14.01.2011

Bank Austria Konjunkturindikator:
Erholung geht weiter, Tempo lässt etwas nach

  • Bank Austria Konjunkturindikator mit leichtem Rückgang im Dezember
  • Verbraucher etwas weniger optimistisch, Industrie dagegen in bester Stimmung
  • Langsamerer BIP-Anstieg im 4. Quartal um 0,7 Prozent, Wachstum Gesamtjahr 2010 plus 1,9 Prozent
  • 2011 Erholung auf breiterer Basis mit BIP-Anstieg um 2 Prozent


Die Konjunktur startet zwar kräftig ins neue Jahr, die dynamischste Erholungsphase scheint die österreichische Wirtschaft jedoch zum Jahreswechsel hinter sich gelassen zu haben. „Der Bank Austria Konjunkturindikator hat im Dezember das 3-Jahreshoch der beiden Vormonate nicht mehr ganz erreicht. Trotz des geringfügigen Rückgangs macht der aktuell hohe Wert von 3,5 Punkten aber deutlich, dass die österreichische Wirtschaft weiterhin ein beachtliches Tempo geht“, meint Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. Ungeachtet der mittlerweile erfolgten Überschreitung des Konjunkturhöhepunkts ist in den kommenden Monaten mit einer Fortsetzung der laufenden Erholung zu rechnen.

"Ungebrochen in bester Stimmung ist die heimische Industrie. Die Geschäftserwartungen wurden zum Jahreswechsel so günstig wie zuletzt Mitte 2007 eingeschätzt", sagt Bruckbauer. Die österreichische Industrie bewegt sich in einem günstigen europäischen Umfeld, in dem von den wichtigsten Handelspartnerländern der österreichischen Industrie derzeit mit steigender Zuversicht ins neue Jahr geblickt wird. "Für die leicht gebremste Entwicklung des Bank Austria Konjunkturindikators zum Jahreswechsel ist maßgeblich der abnehmende Optimismus der österreichischen Konsumenten verantwortlich", so Bruckbauer weiter. Wenn auch die Stimmungsschwankung durch das erst kürzlich beschlossene Budget 2011, das einige neue finanzielle Belastungen bzw. Steuererhöhungen vorsieht, überzeichnet sein dürfte, ist dennoch mit einer dauerhaft ruhigeren Grundstimmung der heimischen Verbraucher und folglich einer leicht dämpfenden Wirkung auf den privaten Konsum sowie den gesamtwirtschaftlichen Trend der kommenden Monate zu rechnen.

Bereits gegen Ende 2010 hat sich nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria die wirtschaftliche Dynamik in Österreich etwas verlangsamt. "Wir schätzen das Wirtschaftswachstum für das 4. Quartal 2010 nunmehr auf 0,7 Prozent zum Vorquartal, nach noch 0,9 Prozent im Herbst. Für das Gesamtjahr 2010 gehen wird unverändert von einem Anstieg des BIP um 1,9 Prozent aus", hält Stefan Bruckbauer fest. Während die Binnennachfrage im Schlussquartal 2010 an Stärke gewinnen konnte, was unter anderem die starken Einzelhandelsdaten anzeigen, hat die Dynamik im Export etwas an Tempo eingebüßt.

"Das Wirtschaftswachstum im Jahr 2011 wird mit 2,0 Prozent geringfügig höher als im Vorjahr ausfallen und erfreulicherweise auf einem ausgeglichenen Wachstumsmix basieren", so Bruckbauer. Mit der zu erwartenden Verlangsamung der weltweiten Erholung werden die Impulse für den österreichischen Außenhandel im laufenden Jahr nachlassen. So sinken die Wachstumserwartungen für unseren wichtigsten Handelspartner Deutschland von 3,6 Prozent 2010 auf 2,5 Prozent heuer. Das Exportwachstum wird im Gesamtjahr 2011 folglich geringer ausfallen als im Vorjahr, in dem mit geschätzten 15 Prozent nominell der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre erreicht wurde. Die bislang günstige Entwicklung der Auftragslage lässt erwarten, dass der Außenhandel jedoch auch im laufenden Jahr ein sehr wichtiger Wachstumsträger sein wird und zu rund 50 Prozent zum österreichischen Wirtschaftswachstum beitragen kann. Der Aufschwung fußt damit nicht mehr nur auf den Exporten wie es 2010 der Fall war. "Es zeigt sich, dass die positiven Effekte der weltweiten Erholung mehr und mehr auf die Binnennachfrage überschwappen. Die Erholung gewinnt an Breite, die Chance auf einen selbsttragenden Aufschwung nimmt zu", meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

"Österreich wird 2011 nicht mehr so stark am Tropf der Weltwirtschaft hängen. Die Binnennachfrage wird für die Hälfte der Wachstumsdynamik sorgen, etwa zu gleichen Teile vom privaten Konsum und den Investitionen getragen", so Pudschedl. Der private Konsum wird, gestärkt durch die Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt, insbesondere durch die kaum verminderte Zunahme der Beschäftigung, fast so stark wie 2010 zulegen. Die negativen Effekte durch die striktere Fiskalpolitik können weitgehend kompensiert werden. Die stark gestiegene Kapazitätsauslastung in der österreichischen Industrie, die günstige Auftragslage und die verbesserte Gewinn- und Liquiditätslage der Unternehmen werden im Jahresverlauf 2011 für Aufwind bei den Investitionen sorgen. Dieser wird zwar vorerst nur verhalten ausfallen, gedämpft durch die Zurückhaltung des öffentlichen Sektors, dennoch aber einen wesentlichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten können.

Sinkende Wachstumsunterschiede zwischen den Bundesländern 2011
Die Industrie und damit nachfrageseitig betrachtet die Exporte bleiben eine treibende Kraft der österreichischen Wirtschaft. Das bedeutet für die starken Industriebundesländer für 2011 hohe Wachstumserwartungen. Da der Wachstumsschwerpunkt von Vorleistungen und Investitionsgütern langsam in den Konsumgüterbereich übergehen wird, verbessern sich die Aussichten für breiter aufgestellte Industriebundesländer, wie Oberösterreich und Vorarlberg. Auch die Steiermark wird 2011 voraussichtlich zu den wachstumsstärkeren Bundesländern zählen. "Da 2011 die Binnennachfrage ganz entscheidend zum Wirtschaftswachstum in Österreich beitragen wird und damit die andauernde Erholung auf wesentlich ausgeglichenerer Basis als im Vorjahr basiert, sind nur geringe Wachstumsunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern zu erwarten", sagt Bruckbauer. Wien und das Burgenland werden 2011 zwar die Schlusslichter bilden, jedoch nur unwesentlich hinter dem durchschnittlichen Wachstum zurückbleiben.

Hinsichtlich der Verschuldungskrise erwarten die Ökonomen der Bank Austria vorläufig keine weitere Eskalation. "Auch wenn die Risiken im Euroraum weiterhin sehr hoch sind, so waren die Signale des Marktes und der Politik in den vergangenen Tagen doch ein erster Lichtblick", meint Bruckbauer.

 Grafiken und Tabellen


Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957;
E-Mail: Walter.Pudschedl@unicreditgroup.at 

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