16.02.2011

Bank Austria Konjunkturindikator:
2011 bringt Österreichs Wirtschaft mehr Schwung

  • Bank Austria Konjunkturindikator steigt im Jänner auf drei Jahreshoch
  • Kräftiger BIP-Anstieg im 1. Quartal 2011 um 0,5 Prozent zum Vorquartal zu erwarten
  • Exportstärke hält an, Investitionen gewinnen an Schwung
  • Österreich zählt zu den wachstumsstärksten Ländern des Euroraums -  Wachstumserwartungen 2011 auf 2,3 Prozent angehoben
  • 2,0 Prozent BIP-Anstieg für 2012 erwartet

Die Konjunkturerholung hat sich in Österreich in den vergangenen Monaten zusehend stabilisiert. "Der Bank Austria Konjunkturindikator ist im Jänner auf 3,9 Punkte und damit auf ein Dreijahreshoch geklettert. Von der Eintrübung des Konjunkturklimas, die sich im Spätherbst 2010 abzeichnete, ist nichts mehr zu sehen. Die österreichische Wirtschaft präsentiert sich nach dem Jahreswechsel in strahlender Verfassung", meint Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Der fortgesetzten Erholung der Konjunktur scheint in den kommenden Monaten nichts im Wege zu stehen.

"Die Stimmung unter den heimischen Verbrauchern hat sich zu Jahresbeginn wieder merkbar aufgeheitert, was den Bank Austria Konjunkturindikator maßgeblich nach oben gezogen hat", so Bruckbauer. Die anhaltende Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt belebt die Zuversicht und unterstützt die Konsumlaune, während die negativen Auswirkungen der Budgetkonsolidierung auf die Kaufkraft noch nicht spürbar sind. Zudem bietet das aktuell niedere Zinsniveau wenig Anreiz zum Sparen, die Sparquote geht tendenziell zurück. "Die Stimmung der heimischen Industrie hat sich weiter erhöht. Im Sog des Aufwärtstrends auf europäischer Ebene zeigt sich Österreichs Wirtschaft insbesondere aufgrund der positiven Entwicklung in einigen osteuropäischen Ländern optimistisch", meint Helmut Bernkopf, Bank Austria Vorstand Corporate & Investment Banking. Die Rahmenbedingungen für die österreichische Wirtschaft sind damit nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria so günstig, wie schon seit mehr als drei Jahren nicht mehr.

Die österreichische Wirtschaft schließt an den erfreulich dynamischen Jahresabschluss mit einem Anstieg des BIP um 0,6 Prozent zum Vorquartal – der ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent im Gesamtjahr 2010 ermöglichte – nahtlos an. "Wir gehen für das erste Quartal 2011 von einem Anstieg des BIP um 0,5 Prozent zum Vorquartal aus, denn die österreichische Wirtschaft erhält von der Auslandsnachfrage weiterhin einen kräftigen Schub", meint Bruckbauer. Nicht nur die ansteigende Stimmung in der exportorientierten Industrie, sondern auch die zu Jahresbeginn kräftig gewachsene Anzahl der Neuaufträge und die deutlich zugenommenen Auftragspolster im Sektor deuten darauf hin. Doch auch die Binnennachfrage wird im ersten Quartal einen spürbaren Beitrag zum Wachstum leisten. Wir erwarten für den privaten Konsum dank der anhaltend günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt eine Fortsetzung des moderaten, aber stabilen Aufwärtstrends. Insbesondere bei den Investitionen, sollte sich der bestehende Nachholbedarf in den kommenden Monaten in einem spürbaren Anstieg zeigen.

"Im weiteren Jahresverlauf 2011 wird die Wachstumsunterstützung durch die Auslandsnachfrage nicht mehr so stark sein, wie zu Jahresbeginn. Der Export wird aber über das gesamte Jahr 2011 den anhaltenden Wirtschaftsaufschwung in Österreich unterstützen", meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Insgesamt ist für 2011 von einem realen Anstieg der Exporte um 7 Prozent nach fast 11 Prozent im Vorjahr auszugehen. Die Entwicklung des privaten Konsums ist angesichts der eher moderaten Lohnaufwärtsentwicklung und der sich verlangsamenden Verbesserung am Arbeitsmarkt mit steigenden Risiken behaftet. Das niedrige Zinsniveau wird jedoch dazu beitragen, dass auf Kosten der Sparquote der Konsum sein recht stabiles Wachstum 2011 weitgehend fortsetzen sollte, wenn auch mit etwas sinkendem Tempo in der zweiten Jahreshälfte. Im Gesamtjahr wird der private Konsum um knapp 1 Prozent zulegen. "Die Aussichten für die Investitionen hellen sich weiter auf. Mit einem Anstieg um 3,5 Prozent werden die Investitionen sogar zum wichtigsten Wachstumsträger des Jahres 2011", so Pudschedl. Das Comeback der Investitionen ist eine Folge der angewachsenen Auftragsrückstände und der gestiegenen Kapazitätsauslastung in der Industrie, die bereits seit vielen Monaten den langfristigen Durchschnitt übersteigt. Belastet durch die budgetäre Zurückhaltung des öffentlichen Sektors werden sich die Bauinvestitionen nur schwach entwickeln. Der hauptsächliche Beitrag geht daher von den Ausrüstungsinvestitionen aus.

Die Wachstumsdynamik wird sich Verlauf des Jahres 2011 tendenziell etwas abschwächen. Mit Zuwachsraten um 0,3 bis 0,4 Prozent zum Vorquartal bleibt die Erholung der österreichischen Wirtschaft jedoch über das gesamte Jahr in Schwung. "Aufgrund der anhaltend günstigen Exportaussichten und insbesondere den verbesserten Investitionserwartungen haben wir unsere Wachstumsprognose für 2011 auf 2,3 Prozent angehoben. Damit zählt Österreich zu den wachstumsstärksten Ländern des Euroraums", meint Pudschedl.

Der Auftrieb aus dem Ausland überträgt sich 2011 zunehmend auf die Binnenwirtschaft und erhöht die Aussicht auf ein selbsttragendes, nachhaltiges Wachstum der österreichischen Wirtschaft. Während die Auslandsnachfrage im Vorjahr fast 80 Prozent zum Wirtschaftswachstum beitrug, wird 2011 die Inlandsnachfrage für knapp mehr als die Hälfte verantwortlich sein. "Der BIP-Anstieg wird 2011 in Österreich auf einer stabileren, ausgeglicheneren Basis als im Vorjahr stehen. Das macht die Konjunkturentwicklung resistenter gegenüber einzelnen Risikofaktoren", so Bruckbauer.

Auch für 2012 sind die Ökonomen der Bank Austria recht optimistisch. "Die Anzeichen für eine ungestörte Fortsetzung des Konjunkturaufschwungs im kommenden Jahr verdichten sich. Allerdings besteht eine Reihe von Risikofaktoren, die dafür sorgen, dass 2012 mit einem Anstieg des BIP um 2 Prozent eine etwas gedämpftere Dynamik als in diesem Jahr zu erwarten ist", meint Bruckbauer. Das zu erwartende Anziehen der noch lockeren geldpolitischen Zügel und die Eindämmung der Dynamik der öffentlichen Verschuldung werden ebenso wie die stark gestiegenen Rohstoffpreise das Wachstum belasten.

 Tabellen (PDF; 106 KB)

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
 Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957;
 E-Mail: Walter.Pudschedl@unicreditgroup.at

 zurück zur Übersicht