19.01.2011

CEE-Bankenstudie 2011:
Umbau der Geschäftsmodelle, doch weiter Chancen für Banken in CEE

  • In der derzeitigen Situation nach der Krise erfordern die gestiegenen Liquiditäts- und Risikokosten einen Umbau des Geschäftsmodells der Banken in Richtung diversifizierter Kreditvergabestrategien sowie einen Fokus auf nachhaltiges Wachstum
  • Die Themen "wirtschaftliche Konvergenz" und "Finanzdienstleistungslücke" sind nach wie vor aktuell und erweisen sich als die entscheidenden Faktoren für das Aufwärtspotenzial im Bankenwesen der CEE-Region
  • Erfolgsentscheidend im CEE-Banking sind der Zugang zu Kapital und Finanzierungen, eine gute Positionierung und die richtige Portion Risikobereitschaft. UniCredit bekräftigt ihr Engagement in der Region, dem Wachstumsmotor der Gruppe

Obwohl Zentral- und Osteuropa von der Krise hart getroffen wurden, bietet das Bankgeschäft in der Region weiterhin gute Chancen. So lautet eine der wesentlichen Feststellungen in der neuesten Bankenstudie des Bereiches CEE Strategic Analysis in der UniCredit. Die "Finanzdienstleistungslücke" und die "wirtschaftliche Konvergenz" bleiben mittel- bis langfristig ein Thema und bilden die Grundlage für die Aufwärtsentwicklung des Bankenwesens in der Region. Allerdings muss das Bankgeschäft, das in der Vergangenheit weitgehend extern finanziert war, nun umgebaut werden. Der Schwerpunkt verschiebt sich dabei immer mehr in Richtung eines nachhaltigen Wachstums, während Risikokontrolle und Effizienz wie schon bisher im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Risiken wird es weiterhin geben, unter anderem in Form von Auflagen der Aufsichtsbehörden.

Wirtschaftliche Konvergenz und Finanzdienstleistungslücke bleiben ein Thema
Nach dem für 2010 erwarteten durchschnittlichen Wachstum von 3,6 Prozent in der CEE-Region prognostizieren die Research-Experten von UniCredit für 2011 eine Beschleunigung des Wachstums auf rund 3,8 Prozent. Zugleich werden große Unterschiede im Wachstumsausblick prognostiziert, wobei Zentraleuropa, die Türkei und die GUS-Staaten sukzessive auf den richtigen Weg zurückkehren, während Südosteuropa noch hinterherhinkt und mit diversen Restrukturierungsproblemen zu kämpfen hat.
"Die Krise hat das langfristige Potenzial in Zentral- und Osteuropa nicht beeinträchtigt, was die ‚Konvergenzgeschichte’ betrifft", erklärt Gianni Franco Papa, der neue Chef der CEE-Division in der UniCredit. "Das regionale Wachstumsmodell, das auf Kapitalzuflüssen, immer besserer Wettbewerbsfähigkeit und einem höheren Lebensstandard beruht, ist nach wie vor intakt. Dasselbe gilt auch für die nur unzureichend angebotenen Finanzdienstleistungen." So dürfte die Marktdurchdringung mit Hypothekenfinanzierungen im Verhältnis zum BIP 2010 ein Niveau von 8 Prozent erreicht haben. Dagegen verzeichnet der Euroraum ganze 40 Prozent – Hinweis auf ein noch ungehobenes Marktpotenzial. Dass es in der Region noch etwas aufzuholen gilt, wird auch im Firmenkundengeschäft sichtbar. Kredite für den Unternehmenssektor machen in CEE 26 Prozent des BIP aus, in der Eurozone hingegen 52 Prozent, und das Angebot an Finanzdienstleistungen für Unternehmenskunden ist bis heute in Tiefe und Diversifizierung mit jenem, wie es in reiferen Märkten ganz selbstverständlich ist, keineswegs zu vergleichen.

Konvergenz und Marktdurchdringung bilden die Grundlage für das erwartete mittel- bis langfristige Aufwärtspotenzial im CEE-Banking. Das Bankgeschäft in der Region wird weiterhin rascher wachsen als jenes in reiferen Märkten, aber das potenzielle Wachstum dürfte doch unter Vor-Krisen-Niveau bleiben, weil die Konvergenzfaktoren zukünftig einen geringeren Einfluss haben werden als bisher.

"Will man für Ausgewogenheit im makroökonomischen Modell sorgen, so muss man das Bankgeschäft verändern", sagt Debora Revoltella, die Leiterin von CEE Strategic Analysis in der UniCredit Bank Austria, "Das Bankgeschäft in der CEE-Region hat vor der Krise vor allem auf einem dynamischen Kreditwachstum beruht, das weitgehend extern finanziert war." Unter Einsatz der reichlich vorhandenen internationalen Liquidität und bei geringen Kosten für das Länderrisiko konnten die lokalen Banken angesichts niedriger inländischer Sparquoten das Wachstum durch die Finanzierung inländischer Kredite über internationale Kapitalzuflüsse unterstützen. Privatkunden- wie Fremdwährungskredite boomten. "Bedenkt man die höheren Finanzierungskosten und die Kosten des Länderrisikos, die heute ebenfalls gestiegen sind, so benötigen wir einen verstärkten Fokus auf inländische Refinanzierungen. Außerdem könnten die Kreditstrategien in Zukunft stärker diversifiziert werden und damit das langfristige Wirtschaftswachstum besser unterstützen. Das könnte zugleich weniger Verbraucherkredite bedeuten, zumindest in der derzeitigen Erholungsphase, dafür aber mehr Unternehmenskredite, insbesondere für den exportorientierten Produktionssektor", meint Revoltella. Unter diesen Umständen werden Unternehmenskredite wohl zum Motor für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum in der Region werden.

Besserer kurzfristiger Ausblick, doch Risiken bleiben bestehen
Die Wirtschaftskrise äußerte sich zunächst als Liquiditätsengpass, gefolgt von rasch zunehmenden Problemen mit der Kreditqualität, die mit einer Kreditklemme einhergingen. Parallel zur neuerlichen Erholung im zweiten Halbjahr 2010 stabilisierte sich auch die Dynamik bei den problematischen Anlagen. Dies verstärkte wiederum Anzeichen, wonach der Höhepunkt der notleidenden Kredite zwischen Ende 2010 und Anfang 2011 erreicht gewesen sein könnte. "Was die Profitabilität des Bankgeschäfts betrifft, so hat sich 2011 als ebenso schwierig erwiesen wie 2009, weil etwas geringeren Rückstellungserfordernissen auf der eine Seite eine geringere Ertragskraft auf der anderen gegenüberstand", konstatiert Ökonomin Debora Revoltella. "Ein vollständiger nachfrageseitiger Wiederaufschwung wird für die Frage entscheidend sein, ob wir eine neuerliche Dynamik der Kreditaktivitäten und des Bankgeschäfts insgesamt erleben können." Revoltella rechnet in der Region für dieses Jahr mit einer Stärkung der Ertragsfähigkeit der Banken, stellt jedoch fest, dass die Aufschwungbewegung eher moderat ausfallen wird.

Neue Herausforderungen
Hand in Hand mit den Veränderungen der Wettbewerbslandschaft im globalen Bankgeschäft kann der rauere Wind, der seit der Krise in CEE weht, weitere Änderungen nach sich ziehen. Während die internationalen Anleger, die in den letzten zehn Jahren in der Region tätig waren, ihr starkes Engagement für Zentral- und Osteuropa neuerlich bekräftigen, könnte das Streben nach einer optimalen Positionierung M&A-Aktivitäten oder einen Austausch von Unternehmensteilen auslösen, gleichzeitig haben Neulinge in einigen CEE-Ländern und auf regionaler Ebene bereits ihr Interesse bekundet.

"Vor diesem Hintergrund dürften zwischen den in der Region tätigen internationalen Playern vor allem die Fähigkeit, eine solide Finanzierungsbasis und Kapitalposition gekonnt einzusetzen, aber auch ein guter Zugang zu internationalen Märkten und eine günstige Positionierung zunehmend zu entscheidenden Erfolgsfaktoren werden", so UniCredit Manager Gianni Franco Papa. Wie die Volkswirte von UniCredit bereits im Vorjahr betont haben, stellt auch die Risikobereitschaft einen erheblichen Unterscheidungsfaktor zwischen Gewinnern und Verlierern dar. Papa betrachtet die UniCredit Group als gut aufgestellt, um vom anhaltenden Aufschwung in der Region zu profitieren. Die Verfügbarkeit von Kapital und Finanzierungen (samt der Absicht der Gruppe, mehr Kapital in CEE einzusetzen), das größte Filialnetz mit einer starken Positionierung in besonders dynamischen Märkten der Region und gute Fähigkeiten im Einsatz von Gruppenkompetenzen bilden demnach die Basis für den zukünftigen Erfolg der Gruppe.

Künftige Herausforderungen
Die Herausforderungen der Zukunft bestehen für das Bankenwesen der Region unter anderem im zunehmenden nationalen und internationalen regulatorischen Druck. Kurzfristig bereiten die Konzentration auf eine Regulierung des Devisengeschäfts sowie die Implementierung allzu fordernder Bankenabgaben Sorge. Mittelfristig wird die Herausforderung aber in der Umsetzung von Basel III liegen. “Zwar ist nach der Krise eine gewisse Regulierung durchaus willkommen, jedoch schürt sie auch Ängste, das Ganze könnte mit einer Bestrafung in Form übertriebener Barrieren im grenzüberschreitenden Bankgeschäft, das ja bislang die Grundlage der wirtschaftlichen und finanziellen Konvergenz Zentral- und Osteuropas war, enden", sagte Revoltella.

 CEE-Banking Study - Präsentation englische Version (PDF; 933 KB)
 CEE Banking Outlook - Publikation englische Version (PDF; 890 KB)

UniCredit
UniCredit ist ein bedeutendes internationales Finanzinstitut mit starken Wurzeln in 22 europäischen Ländern und einem internationalen Filialnetz in rund 50 Märkten. Per 30. September 2010 verfügte die Bank über rund 9.600 Filialen und mehr als 161.000 Mitarbeiter.

In Zentral- und Osteuropa betreibt UniCredit das größte internationale Bankennetz mit knapp 3.900 Filialen.

Die Gruppe ist in folgenden Ländern tätig: Österreich, Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechische Republik, Estland, Deutschland, Ungarn, Italien, Lettland, Litauen, Kasachstan, Kirgisien, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Türkei und Ukraine


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