11.05.2011

Bank Austria Volkswirtschaft:
Fast alle Bundesländer haben Einbruch überwunden

  • 2010, das Jahr der Erholung: Export-  und Industrieorientierung waren die entscheidenden Faktoren des Aufschwungs
  • Steiermark ist Österreichs Wachstumskaiser 2010 und mit 2,8 Prozent Wachstum doppelt so dynamisch wie Wien
  • Ausblick 2011: Starke Auslandsnachfrage hält Industrie in Schwung  – Oberösterreich und Vorarlberg haben die besten Wachstumsaussichten
  • Ende 2011 werden fast alle Bundesländer wieder über Vorkrisenniveau liegen –  Wien und das Burgenland werden insgesamt am besten durch die Krise gekommen sein

Die österreichische Wirtschaft schaffte 2010 im Sog der globalen Nachfrageerholung mit einem Anstieg des BIP um 2,0 Prozent ein beachtliches Comeback. Die Bank Austria Volkswirtschaft hat in einer aktuellen Analyse Resümee gezogen, wie sich der globale Aufschwung auf die österreichischen Bundesländer ausgewirkt hat. "Erfreulicherweise haben sich die österreichischen Bundesländer weitgehend von den massiven Einbrüchen während der Wirtschaftskrise erholt. Unsere Studie zeigt, dass die Bundesländer mit starker Exportorientierung und Industrie eindeutig im Vorteil waren und deutlich höhere Wachstumsraten als der Durchschnitt erzielen konnten", so Helmut Bernkopf, Vorstand für Corporate & Investment Banking in der Bank Austria. "Die starke Industrieausrichtung der Steiermark macht diese Region zum Wachstumsspitzenreiter, gefolgt von Kärnten und Tirol. Mit einem Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent war die Dynamik sogar doppelt so hoch als in Wien", fasst Helmut Bernkopf die Ergebnisse der Studie zusammen. Dienstleistungslastige Bundesländer wie Niederösterreich und Wien sind im Jahr 2010 hingegen unter dem österreichischen Durchschnitt geblieben. Die Bauwirtschaft dämpfte aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen im vergangenen Jahr die Konjunktur in allen Bundesländern.

Der durch die Exporte unterstützte Industriesektor war 2010 der maßgebliche Wachstumstreiber und hat trotz seines überschaubaren Anteils an der gesamten Wirtschaftsleistung von rund 20 Prozent für rund die Hälfte des Auftriebs gesorgt. "Entscheidend für die Konjunkturentwicklung in den Bundesländern war sowohl während der Krise als auch in der Erholung im Jahr 2010 nicht nur die Stärke der Industrieorientierung an sich, sondern vor allem der bestehende Mix im Produktionssektor", analysiert Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Branchen mit einer hohen Exportintensität waren 2010 die treibenden Kräfte, wie der Fahrzeugbau und die Stahl- und die Elektronikindustrie. In Bundesländern mit entsprechender Sektorgröße und dem passenden Branchenmix, wie der Steiermark, Kärnten und Oberösterreich, hat die Industrie die Konjunktur besonders kräftig angeschoben. Mehr als drei Viertel des gesamten Wachstums gehen in diesen Bundesländern auf das Konto dieses Bereichs. Branchen mit geringer Exportintensität, wie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, haben dagegen eher verhalten expandiert. Das hat unter anderem den Wachstumsbeitrag der Industrie in Vorarlberg und Tirol limitiert.

Die Bauwirtschaft dämpfte 2010 die Wachstumsdynamik österreichweit um durchschnittlich
0,3 Prozentpunkte. Überdurchschnittlich stark betroffen waren davon Oberösterreich, Burgenland und Niederösterreich. "Der Dienstleistungssektor konnte sich als wichtiger Träger des Wachstums in den Bundesländern etablieren. Neben einigen öffentlichen Bereichen, wie Gesundheit, Bildung und Sozialwesen, zeigten insbesondere unternehmensnahe Dienstleistungen, unterstützt durch die hohe Dynamik im Produktionssektor, einen kräftigen Auftrieb", so Bruckbauer. Am stärksten profitierten von diesen Entwicklungen Niederösterreich, Salzburg, Burgenland und Vorarlberg. Trotz niedriger Dynamik im Dienstleistungszentrum Wien konnte – bedingt durch die Größe des Sektors von über 80 Prozent an der gesamten Wirtschaftsleistung – der höchste Wachstumsbeitrag aller Bundesländer in der Bundeshauptstadt erzielt werden.

Arbeitsmarkt profitierte vom Wachstum
Die kräftige Erholung der Konjunktur führte in den österreichischen Bundesländern zu einer spürbaren Entspannung auf dem Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung stieg österreichweit um 0,6 Prozent. In einigen Bundesländern wie Vorarlberg, Burgenland und Tirol fiel der Aufwärtstrend sogar doppelt so stark aus. In den vergangenen Monaten hat sich das Beschäftigungswachstum sogar noch beschleunigt. "Mit Ende des ersten Quartals 2011 ist die Beschäftigung in den meisten Bundesländern bereits wieder auf neue Rekordstände geklettert. Insbesondere im Burgenland und Vorarlberg konnte der Jobabbau während der Krise bereits kompensiert werden", erläutert Bruckbauer. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit ist hingegen noch nicht so günstig. "Ende 2011 wird die anhaltende Erholung ausschließlich im Burgenland die Arbeitslosenquote unter das Vorkrisenniveau drücken. In den anderen Bundesländern liegt die Arbeitslosigkeit dagegen voraussichtlich auch Ende dieses Jahres um bis zu einem Drittel über dem Wert von vor der Krise", so Bruckbauer.

Ausblick 2011: Erholung setzt sich fort und wird stabiler
2011 erwartet die Bank Austria hinsichtlich der Zusammensetzung des Wirtschaftswachstums eine Änderung. Aufgrund des leicht abnehmenden Schwungs aus dem Ausland wird die Industrie einen geringeren Beitrag zum Wachstum leisten können als 2010. Der Dienstleistungssektor wird hingegen eine größere Rolle spielen und die Bauwirtschaft sollte die Konjunktur zumindest nicht mehr weiter schwächen. Das Wirtschaftswachstum wird 2011 daher auf breiterer Basis stehen und damit an Stabilität gewinnen. "2011 erwarten wir Oberösterreich und Vorarlberg an der Wachstumsspitze in Österreich. Breit aufgestellte Industrie-Bundesländer mit starker Dienstleistungskomponente haben die besten Chancen für einen weiteren Aufschwung", so Bernkopf über die diesjährigen Wachstumsregionen.

Welches Bundesland insgesamt die Krise bereits am Besten überwunden hat, ist nicht nur durch das Erholungstempo bestimmt, sondern natürlich auch durch die Stärke des Einbruchs in der Krise. Jene Bundesländer, die derzeit weniger dynamisch wachsen, hatten während der Konjunkturkrise zumeist Vorteile. "Fast alle Bundesländer werden Ende 2011 wieder ein Wirtschaftsniveau erreicht haben, das über jenem von vor der Krise liegt", analysiert Bernkopf. "Insgesamt sind Wien und das Burgenland dank eines relativ milden Verlaufs des Konjunkturabschwungs am besten durch die Krise gekommen. Niederösterreich wird das einzige Bundesland sein, das erst 2012 zum Vorkrisenniveau aufschließt."

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
 Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957
 E-Mail: walter.pudschedl @unicreditgroup.at

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