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30.03.2009

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im März:
Kein Frühlingserwachen in Österreichs Industrie

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex im März wieder gesunken
  • Anhaltende Auftragsflaute verstärkt Produktionsrückgang
  • Kostendruck führt zu Rekordabbau von Mitarbeitern
  • Vorleistungen deutlich verbilligt, auch Verkaufspreise fallen
  • Exportnachfrage entscheidet: Kein Industriewachstum vor 2010

Die schwierige Lage der österreichischen Industrie verschärft sich weiter. Der saisonbereinigte Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) ist im März wieder gesunken und liegt mit 33,7 Punkten nur geringfügig über dem Allzeittief vom Jänner. Seit einem Jahr befindet sich der Indikator bereits unter der Neutralitätslinie von 50. „Seit zwölf Monaten ist die heimische Industrie in einer Abschwungsphase und darüber hinaus hat sich die Fallgeschwindigkeit laufend erhöht“, meint der stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria Stefan Bruckbauer. Die jüngsten Werte des Bank Austria EinkaufsManagerIndex deuten an, dass sich das Tempo der Talfahrt zu konsolidieren beginnt. „Auch zu Frühlingsbeginn schrumpft die österreichische Industrie, lediglich die Stärke des Abwärtstrends pendelt sich nun auf ein stabiles Niveau ein“, so Bruckbauer weiter und ergänzt: „Von einer Konsolidierung oder gar einem Auffrischen der Industriekonjunktur sind jedenfalls keine Anzeichen zu erkennen.“

Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria stehen der österreichischen Industrie noch sehr harte Zeiten bevor, ehe eine Bodenbildung eintreten wird. Auf breiter Basis haben sich im März die Umfrageergebnisse verschlechtert. Die Auftragspolster der heimischen Unternehmen werden immer dünner und neue Aufträge kommen immer seltener herein. Insbesondere aus dem Ausland lässt die Nachfrage immer stärker nach. Es überrascht daher nicht, dass die Industrie im März die Produktionsleistung noch stärker zurückgefahren hat als im Vormonat. Der entsprechende Index fiel von 36 auf 35,4 Punkte.

Um in diesem schwierigen, von stark rückläufiger Nachfrage geprägten, wirtschaftlichen Umfeld bestehen zu können, haben die heimischen Industrieunternehmen bereits vehement an der Kostenschraube zu drehen begonnen. Neben der Begrenzung der Neuinvestitionen auf das notwendige Mindestmaß und der Eindämmung von Ausgaben durch die Neuverhandlung von Lieferantenabkommen ist die Anpassung der Personalkapazitäten an die niedrigeren Produktionsanforderungen bereits seit elf Monaten im Gange. „Im März erfolgte der Jobabbau in der Industrie mit neuem Rekordtempo. In 43 Prozent der befragten Unternehmen gingen Arbeitsstellen verloren, nur in 3 Prozent wurden Neueinstellungen vorgenommen“, zitiert Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl aus der aktuellen Befragung. Die Anzahl der unselbständig Beschäftigten in der österreichischen Industrie liegt derzeit bereits mehr als 3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Steiermark, Salzburg und das Burgenland haben bisher die stärksten Beschäftigungsrückgänge unter den österreichischen Bundesländern hinnehmen müssen. Im Gleichschritt hat sich auch die Arbeitslosigkeit im Sektor deutlich erhöht. Innerhalb Jahresfrist stieg die Anzahl der Arbeitslosen aus Industrie und Gewerbe um sogar 35 Prozent, dabei überdurchschnittlich stark in Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg.

Im Zuge der zum Teil deutlichen Verbilligung von Vormaterialien, insbesondere von Stahl und Rohöl waren die österreichischen Industriebetriebe im März mit dem stärksten Rückgang der Einkaufspreise seit Beginn der entsprechenden Umfrage vor mehr als zehn Jahren konfrontiert. Der verminderte Kostendruck von der Inputseite ist zwar willkommen, eine maßgebliche Verbesserung der Rahmenbedingungen ergibt sich dadurch angesichts der schwächelnden Auftragslage jedoch nicht. Aufgrund der angespannten Nachfragesituation sind die Erzeuger derzeit noch härterem Wettbewerb ausgesetzt und haben in der Folge auch die Verkaufspreise entsprechend stärker nach unten angepasst. Die Abgabepreise sind im März mit neuer Rekordrate gesunken. „Der kräftige Preisverfall bei einigen Vormaterialien bietet in der derzeitigen Situation den heimischen Industrieunternehmen keine Möglichkeit ihre Ertragslage positiv zu beeinflussen. Im Gegenteil die rückläufige Nachfrage zwingt mitunter zu nicht mehr kostendeckenden Verkaufspreisen“, meint Pudschedl.

Industriekonjunktur verlängert Winterpause
Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex vom März unterstreicht, dass ein Umschwung der Konjunkturabkühlung der österreichischen Industrie vorerst nicht in Sicht ist. Die schmalen Auftragsbücher und der dramatische Einbruch des Neugeschäfts dämpfen die Aussichten nachhaltig. Die Chancen auf eine Bodenbildung der heimischen Industrie verschieben sich angesichts des sich weiter verfinsternden Konjunkturhimmels über den europäischen Hauptmärkten, vor allem über Deutschland und Italien, in die zweite Jahreshälfte. „Die nationalen Konjunkturmaßnahmen und die geldpolitische Lockerung durch die EZB unterstützen zwar, der Schlüssel für einen nachhaltigen Aufschwung der heimischen Industrie liegt jedoch in der Entwicklung der globalen Exportnachfrage. Erst wenn es Österreichs wichtigsten Handelspartnern gelingen sollte, die Rezession zu überwinden und die Nachfrage nach „Made in Austria“ wieder in Schwung kommt, wird sich die heimische Industriekonjunktur aufzuhellen beginnen“, meint Bruckbauer. Nach einem Anstieg der Industrieproduktion im Gesamtjahr 2008 um 1,6 Prozent erwarten die Ökonomen der Bank Austria für 2009 eine drastische Einbuße im Sektor von über 6 Prozent.

Charts zur Presseausendung

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
Walter Pudschedl, Tel. 05 05 05 DW 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

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