29.06.2009

Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Juni:
Trendwende in Österreichs Industrie für Sommer immer wahrscheinlicher

  • Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Juni zeigt Verlangsamung der Talfahrt
  • Rückgang bei Neuaufträgen, Auftragsbestand und Produktionsleistung bremsen sich ein
  • Beschäftigungsabbau wird jedoch mit hohem Tempo fortgesetzt
  • Industrie kurz vor Stabilisierung, aber keine deutliche Erholung zu erwarten

Der saisonbereinigte Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) hat sich im Juni stark von 39,3 auf 42 Punkte verbessert. Der Indikator zeigt nun bereits den dritten Monat in Folge nach oben. Ein solch eindeutiger Aufwärtstrend war letztmalig um den Jahreswechsel 2005/2006 zu beobachten, allerdings befand sich der Indikator damals auf solidem Wachstumsniveau. Trotz der anhaltenden und kräftigen Aufwärtsbewegung über das gesamte zweite Quartal des laufenden Jahres notiert der Indikator heute dagegen weiterhin klar unter der Marke von 50. "Der aktuelle Bank Austria EinkaufsManagerIndex zeigt mit einem Wert von 42 einen weiteren Rückgang der österreichischen Industriekonjunktur an. Das Schrumpfungstempo bremst sich mittlerweile deutlich ein, der Tiefpunkt steht jedoch noch bevor", interpretiert der stellvertretende Chefvolkswirt der Bank Austria Stefan Bruckbauer, "Angesichts der jüngsten Daten erwarten wir die Trendwende in der heimischen Industrie noch im Verlauf des Sommers."

Die aktuelle Umfrage unter den heimischen Einkaufsmanagern zeigt, dass sich die österreichische Industrie auf breiter Basis auf dem Weg der Besserung befindet. Fast alle Teilindizes weisen im Juni einen kräftigen Anstieg auf, liegen jedoch ausnahmslos noch unter der Wachstumsschwelle. So setzte sich der Rückgang der Neuaufträge im Juni deutlich abgebremst fort. Insbesondere die Nachfrage aus dem Ausland nahm nur noch wenig ab, wobei derzeit vor allem die Verschlechterung der Konjunktur in Osteuropa den Index nach unten drückt. "Das abnehmende Auftragsminus verlangsamte den Produktionsrückgang im Juni. Der Index für die Produktionsleistung stieg auf 45,2 Punkte, den günstigsten Wert seit mehr als neun Monaten", so Bruckbauer.

Der Rückgang der Auftragseingänge bremst sich derzeit erheblich mehr ein, als das Minus beim Auftragsbestand. Das deutet darauf hin, dass die heimische Industrie noch weiter Bedarf hat, die vorhandenen Kapazitäten an die schwache Konjunktursituation anzupassen. Tatsächlich ist der Beschäftigungsindex auch die einzige Komponente des Bank Austria Einkaufsmanagerindex, der sich im Juni nicht verbessert hat. "Der Jobabbau in österreichischen Industrieunternehmen hat sich weiter beschleunigt, eine Trendwende in der Beschäftigungsentwicklung ist zudem nicht in Sicht. Der Beschäftigungsabbau wird sich aufgrund der geringen Kapazitätsauslastung sogar dann noch einige Zeit fortsetzen, wenn Aufträge und Produktionsleistung wieder anziehen", meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria ist für 2009 ein Anstieg der Arbeitslosenquote auf sogar 7,6 Prozent (2008: 5,8 Prozent) zu erwarten, der sich 2010 weiter auf 9 Prozent fortsetzen wird.

Die Erwartung einer bald bevorstehenden Trendwende in der österreichischen Industrie basiert neben den ermutigenden Aufwärtsbewegungen der meisten Komponenten des Bank Austria EinkaufsManagerIndex vor allem auf der Entwicklung der Lager. Der besonders starke Abbau der Lagerbestände in den vergangenen Monaten zeigt, dass die Produktionsleistung mitunter stärker zurückgefahren wurde, als es der Einbruch der Nachfrage erfordert hätte. Im Juni hat sich der Abbau der Verkaufslager sogar im Rekordtempo fortgesetzt. Das Verhältnis zwischen dem Index für Neuaufträge und jenem für das Fertigmateriallager, das bislang ein guter Indikator für die Industriekonjunktur war, ist nach dem absoluten Tiefststand von 0,54 im Dezember nun auf 1,14 gestiegen. Das ist der höchste Wert seit Anfang 2007 als der EMI deutlich über der Wachstumsschwelle lag. "Die Rezession in der Industrie wird nach unserer Einschätzung bald vorbei sein, denn die Unternehmen werden die Produktion an die Nachfragebedingungen anzupassen haben und die leeren Lager bald wieder auffüllen. Allerdings besteht das Risiko, dass sich die Nachfragesituation in den kommenden Monaten nicht deutlich genug verbessert, um einen nachhaltigen Aufschwung des Produktionszyklus in der Industrie einzuleiten und somit der zu erwartende Lageraufbaueffekt als Strohfeuer verpufft", meint Pudschedl.

Auch wenn eine Stabilisierung der Industriekonjunktur unmittelbar bevorstehen dürfte, die Hoffnung auf eine kräftige Erholung danach ist nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria fehl am Platz. "Allzu großem Optimismus müssen wir eine Absage erteilen, denn die globale Wirtschaft ist weiterhin angeschlagen, ein kräftiges Zugpferd für die exportabhängige österreichische Industrie ist derzeit noch nicht in Sicht. Nach dem katastrophalen Start ins laufende Jahr wird die Industrieproduktion im Jahresdurchschnitt 2009 um rund 12 Prozent real sinken und auch 2010 nur geringfügig wachsen", sagt Stefan Bruckbauer.

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.

Tabellen (PDF; 27 KB)

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis
Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

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