11.10.2011

Ausblick Aktienmarkt Österreich für das vierte Quartal 2011:
ATX: Wir nähern uns der Talsohle – wann kommt der Umschwung?

  • Wiener Börse im Bärenmarkt: zyklische Faktoren und externe Schocks bringen ein Minus von 31 Prozent seit Jahresanfang
  • Hohe kurzfristige Unsicherheiten: fallende Frühindikatoren, Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums und Schuldenkrise
  • Positive langfristige Treiber: günstige Bewertungen, makroökonomische Stabilität in Österreich und solide Bilanzen vieler österreichischer börsenotierter Unternehmen
  • UniCredit Analysten bleiben optimistisch: neues ATX Kursziel für die nächsten 12 Monate: 2.700 Punkte, aber negatives Revisionsrisiko
  • Top-Empfehlungen: conwert, IMMOFINANZ, Lenzing, Post, RHI und voestalpine

Der österreichische Aktienmarkt ist im dritten Quartal unter schweren Verkaufsdruck geraten und hat bereits 31 Prozentpunkte seit Jahresanfang verloren. Dies ist im Vergleich zu den wichtigsten europäischen Aktienindizes das zweitschlechteste Ergebnis hinter dem griechischen Aktienmarkt. Die Eskalation der Schuldenkrise in der Eurozone und ein immer vorsichtiger werdender Ausblick auf die globalen Wachstumsaussichten haben dazu geführt, dass die Investoren österreichische Aktien abgestoßen haben. Nach der jüngsten Überarbeitung der Gewinnschätzungen und Kursziele rechnen die Analysten der UniCredit dennoch mit einem ATX-Ziel von 2.700 Punkten binnen 12 Monaten bei einem Gesamtrenditepotenzial von knapp 40 Prozent.

Das wirtschaftliche Umfeld hat sich in den letzten Wochen verschlechtert. Die Konjunktursorgen haben deutlich zugenommen und die Wachstumsrisiken, wie vor allem die weitere Zuspitzung der Verschuldungsproblematik in einigen Industrieländern, haben die Stimmung sowohl unter den Verbrauchern als auch unter den Produzenten weltweit noch stärker belastet. Die globale Konjunkturabkühlung ist in den vergangenen Wochen auch bereits in Österreich angekommen und bremst nun die kräftige Erholung der heimischen Wirtschaft des ersten Halbjahres 2011 rasant ab. „Dennoch erreicht die österreichische Wirtschaft dieses Jahr mit 3,3 Prozent Wirtschaftswachstum einen der höchsten Werte im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern. Die Kombination aus einer stabilen wirtschaftlichen Situation in Österreich und der derzeit günstigen Bewertung österreichischer Aktien bietet langfristigen Anlegern aktuell gute Einstiegsmöglichkeiten“, so Dieter Hengl, Bank Austria Vorstand Corporate & Investment Banking. „Für nächstes Jahr gehen wir wieder von einem stabileren Marktumfeld aus. Aufgrund der relativ niedrigen Wachstums-aussichten für 2012 von 1,4 Prozent, sollte sich die Inflation bei 2 Prozent einpendeln. Wir erwarten in der zweiten Jahreshälfte 2012 einen Aufwärtstrend des allgemeinen Zinsniveaus und einen stärkeren Euro. Diese Entwicklungen sollten in weiterer Folge auch dem ATX Auftrieb geben“, so Dieter Hengl über die wirtschaftlichen Aussichten für das kommende Jahr.

Die derzeitigen Rahmenbedingungen für die europäischen Aktienmärkte sind mehr als herausfordernd. Die Staatsschuldensituation im Euroraum, fallende Frühindikatoren und die Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums haben das Vertrauen der Investoren erschüttert. Die Gewinndynamik an einigen europäischen Börsen hat bereits ins Negative gedreht. In diesem Umfeld konnte sich auch der bis zum Halbjahr sehr positive ATX nicht halten, der einen kräftigen Absturz erlebte. „Der österreichische Leitindex hat einen dramatischen Kursverfall hinter sich. Dieser Einbruch ist aus unserer Sicht jedenfalls überzogen und auf die allgemeine Unsicherheit am Markt zurückzuführen. Das Positive ist, dass einige ATX-Werte derzeit attraktiv bewertet sind und das Interesse von dauerhaften Investoren erwecken. Es ist davon auszugehen, dass die Gewinneinschätzungen für die Unternehmen in den nächsten Monaten nach unten korrigiert werden, allerdings erscheint dies schon vielfach in den Aktienkursen eingepreist zu sein. Sobald sich das wirtschaftliche Umfeld wieder etwas beruhigt, sind wir davon überzeugt, dass der Markt darauf positiv reagiert und die Bullen nach Wien zurückkommen“, analysiert Thomas Neuhold, Leiter Aktienresearch Österreich in der UniCredit die aktuelle Situation.

Die momentanen Bewertungen sind nur mehr leicht höher als am Tiefpunkt der letzten Krise. Die österreichischen Unternehmen sind im Fall eines erneuten wirtschaftlichen Aufschwungs besser gerüstet als im Jahr 2009. „Sowohl Industrieunternehmen als auch Immobilientitel konnten seit dem Jahr 2008/2009 ihren Nettoverschuldungsgrad markant verbessern. Wir schätzen das Bilanzrisiko daher im Vergleich zur letzten Wirtschaftsabschwächung als eher mäßig ein. Weiters sind die börsennotierten Unternehmen flexibler geworden und haben ihr Working-Capital Management und ihre operative Flexibilität deutlich verbessert“, gibt sich Neuhold von der stabilen Situation der ATX-notierten Unternehmen überzeugt.

Optimismus bleibt bestehen – Neues ATX-Kursziel: 2.700 Punkte als 12-Monats-Ziel
Aufgrund des sich verschlechternden wirtschaftlichen Umfeldes haben die UniCredit Analysten ihre Schätzungen etwas nach unten revidiert. Dennoch überwiegt der Optimismus und trotz der derzeit negativen Gewinnrevisionsquote wird ein weiteres Gewinnwachstum erwartet. So rechnen die UniCredit Analysten mit einem Anstieg des ATX auf 2.700 Punkte binnen der nächsten 12 Monate. Das Gewinnwachstum schätzen die Experten des Aktienresearchs der UniCredit für 2011 mit plus 17 Prozent, für das Jahr 2012 schon mit plus 28 Prozent ein. Das Aktienresearch-Team der UniCredit sieht angesichts des turbulenten Umfeldes das beste Chancen/Riskenprofil bei conwert, Immofinanz, Lenzing, Österreichische Post, RHI und voestalpine. „Im Spannungsfeld attraktiver Aktienbewertungen einerseits sowie hoher Unsicherheiten und zunehmender konjunktureller Risiken andererseits empfehlen wir eine defensive Portfolioausrichtung. Wir bevorzugen aktuell Aktien mit wenig konjunkturabhängigen Geschäftsmodellen, einer soliden Bilanzstruktur und hohen, nachhaltigen Dividendenrenditen“, resümiert Neuhold.

Rückfragen: Bank Austria Pressestelle Österreich
Julia Wegenstein, Tel. +43 (0) 50505 – 52854
E-Mail: julia.wegenstein@unicreditgroup.at

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