06.04.2011

UniCredit Economics & FI/FX Research:
CEE behauptet sich gegen widrige Umstände

  • Globale Wachstumsdynamik begünstigt weiterhin CEE; externe Nachfrage zieht im ersten Quartal stärker an als erwartet, Inlandsnachfrage bleibt jedoch in einigen Ländern der Region schwächer
  • Höhere Rohstoffpreise haben in den einzelnen Ländern unterschiedliche Auswirkungen und beunruhigen zunehmend einige Zentralbanken in CEE
  • Die Handels- und Finanzbeziehungen zu Japan stellen kein Risiko dar, während die Risiken von der EWU-Peripherie überschaubar sind; in einem freundlichen Szenario sollte der Einfluss der Ereignisse in Japan neutral bis positiv für die wirtschaftlichen Aktivitäten in CEE sein
  • Die globalen Kapitalströme fließen auch wieder verstärkt nach Mittel- und Osteuropa
  • Die Daten 2011 bestätigen die erwartete BIP-Zugewinne von insgesamt beinahe 4 Prozent für CEE

Das BIP Zentral- und Osteuropas wird 2011 um insgesamt fast 4 Prozent wachsen. Gleichzeitig werden alle Länder, die das internationale Bankennetzwerk der UniCredit abdeckt, zum ersten Mal in vier Jahren wieder einen Zuwachs berichten. Dies ist erneut ein zentrales Ergebnis der aktuellen Ausgabe des "CEE Quarterly", der Vierteljahresanalyse der UniCredit Economics & FI / FX Research. Alle für das heurige Jahr bisher veröffentlichten Daten unterstützen diese Ansicht der UniCredit-Analysten. So hat beispielsweise der EinkaufsManagerIndex für den Produktionsbereich in den beiden ersten Monaten 2011 um weitere 1,2 Punkte auf 56,9 zugelegt und damit einen absoluten historischen Höchststand erreicht. Die Vorzeichen für das Wachstum in CEE stehen demnach eher auf Beschleunigung denn auf Verlangsamung. In dieser anhaltenden Phase der Wirtschaftserholung sind die steigenden Rohstoffpreise zum bedeutendsten Unsicherheitsfaktor geworden.

"Unsere größte Sorge sind derzeit die Rohstoffpreise. Die lokalen Notenbanken in CEE sind unterschiedlicher Ansichten, was die Auswirkungen ihres Anstieges betrifft - je nach dem, ob ihr Land ein Ölimporteur oder Ölexporteur ist", sagt Gillian Edgeworth, Leiterin von EEMEA Economics in der UniCredit. "Höhere Rohstoffpreise stellen ein ebenso großes Aufwärtsrisiko für die Inflation dar wie sie ein Abwärtsrisiko für das Wachstum sind." Die Konjunktur in den
GUS-Staaten sollte indes von den weltweit gestiegenen Energiepreisen profitieren können. Dieses Szenario wird allerdings teilweise durch die Tatsache in Frage gestellt, dass Russland und Kasachstan jüngst steigende Lebensmittelpreise zu verzeichnen hatten. Trotzdem ist hier die Erholung der Inlandsnachfrage bereits wesentlich stabiler, sodass man folglich mit dieser Herausforderung zurande kommen sollte. Außerdem haben beide Länder seit der Krise einen bedeutenden Rückgang der Arbeitslosigkeit und sehr starkes Reallohnwachstum verzeichnet.

Unter den Energieimporteuren sind die Abwärtsrisiken für das Wachstum in der Türkei eher überschaubar, und in einem geringeren Ausmaß auch in Polen. Die neuesten Daten für Polen zeigen ein Beschäftigungswachstum von über 4 Prozent, die  Reallöhne haben hingegen um deutlich weniger als ein 1 Prozent zugelegt. Die Türkei wiederum verzeichnet die höchste Zunahme von Löhnen und Gehältern nach der GUS in der Region. Zwar zieht jede Erhöhung des Ölpreises um 10 US-Dollar eine Steigerung der Leistungsbilanzdefizite dieser Länder um 0,4-0,5 Prozentpunkte nach sich, doch können beide Länder bis heute ausreichend Kapital importieren, um eine solche Defizitausweitung zu finanzieren. "Höhere Öl- und Lebensmittelpreise bedeuten, dass die Inflationsziele für viele Zentralbanken in der Region derzeit außer Reichweite sind. Die Tschechische Republik und die Türkei sind die einzigen Länder in der Region, die eine Inflation unter der Zielmarke melden", stellt die Chefökonomin fest, "Die Zentralbanken sind sich dabei sehr bewusst, dass zur Bekämpfung der Inflation eine Stabilisierung der Lebensmittel- und Ölpreise erforderlich ist, und keine Reduktion. Sollten die Ernten heuer besser ausfallen als im Vorjahr, könnte das die Lebensmittelpreise entlasten." Trotz allem bringen die ungewissen Aussichten bezüglich der Rohstoffpreise und die eigentlich beherrschbare Kerninflation die Zentralbanken in ein Dilemma.

Die Handels- und Finanzbeziehungen zu Japan stellen kein Risiko dar. In einem freundlichen Szenario sollte der Einfluss der Ereignisse neutral bis positiv für die wirtschaftlichen Aktivitäten in CEE sein. Was einen möglichen Rückgang der japanischen Importnachfrage betrifft, sollten die Auswirkungen auf die Region leicht zu bewältigen sein. In den zwölf Monaten bis Oktober 2010 sind 1,5 Prozent aller CEE-Exporte nach Japan gegangen. Auch die Auswirkungen mit Bezug auf jenen Teil der CEE-Exporte, die zuerst nach Deutschland und von dort nach Japan gehen, sind vernachlässigbar. Selbst wenn Zentral- und Osteuropa von einer Belebung des japanischen Wachstums im Zuge des Wiederaufbaus nicht unmittelbar zu profitieren vermag, so kann die Region doch in dem Ausmaß daran partizipieren, in dem China in diese Aktivitäten involviert ist. CEE exportiert schließlich 2,5 Mal mehr Güter nach China als nach Japan. Die UniCredit-Analysten schließen zudem nicht aus, dass die Automobilindustrie in CEE von Produktions¬ausfällen in anderen Teilen der Welt zu profitieren kann. Die finanziellen Verbindungen sind indes schwach ausgeprägt: Laut BIZ-Daten liegt die Forderungen japanischer Banken an CEE bei bescheidenen 20,9 Milliarden US-Dollar, wobei 9,3 Milliarden US-Dollar auf Russland und 3,2 Milliarden US-Dollar auf die Türkei entfallen. Zum Vergleich: Per Ende des dritten Quartals 2010 beliefen sich die Gesamtverbindlichkeiten der CEE-Region gegenüber europäischen Banken auf 1.263 Milliarden US-Dollar.

Später als in andere Emerging Markets-Regionen fließt jetzt dank verbesserter Fundamentaldaten und Positionierung wieder mehr Kapital nach CEE. Mit Ausnahme von Polen und Türkei waren die Monate von Juli bis September 2010 das erste Quartal seit der Krise, in dem CEE als Region eine sehr bescheidene Rückkehr der Kapitalflüsse verzeichnen konnte. Vor allem die GUS und der Balkan mussten wesentlich länger als andere CEE-Länder Kapitalabflüsse hinnehmen. "Bei den Nachzüglern werden Anzeichen eines Aufholprozesses sichtbar. Wir machen dafür in erster Linie zwei Faktoren verantwortlich: Zunächst haben die Zentralbanken in anderen Emerging Markets-Regionen ihre Bemühungen, die Kapitalzuflüsse zu bremsen, verstärkt. Und zum zweiten hat sich die Makro-Performance einiger Länder in der Region – teilweise aufgrund von IWF-initiierten Reformen, teilweise aufgrund höherer Rohstoffpreise – verbessert", erklärt Gillian Edgeworth. Da Polen und die Türkei bereits einen überproportional hohen Anteil an Zuflüssen von kurzfristigem Kapital verbuchen konnten, erscheinen sie auch am anfälligsten für Abflüsse in dem Fall, dass sich der globale Risikoappetit wieder verschlechtert. Aus diesem Grund wäre es vorteilhaft, wenn sich die Art der Kapitalzuflüsse in dieser Phase ändern würde.

UniCredit
Die UniCredit ist eine führende europäische Bank mit starker Verankerung in 22 Ländern. Unser globales Netzwerk umfasst annähernd 50 Märkte mit über 9.600 Niederlassungen und mehr als 162.000 Mitarbeitern (per 31. Dezember 2010). Unser zentrales Anliegen ist es, die Lebenssituationen und Bedürfnisse unserer Kunden bestmöglich zu verstehen, konkrete Antworten zu geben und sie bei ihren täglichen Heraus-forderungen und Chancen zu unterstützen.
In der Region CEE betreibt die UniCredit das größte internationale Bankennetz mit nahezu 3.900 Filialen. Die Gruppe ist in Österreich, Aserbeidschan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Estland, Deutschland, Ungarn, Italien, Lettland, Litauen, Kasachstan, Kirgistan, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, der Slowakei, Slowenien, der Türkei und der Ukraine tätig.

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 Tiemon Kiesenhofer, Telefon: +43 (0) 50505 - 56036 
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