29.01.2009

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Jänner:
Österreichs Industrie leidet immer stärker

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex sinkt im Jänner abermals auf neuen Tiefstwert
  • Anhaltender Produktionseinbruch erhöht Beschäftigungsüberkapazitäten
  • Geringfügige Erleichterung durch aktuelle Preisentwicklungen
  • Stabilisierung der Auftragseingänge nährt Hoffnung auf baldige Bodenbildung

Im neuen Jahr setzt sich der Abwärtstrend in der österreichischen Industrie weiter fort. Der saisonbereinigte Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) erreicht im Jänner nur noch einen Wert von 33,1, nach 35 Punkten im Vormonat. Damit markiert der Indikator abermals einen historischen Tiefstwert seit Beginn der Datenerfassung vor mehr als zehn Jahren. Der Index hat im April vergangenen Jahres jenen Wertebereich verlassen, der Wachstumstendenzen anzeigt und befindet sich somit aktuell bereits in seinem dritten Abschwungsquartal. "Nach dem scharfen Einbruch des Bank Austria EinkaufsManagerIndex gegen Ende 2008 deutet sich nach dem Jahreswechsel weiter keine Erholung der österreichischen Industriekonjunktur an. Der steile Abwärtstrend setzt sich etwas vermindert fort", meint der stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria Stefan Bruckbauer.

Produktionsdrosselung schafft Überkapazitäten
Nach Ansicht der Ökonomen der Bank Austria geht die Talfahrt der österreichischen Industrie vorerst in hohem Tempo weiter. Der Index für die Produktionsleistung ist im Jänner deutlich stärker als der Gesamtindikator gesunken und erreicht mit 31,4 Punkten einen neuerlichen Tiefststand. Während die sinkenden Produktionsanforderungen zu Beginn der Abschwungsphase noch keine Anpassungen im Personalbereich ausgelöst haben, ist mittlerweile in immer mehr Industrie-unternehmen jedoch eine kritische Auslastungsgröße unterschritten worden. "Überschüssige Personalkapazitäten führen nun zu einem immer stärkeren Beschäftigungsabbau, der über die Verringerung der Anzahl an Leiharbeitern hinausgeht", meint Bruckbauer.

Der Beschäftigungstrend in der österreichischen Industrie, der in den vergangenen Jahren dank ausgezeichneter Exporterfolge nach oben zeigte, weist nach saisonbereinigten Daten mittlerweile bereits nach unten. Im Jahresdurchschnitt 2009 gehen die Ökonomen der Bank Austria von einer Verringerung der Beschäftigten in der Industrie um etwa zwei Prozent bzw. 15.000 Personen aus. "Auch die Anzahl der Beschäftigten in der Gesamtwirtschaft wird 2009 leicht zurückgehen. Die Arbeitslosigkeit steigt deutlich von 5,8 Prozent im abgelaufenen Jahr auf 6,7 Prozent heuer. Insgesamt werden rund 30.000 Personen ihre Arbeit verlieren", erwartet Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Starker Preisverfall im Einkauf, Verkaufspreise sinken langsamer
Im Zuge der Verbilligung von Vormaterialien und Rohstoffen konnten die österreichischen Industriebetriebe im Jänner bei deutlich zurückgehenden Beschaffungsmengen mit stark sinkenden Einkaufspreisen kalkulieren. Die Verkaufspreise sanken zwar auch den dritten Monat in Folge, der Rückgang fiel jedoch weiterhin geringer aus. Seit Mitte 2008 weitet sich die Schere zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis aus, was die Ertragssituation der Unternehmen in dieser konjunkturell schwierigen Phase geringfügig stützt. "Die Preisdurchsetzungsmacht der heimischen Industrieunternehmen ist angesichts der schwächelnden Nachfrage jedoch begrenzt, mit negativen Konsequenzen für die zukünftige Kosten- und Gewinnsituation", so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Abwärtsspirale durchbrochen
Erstmals seit Beginn der rasanten Talfahrt finden sich in der aktuellen Umfrage unter den Einkaufsmanagern auch zarte positive Signale. Der Sinkflug der Auftragseingänge hat sich im Jänner erstmals seit August des Vorjahres nicht mehr verschärft. Dies ist zwar auf die heimische Nachfrage zurückzuführen, doch auch die Dynamik des Rückgangs im Exportneugeschäft hat sich erheblich reduziert. Zudem hat sich das Verhältnis von Auftragseingängen zu Lagerbeständen, das in der Vergangenheit ein sehr aussagekräftiger Indikator für die Abschätzung der Industriekonjunktur war, erstmals seit einem halben Jahr wieder verbessert. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, denn auch in der Vergangenheit gab es in langen Abschwungsphasen kurze Gegenbewegungen über ein oder mehrere Monate. Die Abwärtsrisiken für die österreichische Industrie sind daher weiterhin als sehr hoch einzuschätzen. Die Finanzkrise ist noch nicht ausgestanden und die eingehenden Frühindikatoren wichtiger Handelspartnerländer zeigen bisher kaum Anzeichen einer Trendumkehr. Zudem hat sich in den vergangenen Monaten das Geschäftsumfeld in den für Österreichs Wirtschaft sehr wichtigen osteuropäischen Wachstumsmärkten drastisch verschlechtert. Dennoch ist das in der aktuellen Umfrage angezeigte Ende des freien Falls der heimischen Industrie ein Hoffnungssignal für eine bald bevorstehende Bodenbildung. "Eine Erholung ist trotz der möglichen Durchbrechung der Abwärtsspirale allerdings noch in weiter Ferne. Die erwartete Stabilisierung der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2009 erhält nun jedenfalls ein erstes unterstützendes Argument", meint Bruckbauer abschließend. Dennoch gehen die Ökonomen der Bank Austria aufgrund der stark schrumpfenden Industrieleistung für 2009 weiterhin von einem Rückgang des BIP um 1,3 Prozent aus.

 charts (PDF; 37 KB)

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
 Walter Pudschedl, Tel. 05 05 05 DW 41957;
 E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

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