beständen im Fertigwarenlager. Trotz der negativen Geschäftsentwicklung wurden im Sektor noch neue Jobs geschaffen", fasst Bruckbauer die wichtigsten Trendergebnisse aus der monatlichen Umfrage unter Österreichs Einkaufsmanagern zusammen.

Die globale Konjunkturabschwächung und die Verunsicherung der Wirtschaft – bedingt durch die europäische Staatsschuldenkrise – haben die Bestellungen von österreichischen Industrieerzeugnissen im November abermals stark verringert. "Während sich die Nachfrage von heimischen Kunden selbst etwas günstiger entwickelte, brachen die Neuaufträge aus dem Ausland noch stärker ein als im Oktober. Der Index für die Exportaufträge sackte auf den tiefsten Wert seit April 2009 ab", so Bruckbauer.

"Infolge fehlender Neuaufträge insbesondere für Vorleistungsgüter haben die österreichischen Industriebetriebe ihre Produktionsleistung im November sehr stark zurückgefahren. Obwohl bereits den fünften Monat in Folge der Output verringert wird, bestehen aber weiterhin Überkapazitäten, wie der anhaltende Aufbau der Fertigwarenlager verdeutlicht", meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Auf die veränderten Nachfrageverhältnisse wurde jedoch durch eine starke Zurücknahme der Einkaufsmengen reagiert. Die Bestände der Vormateriallager sind in der Folge leicht gegenüber dem Vormonat gesunken.

"Die Anpassung der Kapazitäten an die Verschlechterung des Geschäftsumfelds erfolgt recht abwartend. Das deutet darauf hin, dass die Produzenten derzeit von einer zeitlich begrenzten Abkühlung der Industriekonjunktur ausgehen", analysiert Pudschedl. "Aktuelle Trends, sowohl bei der Beschäftigung als auch bei den Preisen, unterstreichen dies." Trotz der sinkenden Auftragspolster und der Auftragsflaute hat sich der Jobaufbau im November in der Industrie fortgesetzt. Die österreichischen Industriebetriebe mussten im November wegen der nachlassenden Nachfrage und des hohen Wettbewerbsdrucks die Verkaufspreise zum zweiten Mal in Folge reduzieren. Die Zurücknahme war jedoch nur sehr gering. Die Einkaufspreise, die im Vormonat noch gesunken waren, legten im November hingegen wieder etwas zu. Insgesamt haben die Preisverschiebungen die Ertragssituation der heimischen Unternehmen im vergangenen Monat geringfügig negativ beeinflusst.

Nach dem fulminanten Jahresbeginn hat die österreichische Industrie in den ersten neun Monaten 2011 ein Wachstum von 9 Prozent real erzielt: Seit dem Sommer sind deutliche Schwächesignale zutage gekommen. Der aktuelle EinkaufsManagerIndex der Bank Austria unterstreicht mit seinem beschleunigten Rückgang, dass die unmittelbaren Aussichten für die österreichische Industrie sehr zurückhaltend einzuschätzen sind. "Trotz Fortsetzung des Abwärtstrends wird im Gesamtjahr 2011 nach unserer Einschätzung noch ein Industriewachstum von etwa 7 Prozent zu Buche stehen", so Bruckbauer.

In den ersten Monaten des Jahres 2012 werden kräftigende Impulse für Österreichs Produktionssektor ausbleiben. Das aktuelle Verhältnis zwischen Auftrags- und Lagertrends, das der zuverlässigste Indikator für die kurzfristige Entwicklung ist, hat sich im November auf tiefem Niveau stabilisiert. Die bereits eingesetzte rezessive Phase in der Industrie wird auch nach dem Jahreswechsel noch anhalten, doch die hohe internationale Konkurrenzfähigkeit vieler Branchen sollte dafür sorgen, dass der Abschwung nicht nachhaltig ausfällt. "Immer deutlicher zeichnet sich die Notwendigkeit einer baldigen Lösung der Eurokrise ab, dann könnte die robuster werdende Nachfrage aus dem Ausland im späteren Jahresverlauf 2012 der österreichischen Industrie wieder Schwung verleihen. Unter diesen Umständen wäre 2012 ein Produktionsplus um durchschnittlich 3 Prozent möglich", so Bruckbauer abschließend.

 Tabellen (PDF; 143 KB) 

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
 Walter Pudschedl, Tel.: +43 (0) 50505 - 41957;
 E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.

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