06.10.2009

Zins- und Währungsausblick für das 4. Quartal 2009:
Kapitalmärkte haben Turnaround nach Krise geschafft

  • Niedriges Geldmarktniveau in Euroraum und USA bis zum Jahresende
  • Potenzial für weitere positive Revisionen vorhanden
  • Kein festerer US-Dollar in Sicht, osteuropäische Währungen holen gegenüber Euro auf

Die Konjunkturpakete und Liquiditätsspritzen der verschiedenen Staaten und Notenbanken zeigen Wirkung. Mit scheinbar unbegrenzten Mitteln ist es gelungen, einen sich selbst verstärkenden Feedbackprozess aus sinkenden Ausfallswahrscheinlichkeiten einzelner Staaten, steigenden Aktienkursen, festeren osteuropäischen Währungen und einer verbesserten Unternehmensstimmung in Gang zu setzen. "Wirft man einen Blick auf Vorlaufindikatoren wie die globalen Einkaufsmanagerindizes, drängt sich tatsächlich die Hoffnung auf eine V-förmige Konjunkturerholung auf. Selbst die US-Häuserpreise, Auslöser der Finanzmarktkrise und damit der Ursprung allen Übels, bekommen wieder Boden unter die Füsse", sagt Helmut Bernkopf, Bank Austria Vorstand Corporate & Investment Banking.

Betrachtet man heute die Ertragsentwicklung der verschiedenen Assetklassen im bisherigen Jahresverlauf erscheint die Krise als ein böser Traum. Mit Ausnahme diverser Indizes für den Kunstmarkt haben alle Investmentkategorien den Umschwung geschafft und weisen positive Renditen aus.

"Prinzip Hoffnung" – Viele Indizien deuten auf wirtschaftliche Erholung hin
Auch die sogenannten "Staff Forecast" der Europäischen Zentralbank spiegeln sehr gut die "schöne, neue Welt" wider. Erstmals seit etlichen Quartalen sind wieder positive Wachstumsrevisionen zu sehen. "Besonders erfreulich daran ist, dass die positiven Revisionsdeltas nicht von heute auf morgen ihre Richtung ändern, sondern über die nächsten Wochen und Monate anhalten dürften", hält Michael Rottmann, Leiter Globale Zins- und Währungsstrategie der UniCredit Group, fest, "Behalten unsere Volkswirte mit ihrer Wachstumsprognose für Euroland von plus 0,8 Prozent 2010 Recht, dann ist auch in den kommenden Monaten jede Menge Potenzial für einen anhaltenden positiven Revisionstrend gegeben."

"Staff Forecast" der EZB Volkswirte

Prognose (Midpoint) vom

Wachstum

 

Inflation

 

 

2009

2010

2009

2010

Dez-07

2.1%

 

1.8%

 

Mar-08

1.8%

 

2.1%

 

Jun-08

1.5%

 

2.4%

 

Sep-08

1.2%

 

2.6%

 

Dez-08

-0.5%

1.0%

1.4%

1.8%

Mar-09

-2.7%

0.0%

0.4%

1.0%

Jun-09

-4.6%

-0.3%

0.3%

1.0%

Sep-09

-4.1%

0.2%

0.4%

1.2%


Dieser Optimismus wird zudem von der Absicht der Notenbanken, nicht übereilt eine Leitzinsnormalisierung bzw. Exitstrategie einzuschlagen, unterstützt. Das niedrige Geldmarktniveau im Euroraum und in den USA dürfte damit auch am Jahresende noch gelten. Den 3M Euriborsatz sieht das Global Research der UniCredit Group demnach unter 1 Prozent, der 3M Eurodollarsatz sollte deutlich unter 0,5 Prozent liegen. Die 10-jährigen Swapsätze dürften nur wenige Basispunkte über dem aktuellen Niveau liegen.

US-Notenbank wird Exitstrategie vermutlich im 2. Halbjahr 2010 ankündigen
2010 dürfte der Trend hingegen nach oben gerichtet sein. Obwohl es in den ersten sechs Monaten noch keine Leitzinsanhebungen geben sollte, wird die US-Notenbank die Marktteilnehmer wohl rhetorisch auf den Beginn des Normalisierungsprozesses im zweiten Halbjahr vorbereiten. Die EZB wird wahrscheinlich erst im 1. Quartal 2011 mit der Umsetzung ihrer Ausstiegsstrategie beginnen. Trotzdem werden sich die Geldmarkt- und Swapsätze zum Ende des 1. Halbjahres 2010 auf einem deutlich höheren Niveau bewegen. Im Euroraum erwartet Rottmann den 3M Euriborsatz bei knapp über 1 Prozent, in den USA ist mit einem Anstieg auf 0,85 Prozent zu erwarten. Die 10-jährigen Swapsätze dürften im Euroraum auf 4 Prozent, in den USA auf 4,2 Prozent anziehen.

Entsprechend wird auch die Währungsentwicklung verlaufen. "Beflügelt von einem anhaltenden Optimismus und damit steigenden Risikoappetit wird die im sicheren Hafen der Staatsanleihen geparkte Liquidität wieder nach und nach in risikoreichere Assetklassen geleitet werden. Einen Großteil dieser Bewegung haben wir zwar schon in den vergangenen Monaten gesehen, weitere Shifts werden aber folgen", meint Bernkopf. Dies ist gleichbedeutend mit einer anhaltenden Befestigung der Rohstoffpreise, von Aktienkursen und dem Carry-Trade-Ansatz im Währungsbereich.

Der CHF und JPY werden sich in den kommenden Monaten sukzessive in Richtung 1,55 und 140 gegenüber dem EUR abschwächen. Die osteuropäischen Währungen werden hingegen nicht nur analog mit dem EUR aufwerten, sondern dürften ihrerseits gegenüber dem EUR nochmals leicht an Boden gewinnen. Ein Sonderfall wird der EUR-USD Wechselkurs bleiben. Die USD-Argumentation des Global Research der UniCredit Group geht über den monokausalen Einfluss von Carry-Aspekten hinaus. "Auch wenn die weltweite ‚konjunkturelle Heilung’ in den USA ihren Ausgang nehmen wird, ist die Schlussfolgerung eines festeren USD verfrüht. Die Trends des USD sollten anders interpretiert werden", sagt Michael Rottmann, "Schlechte Neuigkeiten, aus welchem Teil der Welt auch immer, sind gute Neuigkeiten für den USD. Denn die meisten Währungen haben unter apokalyptischen Szenarien mehr zu verlieren, ihre Kreditwürdigkeit oder gar ihre Existenz."

Der Euro ist dafür das schillerndste Beispiel. So wurde der Euro seit der Lehman Pleite bis ins 1. Quartal 2009 hinein weniger als gemeinsames Ganzes, sondern als seine am stärksten angeschlagenen aktuellen und potenziellen Mitgliedsländer wahrgenommen. Der negative Ratingdrift innerhalb des Euroraums und die massiv gestiegenen impliziten Ausfallswahrscheinlichkeiten für Osteuropa – ablesbar an den CDS-Levels – machen dies anschaulich. Mit dem Stimmungsumschwung in Richtung einer "globalen Heilung" hat sich das Bild umgekehrt. Dieser Trend sollte sich in einem EUR-USD Wechselkurs manifestieren, der sich Richtung 1,55 bewegt.

Szenarioumfrage: 43 Prozent glauben an "Neue Normalität", Prognoseunsicherheit hoch
Im Rahmen ihrer Szenarioumfrage hat das Global Research der UniCredit Group im August 2009 Firmenkunden und Finanzmarktteilnehmer befragt, welches der vier folgenden Szenarien ihrer Meinung nach das makroökonomische Umfeld der Jahre 2011 bis 2016 im Euroraum skizziert:

Szenario

 

durchschnittliches Wachstum 2001 - 2016

durchschnittliche Inflation 2011 - 2016

 

 

 

 

ZZ

Zurück in die Zukunft

1.5% - 2.5%

um 2%

NN

Neue Normalität

0.5% - 1.5%

0% - 2%

JS

Japanischer Stil

Null Wachstum, multiple Rezessionen

leicht negativ

II

Implodierende Inflation

 

5% - 10% über mindestens 2 Jahre


Es gab zwar mit 43,0 Prozent aller abgegebenen Stimmen eine klar erkennbare Mehrheit für die "Neue Normalität" (NN), doch die restlichen Szenarien mit ihren teils gravierend unterschiedlichen Implikationen für die Finanzmärkte lagen erschreckend knapp beieinander. So erhielt „Zurück in die Zukunft“ (ZZ) 18,4 Prozent, "Japanischer Stil" (JS) 17,5 Prozent und "Implodierende Inflation" (II) 21,1 Prozent. "Aber nicht nur die damit weite Streuung der Risikoszenarien ist erschreckend. Ein Best-Case-Szenario besitzt in ‚normalen Zeiten’ eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 70 Prozent oder mehr. Nur 43 Prozent aller Stimmen für das wahrscheinlichste Szenario verdeutlichen eine extreme Unsicherheit", so Michael Rottmann, Leiter Globale Zins- und Währungsstrategie der UniCredit Group.

In die Zukunft geschaut wird man mit einer "Neuen Normalität" leben können. Sicherlich, die Konsequenzen für die Finanzmärkte sind eher unspektakulär: Renditen über einen langen Zeitraum in wenig aufregenden Sphären. Die Geldpolitik wird quälend langsam normalisiert. Risikoreiche Assetklassen dürften die Erträge von Staatsanleihen übertreffen, aber keinesfalls dramatisch. Die krisenhafte Zuspitzung zwischen September 2008 und März 2009 sollte hingegen eine einmalige Lebenserfahrung bleiben.


Rückfragen: Bank Austria Pressestelle Österreich
Tiemon Kiesenhofer, Tel. +43 (0)5 05 05 DW 52819
E-Mail: tiemon.kiesenhofer@unicreditgroup.at

 zurück zur Übersicht