28.01.2011

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Januar:
Kräftige Steigerung des Industriewachstums zu Jahresbeginn

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex erreicht im Januar 2011 annähernd Rekordwert
  • Enorme Produktionsausweitung dank beschleunigter Auftragszuwächse
  • Steigender Kapazitätsdruck führt zu Jobaufbau im Höchsttempo
  • Massiver Anstieg der Einkaufspreise trübt günstige Wachstumsaussichten der Industrie

Die heimische Industrie präsentiert sich zu Jahresbeginn 2011 in glänzender Verfassung. Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex hat im Januar mit 60,3 Punkten den Rekordwert vom April des vergangenen Jahres annähernd erreicht. Das Auftragswachstum legte spürbar zu und die laufende Produktionsausweitung wurde beschleunigt, was zu einem Beschäftigungsanstieg im Rekordtempo führte. "Das erfreuliche Gesamtbild wird jedoch durch den starken Anstieg der Preise etwas getrübt", fasst Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer die wichtigsten Ergebnisse der monatlichen Umfrage unter den Einkaufsmanagern der österreichischen Industriebetriebe zusammen.

Der aktuelle Bank Austria EinkaufsManagerIndex weist auf eine in dieser Dynamik und Breite bisher in der 12 ½ jährigen Umfragegeschichte noch nicht erfasste Verbesserung der Geschäftslage der heimischen Industrieunternehmen gegenüber dem Vormonat hin. Alle Komponenten des Gesamtindikators sind im Januar deutlich gestiegen. Einen besonders großen Beitrag zum Anstieg hat die rasante Verbesserung der Auftragslage geleistet. "Die Nachfrage nach Produkten der heimischen Sachgütererzeuger hat sich zu Jahresbeginn enorm beschleunigt, das Auftragsplus war das zweithöchste seit der Datenerhebung. Nicht nur das Wachstum der Neuaufträge aus dem Ausland hat im Januar stark zugelegt, auch die Bestellungen aus Österreich selbst sind in beeindruckendem Tempo gestiegen", so Bruckbauer. Es zeigt sich, dass die positiven Effekte der weltweiten Erholung mehr und mehr auch auf das Inland übergreifen.

"Auf die dynamische Steigerung der Auftragseingänge haben die österreichischen Industriebetriebe mit einer deutlichen Ausweitung der Produktion reagiert. Der Produktionsindex stieg mit 60,3 Punkten auf den höchsten Wert seit einem halben Jahr", sagt Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Die Unternehmer gewinnen zunehmend Vertrauen in die Nachhaltigkeit der laufenden Konjunkturerholung und die Erwartung einer weiterhin günstigen Auftragsentwicklung nimmt zu. "Die hohen Produktionsanforderungen haben dafür gesorgt, dass die heimischen Industriebetriebe im Januar die Neueinstellung von Mitarbeitern mit neuer Rekordrate vorangetrieben haben. Über 20 Prozent der befragten Betriebe haben binnen Monatsfrist neue Jobs geschaffen, während in nur 6,5 Prozent Personal abgebaut wurde", so Pudschedl.

Der Auslastungsgrad der österreichischen Industrie ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen und befindet sich wieder über dem langjährigen Durchschnitt. Viele Industriebetriebe sind offenbar bereits an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt, da die Expansion aus Vorsichtsgründen bisher mit leicht angezogener Handbremse erfolgte. Die vorhandenen Kapazitäten müssen erst noch an die starke Nachfrage angepasst werden. Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria hat sich mittlerweile sogar ein Investitionsnachholbedarf aufgebaut. "Österreichs Industrie ist derzeit mit einem Kapazitätsdruck konfrontiert, was neben dem Rekordwachstum der Auftragsrückstände und der deutlichen Verlängerung der Lieferzeiten auch der wachsende Auftrieb der Einkaufspreise signalisieren", meint Pudschedl

Der Anstieg der durchschnittlichen Einkaufspreise hat sich im Januar drastisch beschleunigt. Der Preisauftrieb fiel sogar so stark aus, wie nie zuvor seit Beginn der Datenerhebung. Die hohe Nachfrage bei gleichzeitigen Engpässen sowie unzureichenden Lagerbeständen auf Lieferantenseite haben für eine kräftige Preisanhebung vieler Rohstoffe und Vormaterialien gesorgt. "Neben Brennstoffen und Energie sind insbesondere viele Industriemetalle, elektronische Bauteile, Kunststoffe und Agrarrohstoffe im Januar erheblich teurer geworden. Die Verkaufspreise wurden in der Folge deutlich angehoben. Angesichts der starken Nachfrage waren die österreichischen Industriebetriebe deutlich besser in der Lage die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben, als in den Vormonaten", so Bruckbauer. Das Kostenumfeld der heimischen Industrie hat sich im Januar insgesamt aber weiter, wenn auch nur mehr leicht, verschlechtert.

Die heimische Industrie steht nach einer zwischenzeitlichen Abkühlung im Spätherbst derzeit wieder einer besonders dynamischen Nachfrage gegenüber. "Die gut aufgestellten, international sehr wettbewerbsfähigen österreichischen Industriesparten können sich im globalen Nachkrisenumfeld sehr gut behaupten. Am Schlepptau der deutschen Branchenkollegen gewinnt der Aufschwung der heimischen Industrie derzeit weiter an Stabilität und Breite", sagt Bruckbauer. Das Verhältnis zwischen dem Index für Auftragseingänge und jenem der Lagerbestände, das in der Vergangenheit stets ein sehr aussagekräftiger Indikator für die Abschätzung der Industriekonjunktur war, zeigt an, dass die heimische Industrie ihren Expansionskurs in den kommenden Monaten weiter fortsetzen sollte. "Wir erwarten für 2011 ein durchschnittliches Wachstum der Industrieproduktion um zumindest 5 Prozent. Der starke Anstieg der Preise für Rohstoffe und Vormaterialien wird allerdings zunehmend zum Risikofaktor, der der heimischen Industrie einiges an Dynamik im Jahresverlauf kosten könnte. Der Rationalisierungsdruck im Sektor nimmt jedenfalls stark zu", meint Bruckbauer.


Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.


Grafiken und Tabellen (PDF; 102 KB)

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. 05 05 05 DW 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

 

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