29.04.2009

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im April:
Der Absturz der österreichischen Industrie wird langsamer

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex im April gestiegen, doch Abschwung geht weiter
  • Beschäftigungsabbau verlangsamt, Aussichten jedoch weiter ungünstig
  • Anstieg des Verhältnisses Neuaufträge zu Lagerentwicklung erhöht Chance auf Trendwende
  • Bodenbildung frühestens im Verlauf des Sommers, nur zähe Erholung im Jahresverlauf 2010

"Die ersten Anzeichen für eine bevorstehende Stabilisierung der heimischen Industriekonjunktur sind da. Der saisonbereinigte Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) zeigt im April kräftig nach oben", meint der stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria Stefan Bruckbauer. Der Indikator ist von 33,7 im Vormonat auf 39 Punkte gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit einem halben Jahr erreicht. Dennoch befindet sich der Indikator weiterhin deutlich unter dem Wert von 50, der die Wachstumsschwelle markiert. "Die Lage in der österreichischen Industrie ist weiterhin sehr ernst. Die Talfahrt hat sich zwar verlangsamt, der Tiefpunkt ist jedoch noch nicht erreicht", so Bruckbauer.
Erstmals seit acht Monaten haben sich im April alle Teilkomponenten des Bank Austria EinkaufsManagerIndex verbessert. Dies nährt zwar die vorsichtig optimistischen Erwartungen einer Konsolidierung der Lage in der zweiten Jahreshälfte, aber es liegen dennoch alle Komponenten unterhalb der Wachstumsschwelle. So hat sich auch die Produktionsleistung im April weiter verringert, wenn auch mit deutlich geringerem Tempo. Der Anstieg des Index auf 40,6 Punkte ist sogar der stärkste überhaupt seit Beginn der Erhebungen.

Angesichts der weniger stark sinkenden Produktionsanforderungen hat sich auch der Stellenabbau im April etwas eingebremst. Die weiteren Aussichten für die Beschäftigungsentwicklung sind nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria dennoch ungünstig. Die Arbeitslosigkeit wird als konjunktureller Nachläufer in den nächsten Monaten sehr stark steigen, denn der Produktionsrückgang hält noch weiter an und Kurzarbeitsregelungen werden in den nächsten Monaten auslaufen. "Am Arbeitsmarkt werden die Folgen der Wirtschaftskrise erst 2010 so richtig zu spüren sein. Wir rechnen mit einem Anstieg auf erheblich mehr als 300.000 Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt und einer Arbeitslosenquote von 8,4 Prozent, der höchsten seit 55 Jahren", meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Erst danach ist eine Trendwende am Arbeitsmarkt möglich, doch Rationalisierungsbestrebungen und eine zurückhaltende Investitionsneigung werden positive Beschäftigungseffekte in der Industrie noch länger hinauszögern.

Die Auftragspolster in der Industrie nehmen ungebrochen ab, denn die Nachfrage nach Produkten der heimischen Sachgütererzeuger ist noch immer stark rückläufig. Insbesondere die Aufträge aus dem Ausland, gehen angesichts der besonders schwierigen Konjunktursituation in den wichtigsten österreichischen Märkten, allen voran Deutschland, weiter zurück. Erstmals seit einem Jahr sind jedoch ermutigende Signale erkennbar. Der Absturz der Neubestellungen, sowohl aus dem In- als auch Ausland, hat sich im April sehr stark verlangsamt. Gleichzeitig hat sich das Tempo des Abbaus der Vormaterialien- und der Fertigwarenlager nur wenig eingebremst. "Das Verhältnis zwischen Auftragseingängen und Lagerbeständen, das in der Vergangenheit ein sehr aussagekräftiger Indikator für die Abschätzung der Industriekonjunktur war, hat sich deutlich erhöht und erreicht erstmals wieder ein Niveau wie vor einem Jahr", meint Pudschedl und ergänzt: "Das sind gute Nachrichten, denn sobald die Nachfrage wieder wächst, werden die Unternehmer unmittelbar die Produktion erhöhen, da ein Ausgleich über die Lager dann nicht mehr ausreicht." Dazu ins Bild passt auch, dass sich der Rückgang der Lieferzeiten im April wieder verringert hat.

Das erste Quartal 2009 wird als eines der schwärzesten in die österreichische Industriegeschichte eingehen. Allein in den ersten beiden Monaten sank die Produktionsleistung im Jahresvergleich um zweistellige Werte. Der aktuelle Bank Austria EinkaufsManagerIndex weist vorläufig auf eine Fortsetzung der konjunkturellen Talfahrt hin. Die Schärfe des Rückgangs hat jedoch bereits deutlich abgenommen. Die ermutigende Entwicklung einiger Teilaspekte unterstützt zudem die Aussicht auf eine bevorstehende Stabilisierung des Abschwungs und anschließende Seitwärtsbewegung. Der Tiefpunkt in der Industriekonjunktur ist jedoch nicht vor dem Sommer zu erwarten. "Für 2009 ist ein durchschnittlicher Rückgang der Industrieproduktion um deutlich über 10 Prozent nicht auszuschließen und angesichts der weltweiten Nachfrageschwäche und der anhaltenden Investitionszurückhaltung sind die Erwartungen einer nachhaltigen Erholung danach gering", fasst Bruckbauer die Einschätzung der Bank Austria zur aktuellen Lage der österreichischen Industrie zusammen.

Grafiken zur Presseaussendung (PDF; 87 KB)

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
Walter Pudschedl, Tel. 05 05 05 DW 41957;
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

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