20.05.2011

CEE Household Wealth and Debt Monitor 2011:
Die Bedingungen für die Haushalte normalisieren sich, doch Schwierigkeiten bleiben bestehen

  • Aufgrund der Sparneigung, die weiterhin stärker ist als die Konsumneigung, verzeichneten die Finanzvermögen der privaten Haushalte im vergangenen Jahr ein solides Wachstum, während die Wiedererstarkung der Risikoneigung das Wachstum anspruchsvollerer Produkte förderte
  • Die wirtschaftliche Erholung und die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt wirkten sich positiv auf die Stimmung der Konsumenten aus, doch die Erhöhungen der Lebensmittel- und Energiepreise könnten negative Auswirkungen auf die Kauffreudigkeit der Haushalte haben und die Bezieher niedriger Einkommen besonders hart treffen
  • Der Anstieg der Einkommen könnte zu einem gewissen Wiederaufleben der Kreditnachfrage der Haushalte führen

Die CEE-Volkswirtschaften zeigten 2010 überzeugende Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung, wobei die Bedingungen auf den inländischen Arbeitsmärkten und die verfügbaren Haushaltseinkommen weiterhin unbeständig und ungleichmäßig waren. Die positivere makroökonomische Umgebung bewirkte eine schrittweise Normalisierung der finanziellen Lage der Haushalte in Zentral- und Osteuropa. Alles in allem ist die Sparneigung weiterhin stärker als die Konsumneigung, wobei die starke Dynamik der Sparquote der Haushalte eindeutig eine positive Folge der allgemeinen Stärke des wirtschaftlichen Erholungsprozesses ist. Die Finanzvermögen der Haushalte der Region stiegen im vergangenen Jahr um kräftige 21 Prozent auf zirka 1.200 Milliarden Euro eine geringfügige Beschleunigung gegenüber den 19 Prozent des Jahres 2009. Gleichzeitig nahmen auch die Schulden der Haushalte mit einem jährlichen Zuwachs von 17 Prozent wieder zu. Dennoch weist das allgemeine Wachstum der Haushaltsverbindlichkeiten starke Unterschiede zwischen den Ländern auf, wobei eine Bereinigung um die Wechselkurseffekte ein moderateres Bild entstehen lässt. Das sind einige der wichtigsten Erkenntnisse des jüngsten "CEE Household Wealth and Debt Monitor", der vom CEE Strategic Analysis Department der UniCredit herausgegeben wird.

Die Erholung der Kapitalmärkte und die leicht erhöhte Risikoneigung führten zu einem soliden Wachstum der Finanzvermögen der Haushalte
"Die relativ positive Performance der Kapitalmärkte hat dazu beigetragen, den Wert der Finanzvermögen der Haushalte zu erhöhen, und neue Kapitalzuflüsse in differenziertere Finanzinstrumenten initiiert", so Gianni Franco Papa, Head of CEE Division in der UniCredit.

2010 verzeichneten dabei alle Anlageklassen mit Ausnahme der festverzinslichen Wertpapiere ein Wachstum. Der stärkste Zuwachs entfiel auf Rentenfonds, gefolgt von Anlagefonds und Bankeinlagen. Ein erkennbarer Unterschied zu 2009 besteht in dem viel schwächeren Wachstum der Devisenbestände; eine Entwicklung, die eine allgemeine Stärkung des Vertrauens als natürliche Reaktion auf die wirtschaftliche Erholung nach der Krise widerspiegelt. "Nach der Unterbrechung durch die Krise erwarten wir wieder eine schrittweise Rückkehr des Trends zu einer stärkeren Differenzierung der Finanzvermögen der Haushalte. Anlagefonds und Aktien sollten dabei auf kurze Sicht am schnellsten wachsen. Diese Entwicklung wird von den Bemühungen der lokalen Behörden unterstützt, die die Beteiligung Privater an IPOs fördern wollen. Dies ist zum Beispiel in Kasachstan zu beobachten, wo weitere Anreize für Investitionen der Haushalte in börsennotierte Aktien zu erwarten sind”, erklärt Fabio Mucci, Head of CEE Banking Analysis.

Die Entwicklung der finanziellen Lage der Haushalte Anfang 2011 sieht vielversprechend aus, ist aber weiterhin mit einer Reihe von Schwierigkeiten behaftet. Die kürzlich erfolgte Erhöhung der Lebensmittel- und Energiepreise sollte ebenso beobachtet werden wie die mit ihr verbundenen Risiken für die wirtschaftlichen Aktivitäten. Abgesehen von den negativen psychologischen Auswirkungen der wahrgenommenen Inflation auf das Konsumklima könnte der Preisanstieg übermäßig starke Auswirkungen auf die Kaufneigung der Haushalte haben, da diese einen hohen Prozentsatz ihrer Einkommen für diese Güter ausgeben. Dazu kommt, dass höhere Energie- und Lebensmittelpreise Bezieher niedriger Einkommen besonders hart treffen. Ein weiterer Risikofaktor sind die öffentlichen Sparprogramme, wobei der Großteil der Anpassungen in der CEE-Region wahrscheinlich bereits erfolgt ist. Auch die derzeitigen politischen Initiativen betreffend die Pensionssysteme sollten erwähnt werden. Die Renationalisierung von Pensions-programmen mit dem Ziel, Budgetlöcher zu stopfen, könnte der Branche der Pensionsfonds beträchtlichen Schaden zufügen und das Vertrauen in die Sicherheit dieser Vorsorgeinstrumente untergraben.

"Angesichts der zunehmenden Dynamik der wirtschaftlichen Erholung gehen wir davon aus, dass die weitere Normalisierung der Arbeitsmarktbedingungen und die Konsolidierung des Wachstums der verfügbaren Haushaltseinkommen in den nächsten Jahren die Schlüsseltreiber für das Wachstum der Nettovermögen bleiben werden", erläutert Fabio Mucci. Insgesamt wird das als Prozentsatz des BIP ausgedrückte finanzielle Nettovermögen infolge der Erholung des privaten Konsums in diesem Jahr marginal ansteigen. Die Bereitschaft zu Kreditaufnahmen wird von ca. 27 Prozent im Jahr 2010 geringfügig auf 26 Prozent zurückgehen und schließlich infolge eines stabilen Aufwärtstrends im Jahr 2015 bei 32 Prozent liegen.

Die Kreditvergabe hat sich nach und nach wieder erholt, doch ihre Dynamik wird durch die fragile Erholung der verfügbaren Einkommen weiterhin belastet
"Die schrittweise Verbesserung der Situation auf dem Arbeitsmarkt und das solidere Einkommenswachstum sollten auch zu einer Wiedererstarkung der Kreditnachfrage der Haushalte führen. Das allgemeine Wachstumstempo wird jedoch vermutlich unter dem Niveau vor der Krise bleiben", erklärt Gianni Franco Papa, "Die Banken werden auch in Zukunft voraussichtlich mehr Hypotheken als Konsumentenkredite gewähren. Der Grund dafür liegt einerseits in der Durchdringungslücke mit diesem Finanzierungsprodukt und andererseits im steigenden Bedürfnis der Haushalte, die Wohnsituation zu verbessern." Die Einschränkungen für Fremdwährungskredite, die in einigen Ländern eingeführt wurden, und die strengeren regulatorischen Vorschriften könnten jedoch das Wachstum in diesem Segment bremsen. Hypotheken in lokalen Währungen könnten sich zu einer Alternative entwickeln, doch dies erfordert stärkere politische Bemühungen zur Verbesserung der Verfügbarkeit langfristiger Finanzierungen in lokalen Währungen und zur Entwicklung der inländischen Kapitalmärkte.

Obwohl die vollständige Lösung der Probleme mit notleidenden Kredite noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte, sollte eine weitere Normalisierung der Kreditqualität grundsätzlich zu einer erneuten, breiteren Beschleunigung der Kreditaktivitäten führen. Notleidende Kredite von Haushalten haben in einigen Ländern wie in der Türkei und in Estland bereits ihren Höchststand erreicht, während dies in den restlichen Ländern der Region je nach der Lage in den einzelnen Ländern erst zwischen dem ersten Halbjahr 2011 und dem Jahresende der Fall sein könnte.

Als führende Bank in CEE sieht sich UniCredit in einer guten Position, um die zu erwartende steigende Konsumentennachfrage im Zuge des Aufschwungs zu nutzen. Nachdem die europäische Bankengruppe Maßnahmen zur Konsolidierung ihres Geschäftsmodells hinter sich gebracht hat, setzt sie jetzt auf strategische Maßnahmen zum Ausbau eines nachhaltigen Geschäftswachsums und eines positiven Kundenerlebnisses. "Die Wahrnehmungen unserer Kunden stehen im Zentrum der Retail-Strategie der UniCredit in CEE", so Gianni Franco Papa, Head of CEE Division, "Die Verbesserung der Zugänglichkeit unserer Bankservices und die größere Nähe zu unseren Kunden werden entscheidend für die Akquisition und die Entwicklung von zusätzlichem Geschäft sein. Aus diesem Grund investieren wir in die Erweiterung unseres Netzwerks, in alternative direkte Kanäle und in CRM."

UniCredit
Die UniCredit ist eine führende europäische Bank mit starker Verankerung in 22 Ländern. Unser globales Netzwerk umfasst annähernd 50 Märkte mit über 9.600 Niederlassungen und mehr als 162.000 Mitarbeitern (per 31. Dezember 2010). Unser zentrales Anliegen ist es, die Lebenssituationen und Bedürfnisse unserer Kunden bestmöglich zu verstehen, konkrete Antworten zu geben und sie bei ihren täglichen Herausforderungen und Chancen zu unterstützen.
In der Region CEE betreibt die UniCredit das größte internationale Bankennetz mit nahezu 3.900 Filialen. Die Gruppe ist in Österreich, Aserbeidschan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Estland, Deutschland, Ungarn, Italien, Lettland, Litauen, Kasachstan, Kirgistan, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, der Slowakei, Slowenien, der Türkei und der Ukraine tätig.

Rückfragen: International Media Relations 
 Tiemon Kiesenhofer, Telefon: +43 (0) 50505 - 56036 
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