15.10.2009

Bank Austria Konjunkturindikator:
Die Erholung hält an, aber verliert bald an Schwung

  • Bank Austria Konjunkturindikator im September abermals verbessert, aber der Aufwärtstrend hat sich verlangsamt
  • Erholung bremst sich nach Jahreswechsel ein, jedoch kein neuerlicher Einbruch
  • Investitionsschwäche hemmt Erholungstempo 2010
  • Inflation steigt moderat, vorerst kein Anlass für geldpolitischen Richtungswechsel

Der Aufwärtstrend in der österreichischen Wirtschaft setzt sich fort. Der Bank Austria Konjunkturindikator hat sich im September auf minus 0,7 Punkte nach minus 0,9 im Vormonat verbessert. "Der wirtschaftliche Aufschwung in Österreich hält vorerst an. Die Verlangsamung der Aufwärtsbewegung des Bank Austria Konjunkturindikators im September lässt erwarten, dass die Konjunkturerholung allerdings bald wieder an Schwung einbüßen wird", so Bank Austria Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer zum aktuellen Wert.

Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria ist insbesondere der aktuelle Stimmungstrend in der europäischen Industrie ein wichtiges Anzeichen dafür, dass der derzeit recht kräftige Rückenwind für die heimische Wirtschaft bald wieder an Stärke verlieren dürfte. Nachdem in den vergangenen Wochen einige Frühindikatoren enttäuschten, hat sich das europäische Industrieklima in September nur noch marginal verbessert. In einigen Ländern, unter anderem dem zweitwichtigsten österreichischen Handelspartner Italien, war die Stimmung sogar wieder rückläufig. Die Verunsicherung über die Nachhaltigkeit des Aufschwungs schlägt sich auch im heimischen Industrievertrauen nieder, das sich im September nur noch wenig aufhellte und noch immer deutlich unter Vorkrisenniveau liegt. "Während sich in der europäischen und heimischen Industrie durch die etwas nachlassende Auftragsdynamik die Geschäftsaussichten nun zurückhaltender verbessern, begrenzt die angespannte Lage am Arbeitsmarkt den Optimismus der Konsumenten", meint Bruckbauer.

Kräftiges Wachstum bis über den Jahreswechsel hinaus, doch Erholungstempo nimmt danach ab
Nach dem dramatischen Rückgang im ersten Halbjahr hat die österreichische Wirtschaft mittlerweile die Rezession hinter sich gelassen. "In einem günstigen geldpolitischen Umfeld ist, angetrieben von einer sich wieder beschleunigenden Exportnachfrage und einem durch fiskalpolitische Impulse unterstützten robusten Konsum, bereits die Rückkehr auf den Wachstumspfad gelungen. Für das dritte Quartal 2009 gehen wir von einem BIP-Anstieg um 0,3 Prozent zum Vorquartal aus und die vorliegenden Indikatoren lassen erwarten, dass gegen Jahresende die österreichische Wirtschaft noch dynamischer wachsen wird", meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.
Spätestens für das Frühjahr zeichnet sich jedoch eine Verlangsamung der Konjunkturerholung ab. "Der globale Industrieaufschwung wird an Dynamik einbüßen, wenn die laufende Aufstockung der in den vergangenen Monaten stark bereinigten Lager abgeschlossen ist und die Katalysatorwirkung der weltweit gesetzten fiskalpolitischen Maßnahmen abebbt. Die Erholung wird daher in der ersten Jahreshälfte 2010 nur mühsam vorankommen", so Pudschedl. Ein erneutes Abdriften der österreichischen Wirtschaft in eine Rezession erscheint nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria derzeit aber wenig wahrscheinlich, insbesondere wenn die Zurücknahme der expansiven wirtschaftspolitischen Maßnahmen nicht übereilt erfolgt.

Investitionsflaute bremst Wirtschaftsdynamik
Als entscheidend für den weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Erholung wird sich die Entwicklung der Investitionen erweisen. Nach Ansicht der Bank Austria Ökonomen spricht eine Reihe von Fakten für eine auch noch längere Zeit recht zurückhaltende Entwicklung der Investitionen. "Die aktuell niedrige Kapazitätsauslastung der Unternehmen, die ungünstigere Liquiditätssituation aufgrund der schlechteren Ertragsentwicklung, veränderte ordnungspolitische Rahmenbedingungen wie Eigenkapitalerfordernisse oder Aufsichtsbestimmungen sowie eine vorsichtigere Risikoeinschätzung der Wirtschaftsakteure werden das Investitionsverhalten dämpfen", so Bruckbauer. Das wird nach Einschätzung Bruckbauers auch die Kreditdynamik beeinträchtigen. Die Investitionsschwäche wird bis ins kommende Jahr anhalten und erst mit 2011 ist wieder eine solide Erholung der Investitionstätigkeit zu erwarten, die das Wirtschaftswachstum wieder auf robustere Beine stellen wird. Nach dem Rückgang des BIP um 3,8 Prozent im Jahr 2009 erwarten die Ökonomen der Bank Austria im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent.

Inflation mit moderatem Anstieg
Nachdem die Preise im September im Vergleich zum Vorjahr um nur 0,1 Prozent anstiegen, ist bis zum Jahresende mit einer kontinuierlichen Zunahme der Teuerung zu rechnen. Ausschlaggebend dafür ist ein Basiseffekt zurückzuführen auf die Preisentwicklung bei Rohstoffen, insbesondere von Erdöl. Ab Oktober nimmt der bislang inflationsdämpfende Einfluss des Erdölpreises rapide ab und die verbesserten Konjunkturerwartungen werden einen abermaligen Rückgang der Rohstoffpreise verhindern. Bis zum Jahresende wird die Teuerung auf rund 1 Prozent steigen. Die Inflationserwartungen für 2010 sind unter der Annahme relativ stabiler Ölpreise jedoch moderat. "Nach nur 0,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2009 rechnen wir mit einem Anstieg der Teuerung auf 1,2 Prozent im kommenden Jahr", meint Bruckbauer. Für die europäische Zentralbank ergibt sich daher nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria kein Handlungsbedarf hinsichtlich des Leitzinses, der noch bis Ende 2010 auf dem aktuell tiefen Niveau gehalten werden wird.

 Tabellen (PDF; 63 KB)

Rückfragen: Bank Austria Economics & Market Analysis Austria
Walter Pudschedl, Tel. +43 (0) 50505 - 41957
E-Mail: walter.pudschedl@unicreditgroup.at

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